Mittlerweile fällt es sogar jedem auf, der nicht so genau an die Kasse geschaut hat: Brot, Milch, Eier, Obst, Gemüse, Fleisch und viele andere Produkte werden teurer. Höhere Lebensmittelpreise trafen vor allem die weniger wohlhabenden Bevölkerungsschichten. Haushalte im untersten Einkommensdezil geben 16,9 % ihres Einkommens für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke aus, während Haushalte im höchsten Einkommensdezil 9,7 % ausgeben.
Um die Inflation zu täuschen, greifen Verbraucher zunehmend zu günstigeren Produkten. „Beim Kaufverhalten sehen wir, dass Einstiegspreise (Anmerkung: günstige Eigenmarken) immer mehr gekauft und Aktionsangebote gut genutzt werden. Das gilt für alle Warengruppen“, sagt Christian Prauchner, Präsident des Bundesverbandes . Lebensmitteleinzelhandel in der Wirtschaftskammer Österreich in der “Wiener Zeitung”.
Eigenmarken stark nachgefragt
Tatsächlich ist zu erkennen, dass die Regale mit den eigenen Marken viel leerer sind als die anderen. Spar-Sprecherin Nicole Berkmann spricht von einer 10-prozentigen Steigerung der Nachfrage nach Eigenmarken-S-Budget-Produkten in den ersten drei Monaten dieses Jahres im Vergleich zum ersten Quartal 2021 und einer leichten Abschwächung des Bio-Booms.
Die Rewe-Gruppe (Billa, Adeg, Penny) sieht für Clever-Produkte ein „dynamisches Wachstum, insbesondere bei Grundnahrungsmitteln“, wie auf Anfrage mitgeteilt wird. Aber auch das Clever-Sortiment, das 650 Produkte umfasst, wurde in den letzten Wochen stark beworben. Ich werde weiterhin Bio kaufen.
Discounter Hofer berichtet: „Wir gehen davon aus, dass der starke Preisanstieg in den kommenden Monaten dazu führen wird, dass die Bevölkerung unser gutes Dauerangebot zu günstigen Preisen verstärkt in Anspruch nimmt.“
Aber auch sehr billige Produkte wie Nudeln sind von der Inflation betroffen. Laut Arbeitsmarktcheck Inflationscheck kostete ein Kilo Penne im Juni 2021 noch 0,78 Cent. Er liegt nun bei 1,40 Euro, was einer Steigerung von 79 Prozent entspricht.
Der tägliche Einkauf kostet immer mehr
Der Mikrowarenkorb der Statistik Austria spiegelt die täglichen Einkäufe hierzulande wider. Darin enthalten sind vor allem Lebensmittel wie Brot und Gebäck, die im April 8,2 Prozent mehr kosteten als vor einem Jahr. Butter war mit einem Preisanstieg von 25,7 Prozent ein besonders deutlicher atypischer Wert. Insgesamt stieg der Preis des Mikro-Warenkorbs im April um 7,7 Prozent. Die globale Inflation beschleunigte sich von 6,8 % auf 7,2 %, laut einer Schnellschätzung der Statistik Austria hätten die Verbraucherpreise im Mai um 8 % steigen können.
Wenn Lebensmittel im Supermarkt so teuer sind, könntest du sie günstig auswärts essen. Keine Retouren: Auch Fast-Food-Ketten und Dönerläden mussten ihre Preise erhöhen, um die steigenden Kosten zu decken. Ein besonders plakatives Beispiel: “McDonald’s Cheeseburger kostet immer einen Euro, jetzt kostet er 1 Euro 60!”, sagte Willi Mernyi, Geschäftsführer des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), “Die Preise sind runter!” ÖGB-Konferenz vor 3.200 Teilnehmern in der Marx Halle in Wien. Die Veranstaltung forderte erneut eine vorübergehende Mehrwertsteuerbefreiung für Lebensmittel, um die Auswirkungen der Inflation auf die Verbraucher abzufedern. Dagegen hatte sich zuletzt Spar-Österreich-Chef Fritz Poppmeier ausgesprochen. Bei Abschaffung und Wiedereinführung der Mehrwertsteuer besteht immer wieder die Gefahr einer weiteren Inflation. Es ist jedoch nicht zu erwarten, dass Händler aufgrund des hohen Wettbewerbs einen Rabatt nicht an die Kunden weitergeben. Spar würde diese Erleichterung vermitteln, versicherte er.
Der Lebensmitteleinzelhändler gehörte zu den Gewinnern der Corona-Pandemie, da er von den behördlich angeordneten Ausgangsbeschränkungen nicht betroffen war und von der geschlossenen Gastronomie profitierte. Die Inflation frisst nun das Wachstum der Branche auf: Laut Statistik Austria ging der Umsatz im ersten Quartal dieses Jahres um 1,7 Prozent zurück, was angesichts der Preisentwicklung einem tatsächlichen Verlust von 5,8 Prozent entspricht.
Der Handel stieg im ersten Quartal real um 3,6 Prozent
Generell waren die Österreicher in den ersten drei Monaten ausgabebereit. Der gewerbliche Umsatz stieg nominell um 15,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Real blieb mit einem Plus von 3,6 Prozent übrig. Die Einzelhandelsumsätze stiegen um 8,3 Prozent (real plus 2,3 Prozent). Allerdings sei zu beachten, dass ein Großteil der Betriebe im ersten Quartal 2021 aufgrund von Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie von Schließungen und anderen Einschränkungen betroffen gewesen sei, erinnern Statistiker.