Leerstandswarnung Der niedrige Rheinpegel verteuert Sprit
Von Marc Dimpfel am 20.07.2022 um 18:58 Uhr
Der Pegel des Rheins sinkt kontinuierlich, Deutschlands größte Wasserstraße ist wichtig für die Energieversorgung. Angesichts der aktuellen Trockenperiode warnt die Mineralölindustrie vor einem Engpass. Autofahrer könnten dies bald an Tankstellen hören.
Die Dürre bereitet der deutschen Schifffahrt massive Probleme. Weil der Pegel des Rheins und anderer Flüsse derzeit niedrig ist, können Reedereien viele ihrer Schiffe nur zur Hälfte füllen. Denn mit mehr Ladung würden die Schiffe zu tief im Wasser liegen. Das belastet die Versorgung der Tankstellen und es droht ein Dominoeffekt.
„Schiffe können nicht mehr voll beladen fahren, daher steigen zunächst die Transportkosten und in der Folge muss der Güterverkehr per Lkw ersetzt werden“, erklärt Jürgen Ziegner, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Zentrale Servicestelle Industrie. „Letztendlich kann dies zu Leerständen an Tankstellen führen, weil es nicht genug Lkw gibt, um die Tankstellen zu beliefern“, sagt er gegenüber ntv.de.
Ziegner verweist auf das Dürrejahr 2018, als der Rheinpegel im Oktober unter 20 Zentimeter lag. Schon damals blieben einige Tankstellen in Nordrhein-Westfalen zeitweise ohne Sprit. Die Kosten dieser Mehrbelastung tragen letztlich auch die Verbraucher. „Im November 2018 lagen die Kraftstoffpreise im vom Niedrigwasser des Rheins betroffenen Süddeutschland aufgrund der Transportkostenexplosion um 20 Cent pro Liter höher als in Norddeutschland“, sagte der Branchenvertreter. Diesmal besteht auch das Risiko einer Preiserhöhung.
„Das Angebot ist anspruchsvoller“
Der aktuelle Wasserstand beschäftigt auch den Interessenverband Fuels and Energy, der große Mineralölkonzerne wie Total, Shell und BP vertritt. „Unsere Mitgliedsunternehmen können weiterhin alle Transporte bedienen, aber die Versorgung ist anspruchsvoller geworden“, sagt Pressesprecher Alexander von Gersdorff gegenüber ntv.de. “Wir verfolgen die Situation weiterhin aufmerksam.” Nach Ansicht des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) könnte sich die Lage jedoch rasch verschlechtern. „Die ersten Wasserstände am Rhein liegen bereits unter dem extrem niedrigen Wasserstand von 2018“, warnt der BDI.
Der Rhein ist die wichtigste Wasserstraße Europas und verbindet wichtige Wirtschaftsstandorte wie Basel, Ludwigshafen, Duisburg und Rotterdam. Sie ist für die Energieversorgung vor allem in West- und Süddeutschland von großer Bedeutung, da sie als Transportweg für große Raffinerien dient. Direkt am Fluss liegt der größte Deutschlands, der Energie- und Chemiepark Rheinland in Köln.
Unterdessen droht der Pegel des Rheins noch weiter abzusinken, weil in den kommenden Tagen keine nennenswerten Regenfälle in Sicht sind. Der am kritischen Punkt Kaub zwischen Mainz und Koblenz gemessene Wert lag am Nachmittag bei 67 Zentimetern. Ab einem Wasserstand von 40 Zentimetern ist eine Durchfahrt für Lastkähne nicht mehr möglich.