Lehrplandebatten – Die Freikirche gründet im Aargau eine Schule “mit christlichen Werten”

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Im Kanton Aargau gibt es eine neue kostenlose Privatschule der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Diese verpflichten sich zur Einhaltung des kantonalen Lehrplans. Andere freikirchliche Schulen interpretieren dies kreativ.

Im Aargau hat vor kurzem die Schule wieder begonnen. Für einige Erst- und Zweitklässler in Reinach ist dies ein besonderer Tag. Sie besuchen zum ersten Mal die neue Schule der Siebenten-Tags-Adventisten, eine protestantische Kirche mit Tausenden von Schulen auf der ganzen Welt.

Siebenten-Tags-Adventisten glauben, dass die Endzeit nahe ist und mit ihnen die Erlösung des Messias. Sie sind sehr fromm und feiern den Sabbat als heiligen Tag, sehr stark an der Bibel orientiert.

Dem Unterricht in Reinach liegt laut einer Stellungnahme der Freikirche ein “reformpädagogisches Konzept” zugrunde. „Christliche Werte prägen das Profil der Schule“, erklärt Cornelia Dell’mour, Leiterin der Bildungsabteilung der Deutschschweizer Adventisten. Und er verspricht: “Es wird Unterricht nach dem 21er-Lehrplan geben.” Wir arbeiten mit kantonalen didaktischen Materialien.

Derzeit eingeschränkte Zulassung

Der Kanton bewilligt Privatschulen, wenn sich die Schule zum Lehrplan verpflichtet und die Lehrpersonen über eine anerkannte Ausbildung verfügen. Bei der Schule Reinach ist die Bewilligung auf drei Jahre befristet.

«Eine Schule kann einen religiösen Charakter haben und den Glauben leben, aber keine Inhalte aus dem Lehrplan ausschliessen», sagt Patrick Isler, Leiter der Elementarabteilung des Kantons Aargau. Dies wird bei den angekündigten Kontrollen überprüft. „Wir schauen uns die Notizbücher an und führen Gespräche. Das gibt uns ein gutes Bild davon, was in der Schule gelehrt wird.”

Darwin oder die Bibel?

Was aber, wenn die vom Kanton vorgeschriebene Materie den Überzeugungen widerspricht? Dies ist beispielsweise bei der Evolutionstheorie der Fall. Weil Adventisten die Bibel sehr wörtlich nehmen. Und im Schöpfungsbericht der Bibel heißt es, dass Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen hat.

Andere freikirchliche Schulen gehen kreativ mit diesem Dilemma um: Sie lehren die Evolutionstheorie, aber nur als „Variante“, als mögliche Theorie der Entstehung der Biodiversität.

Morgengebet in der öffentlichen Schule

Wer sein Kind mit freikirchlichem Hintergrund auf eine Privatschule schickt, dürfte mit dieser Kreativität kein Problem haben. Dagegen haben die Lehrkräfte der Primarschule Freikirchen, der letzten in Safenwil im Aargau, immer wieder Kritik provoziert. Ein Kirchenlehrer wollte in der öffentlichen Schule Morgengebete halten.

Studien zeigen auch, dass überdurchschnittlich viele freikirchlich ausgebildete Studierende an Pädagogischen Hochschulen studieren. Dies ist nicht überraschend. Denn es gehört zum Selbstverständnis der Freikirche: Wer Gott dienen will, dient den Menschen. Deshalb arbeiten viele Freikirchliche in Pflegeberufen oder als Lehrer.

Der religiösen Neutralität verpflichtet

Wenn Angehörige der Freikirche ihren Glauben in öffentlichen Schulen offen leben und an Kinder weitergeben wollen, führt dies oft zu Konflikten. Die Grundschule bekennt sich zu religiöser Neutralität. Deshalb braucht es staatliche Kontrollen.

Ob diese Kontrolle bei der neuen Privatschule der Siebenten-Tags-Adventisten funktioniert, müssen die nächsten drei Jahre zeigen. Die Freikirche hat bereits angekündigt, ihr Angebot im Jahr 2025 auf die gesamte Primarstufe ausweiten zu wollen.

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