Legoland-Achterbahn: Unfälle trotz jährlicher TÜV-Prüfung

Das hat es noch nie gegeben: zwei schwere Achterbahnunfälle in Deutschland innerhalb weniger Tage. In einem Freizeitpark in Klotten an der Mosel stürzt ein 57-jähriger Mann von einer fahrenden Achterbahn und stirbt.

Fünf Tage später krachte im Freizeitpark Legoland im schwäbischen Günzburg eine Achterbahn in die andere. Mehr als 30 Menschen werden verletzt.

In beiden Fällen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Aber erwarten Sie keine schnelle und schlüssige Erklärung, zumindest im Fall des Legoland-Unfalls.

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Bis ein Gutachten vorliege, könne es Wochen oder Monate dauern, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Memmingen auf Anfrage. Erst dann wird entschieden, ob eine konkrete Anfrage wegen fahrlässiger Körperverletzung vorliegt.

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Die beiden Fälle befeuern eine Diskussion um die Sicherheit von Achterbahnen in Freizeitparks oder Vergnügungsmessen. Unfälle sind in dieser Form eine beispiellose Ausnahme, so der Branchenverband der Freizeitparks und Freizeitunternehmen (VDFU). Vergnügungsparks hatten jedes Jahr mehr als 50 Millionen Besucher.

Während es beim Unfall im Freizeitpark Klotten um die Frage ging, ob der Sicherheitsbügel richtig geschlossen war oder sich möglicherweise gelöst hat, sahen sich Experten beim Waggonunfall im Legoland Park einem anderen Szenario gegenüber.

Sicherheitslücken, die nicht existieren sollten

Beide Unfälle weisen Sicherheitslücken auf, die eigentlich nicht vorhanden sein dürften. Der Dachverband TÜV in Berlin sagt allgemein: „Unfälle sind in Deutschland relativ selten. Sie können sowohl technische als auch menschliche Ursachen haben.“

In Deutschland beispielsweise werden die Sicherheitsbügel oder -gurte bei den meisten Achterbahnen vor Fahrtantritt durch das Personal des Betreibers überprüft und nicht durch technische Einrichtungen wie Sensoren.

Möglicherweise eine Sicherheitslücke. Der TÜV weist darauf hin, dass geschultes Personal auf Fahrgeschäften darauf achten muss, dass Sicherheitsbügel oder Gurte geschlossen und befestigt sind.

Alle Achterbahnen müssen sich einer jährlichen Sicherheitsüberprüfung durch eine anerkannte Prüfstelle unterziehen. „Alles wird auf Herz und Nieren geprüft“, sagt eine Sprecherin des TÜV-Verbandes, auf sicherheitsrelevante Abnutzungen, Rostflecken und mehr. Mobile Achterbahnen auf Vergnügungsfesten wie dem Oktoberfest gelten als sogenannte „fliegende Bauwerke“ mit zusätzlichen Tests vor der Inbetriebnahme.

Der TÜV Rheinland hat das System auf der Achterbahn im Wild- und Freizeitpark Klotten getestet. Angeblich soll dieser TÜV, und kein konkurrierender TÜV, die nach dem tödlichen Unfall stillgelegte Achterbahn nochmals untersuchen und dann möglichst freigeben. Die tägliche Sicherheitspraxis der Achterbahn liegt in der Verantwortung des Betreibers.

Die Achterbahn Feuerdrache im Legoland Deutschland

Quelle: Stefan Scheer/Wikimedia Creative Commons

Die Feuerdrache-Achterbahn im Legoland sei bisher vom TÜV Süd geprüft worden, zuletzt im Frühjahr, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Nähere Angaben werden aufgrund von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft TÜV Süd nicht gemacht.

Der Dachverband TÜV sagt allgemein, dass eine Achterbahnstrecke in Abschnitte unterteilt ist und Sicherheitsbremssysteme immer für ausreichenden Abstand zwischen den Zügen sorgen sollten.

Im internationalen Vergleich sind die Achterbahnen hierzulande langsam

Auch der Hersteller der Achterbahn, das bayerische Unternehmen Zierer Karussell- und Spezialmaschinenbau, schweigt. Während Legoland die Höchstgeschwindigkeit der Achterbahn auf knapp 30 km/h beziffert, spricht Zierer von einer Höchstgeschwindigkeit von knapp 60 km/h.

Im internationalen Vergleich ist dieses Tempo sehr langsam. Vor rund zehn Jahren veröffentlichte der TÜV Süd stolz die Meldung, die damals schnellste Achterbahn der Welt, die sogenannte Formula Rossa in Abu Dhabi, nach der europäischen Norm (EN 13814) für Freizeitpark-Attraktionen geprüft zu haben Die Wüstenachterbahn hat eine Seilwinde mit 32.000 PS und beschleunigt wie ein Katapult in nur 4,5 Sekunden auf 240 km/h.

Es gibt einen weltweiten Trend zu immer ausgefeilteren Achterbahnen. Loopings reichen nicht mehr aus. Es gibt Achterbahnen, die sich vorwärts und rückwärts bewegen, Waggons, die plötzlich auf eine andere Ebene „fallen“ oder wenden.

Einige Fahrgeschäfte führen durch Gebäude mit animierten Charakteren. Experten sprechen von „Audio-Animatronics“ mit Charakteren, Tieren und Fabelwesen aus Filmen oder Marken von Freizeitparkbetreibern. Während der Fahrt werden auf riesigen Bildschirmen Fantasiewelten simuliert.

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Die Designer lassen die Passagiere durch Nebelwände fahren oder müssen in ihren Fahrzeugen scheinbar vor den sie verfolgenden Dinosauriern fliehen. Ein Mekka für Achterbahnfans sind die Vereinigten Staaten und insbesondere der Großraum Orlando. Auch der Freizeitpark Legoland in Günzburg erneuert seine Achterbahnen und baut eine weitere neue Achterbahn, diesmal mit einer „auf dem Kopf stehenden“ Sektion.

Große neue Achterbahnen sind für Freizeitparkbetreiber Investitionen in Millionenhöhe. Zu beachten ist, dass einige weltweit agierende Achterbahnhersteller ihren Sitz in Deutschland haben. Zu den Marktführern zählen der mit dem Europa-Park Rust verbundene Hersteller Mack Rides aus Waldkirch bei Freiburg sowie die bayerischen Unternehmen Zierer und Gerstlauer Amusement Rides.

Der Schweizer Hersteller Intamin hat sich mit rekordverdächtigen Achterbahnen wie der Formula Rossa in Abu Dhabi einen Namen gemacht. Das ebenfalls in der Schweiz ansässige Unternehmen Bolliger & Mabillard gehört mit anspruchsvollen Designs zu den grossen Namen der Branche.

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