Lebenszeichen per Videobotschaft: Deutsches Impf-Ehepaar meldet nach Monaten vermisste Kinder

– Ein deutsches Impfgegner-Paar zeigt vermisste Kinder an

Andreas und Anna Egler sind mit ihren beiden Mädchen aus früheren Beziehungen nach Paraguay geflüchtet. Eine internationale Fahndung ist im Gange, jetzt per Telegramm gemeldet.

Gepostet heute um 14:51 Uhr

Internationale Suche: Lara, Tochter von Anna Egler, und Clara, Tochter von Andreas Egler. Die paraguayischen Behörden forderten die Bürger offiziell auf, Hinweise zu melden.

Foto: PD

Die beiden Kinder wirken am emotionalsten. Clara, 10, sitzt neben ihrem Vater Andreas Egler. Neben ihm seine neue Frau Anna Maria Egler und seine 11-jährige Tochter Lara. “Sucht uns nicht mehr, das wollen wir nicht”, sagen die Mädchen weinend in einem Video, und “bitte trennt uns nicht.”

Ende November vergangenen Jahres verließ das Ehepaar Andreas und Anna Egler mit Clara und Lara Deutschland nach Paraguay – laut paraguayischer Staatsanwaltschaft gegen den Willen der anderen Eltern, die in Essen leben. Seit sechs Monaten suchen sie verzweifelt nach ihren Kindern.

Das gesuchte deutsche Paar hat am Mittwoch ein gemeinsames Video mit den Mädchen auf dem Nachrichtendienst von Telegram gepostet. In dem Video kommt Andreas Egler, ein ehemaliger Fußballprofi, zu Wort: „Wir sind die Familie Egler, die jetzt weltweit als Verbrecher, als Mörder, als Verbrecher gesucht werden“, sagt der 45-Jährige. Seine neue Frau, Anna Egler, 35, sagt, er habe seine Kinder “nur beschützen” wollen.

Die beiden Töchter sprechen in dem Video nicht über „Mutter“ oder „Vater“, sondern nennen ihre Eltern mehrfach mit vollem Namen: „Wir haben in Deutschland schon gesagt, dass wir bei Andreas Egler und Anna Egler wohnen wollen“, sagt sie sagt. Klar.

Einen Tag vor dem Video fanden lokale Behörden das Auto der vermissten Personen, die in Paraguay nahe der Grenze zu Argentinien verlassen wurden. In diesem Zusammenhang nahmen die Behörden laut der paraguayischen Zeitung ABC Color einen Mann fest, der vor einem Monat einen Nissan-Van an das gesuchte Paar vermietet hatte. Staatsanwältin Carina Sanchez sagte der Zeitung, der Mann habe viele Informationen geliefert, sei jetzt aber wieder auf freiem Fuß. Das Paar ist derzeit nicht angeklagt, aber es liegt ein Haftbefehl von Interpol wegen Entführung Minderjähriger vor.

Bekennende Impfskeptiker

Das Wochenende des Paares mit den Kindern in London sei zunächst geplant gewesen, sagte Claras Mutter, Anne Maja Reiniger-Egler, dem Spiegel. Hierfür lag die Einwilligung des jeweiligen Ex-Partners vor. Statt nach London flog das Paar mit den Mädchen nach Madrid und von dort in die paraguayische Hauptstadt Asuncion. Seitdem herrscht Funkstille.

Clara und Lara sind wohl nur deshalb in Südamerika, weil ihre Eltern während der Pandemie in die Kronen-Verschwörungsszene eingestiegen sind. Paraguay ist bei deutschen Gegnern der Maßnahmen beliebt. Es gibt Wohnanlagen, die mit abgeschlossenen Betten und schlüsselfertigen Bungalows gezielt deutsche Impfskeptiker umwerben.

In einem Abschiedsbrief, der dem „Spiegel“ vorliegt, erklärte das Paar im November, dass sie diesen Schritt aufgrund der in Deutschland geltenden Corona-Regeln „machen mussten“. Das Kindeswohl in Deutschland ist zu stark bedroht. „Bald wird es nicht mehr möglich sein, mit Kindern das Land zu verlassen oder sie vor der bereits beschlossenen Verpflichtung zu schützen, an einem Menschenversuch mit unbekanntem Ausgang teilzunehmen“, schrieb Andreas Egler.

In Deutschland würde es bald zu Lebensmittelknappheit, Stromausfällen, einem totalen wirtschaftlichen Zusammenbruch und anderen unvorstellbaren Katastrophen kommen. In dem Brief warfen die beiden ihren Ex-Partnern vor, sich angesichts dieser Bedingungen nicht um die Sicherheit ihrer Tochter zu kümmern. Welche Zukunft, schreibt Egler laut “Spiegel”, könne sie Clara in Deutschland bieten: “Ein Leben im Überwachungszustand, mit Angst, Krieg und Krankheit?”

Öffentliche Jagd

Wo sich die Familie derzeit aufhält, ist nach Angaben der Behörden nicht bekannt. Zuletzt wurde sie Ende Januar in La Colmena gesehen, etwa drei Autostunden von der Hauptstadt entfernt. Dort soll das Paar mit den Kindern in Zelten gelebt und mit dem Hausbau begonnen haben, sagte Mario Vallejos, der Leiter der Anti-Entführungs-Arbeitsgruppe der paraguayischen Polizei, am vergangenen Montag bei einer Pressekonferenz in der Hauptstadt.

Auf der Pressekonferenz richtete auch Claras Mutter, Anne Maja Reiniger-Egler, emotionale Worte an das Paar. “Mädchen können sich nicht ihr ganzes Leben lang verstecken.” Er bat die beiden, sich mit ihnen oder den Behörden in Verbindung zu setzen. Laut Spiegel und Welt suchten die verbliebenen Eltern mit Hilfe von Privatdetektiven bereits auf eigene Faust in Paraguay nach ihren beiden Töchtern.

Anne Maja Reiniger-Egler hält ein Foto ihrer 10-jährigen Tochter, die während der Pressekonferenz am Montag in Asuncion vermisst wird.

Foto: Jorge Saenz (Keystone)

Der deutsche Anwalt von Reiniger-Egler sagte dem Spiegel am Mittwoch, seinen Mandanten werde es schwerfallen, ihre Kinder in dem Video wiederzuerkennen. Clara schnitt ihr Haar und färbte es. Auch ihm schien es laut Rechtsanwalt Stephan Schultheiss nicht gut zu gehen. Mit diesem Video würde das vermisste Paar auch von den Eltern verlangen, “ihre Kinder aufzugeben und sie zurückzulassen”.

Die Patchwork-Familie fahndet seit Montag öffentlich. Das paraguayische Ministerium für Kinder und Jugend forderte die Bürger offiziell auf, den Behörden Informationen über ihren Aufenthaltsort zu melden.

Anielle Peterhans ist seit 2021 Fellow des Tages-Anzeigers. Sie studierte Politikwissenschaft und Neuere Geschichte an der Universität Zürich.

Mehr Infos @ Anielle_PeHeute um 14:51 Uhr gepostet

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