Die Prognosen für die kommenden Monate sind düster. Die Inflationskrise wird uns noch lange begleiten, warnt IHS-Chef Klaus Neusser im ORF.
Die Inflation reißt große Löcher in die Taschen der Österreicher. Im ZIB2 mit Martin Thür konnte Wirtschaftsexperte und Leiter des Institute for Advanced Studies, Klaus Neusser, keine gute Nachricht überbringen: “Wir glauben, dass die Inflation gekommen ist, um zu bleiben.” Das derzeitige Hoch von 8 Prozent werde sinken, “aber wir werden nicht um vier Prozent runtergehen können.”
Das Ziel der EZB, die Inflation um etwa zwei Prozent zu senken, dürfte nicht erreicht werden. Dazu müsste die Notenbank die Zinsen noch weiter anheben, was aber aufgrund der unterschiedlichen Verschuldungssituation in den EU-Ländern ein schwieriger Balanceakt wäre. Länder wie Italien hätten dadurch große Probleme.
IHS-Direktor Klaus Neusser besucht das ZIB2 mit Martin Thür am 30. Juni 2022. ORF Screenshot
die Rezession steht bevor
Eine Rezession sei zwar nicht auszuschließen, aber derzeit noch auf der „optimistischen Seite“, sagt Neusser. Dies gilt jedoch nur, solange sich an der aktuellen Situation nichts ändert. Das große Bedrohungsszenario: ein plötzlicher Gasstillstand aus Russland. Aber dieser Schritt hätte „dramatische Auswirkungen“ auf die Energiepreise.
„Gäbe es ab heute einen Lieferstillstand, würden wir in eine Rezession eintreten: Ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um mehr als 3 Prozent“, warnt der Ökonom. Viel hängt davon ab, ob die Industrie Öl durch Gas ersetzen könnte oder ob sie die Produktion einstellen sollte. Aber es gibt große Unterschiede zwischen den Branchen.
Die Folgen für den Arbeitsmarkt, der um vier bis fünf Prozent einbrechen würde, seien “ziemlich dramatisch”. Regional besonders betroffen wären die Mur-Mürz-Furche und Oberösterreich.
IHS-Direktor Klaus Neusser besucht das ZIB2 mit Martin Thür am 30. Juni 2022. ORF Screenshot
Reallohnverluse
Knapp vier Prozent der diesjährigen Reallohnverluste sind laut Neusser das Ergebnis der Lohnrunden des vergangenen Jahres, als eine geringere Inflation prognostiziert wurde. “Wir gehen davon aus, dass die Reallöhne im nächsten Jahr wieder steigen werden.” Der Grund: In den nächsten Lohnrunden wird die Inflation berücksichtigt.
„Am Ende des Jahres werden wir alle etwas ärmer sein als am Anfang“, „langfristig um drei Prozent“, sagte Neusser, „da müssen wir uns darauf einstellen, dass wir das nicht sind nicht mehr reich.” .com érem “.
Nav-Account rcp Time30.06.2022, 22:38 | Akt: 30.06.2022, 22:46