„Die deutsche Leichtathletik lebt“, freute sich Ringer im Gespräch mit t-online. “Athleten haben das, aber man muss ihnen auch die Gewissheit geben, dass sie ihre Ziele verfolgen können, um etwas Besonderes zu bewirken. Das ist getan und die Athleten haben gehandelt.” Auch Ringer bestätigt den Einfluss der Atmosphäre in München: „Die Unterstützung des Publikums und der Fans war sehr wichtig und hat einen großen Anteil am Erfolg der Athleten. Die Heim-EM war für viele Athleten das große Ziel dieses Jahr und genau in diesem Moment konnten sie ihre Leistung entfalten, sie haben sich davon nicht beirren lassen und waren für diese Woche in Topform.”
“Die Leistungsdichte ist nicht so groß”
Lars Riedel, ein ehemaliger Weltklasse-Diskuswerfer, hat sowohl die Weltmeisterschaften als auch die Europameisterschaften von der Seitenlinie aus verfolgt. Der 55-Jährige, der in seiner Karriere Olympiasieger und fünfmaliger Weltmeister wurde, sagt gegenüber t-online: „Es waren wunderbare Titel und Medaillen.“ Besonders beeindruckt zeigte sich Riedel vom deutschen Erfolg: „Ich habe mich für viele Athleten sehr gefreut. Vor allem für Speerwerfer Julian Weber war er Vierter bei Weltmeisterschaften und bei Olympia und hat endlich den Titel gewonnen.“
Lars Riedel: Der ehemalige Diskuswerfer wurde unter anderem 1996 Olympiasieger. (Quelle: Pressefoto Rudel/Herbert Rudel via www.imago-images.de)
Der deutsche Erfolg ist aber auch darauf zurückzuführen, dass Leichtathletik-Hochleistungsnationen wie die USA, Kenia oder Jamaika bei einer Europameisterschaft nicht dabei sind. „Das Tolle an einem EM ist, dass die Leistungsdichte nicht so groß ist“, bestätigt Riedel. “In manchen Disziplinen ist nicht das höchste Niveau da und wir haben immer gute Möglichkeiten.”
Deshalb erklärt Riedel: „Das Marathon-Gold ist eine super geniale Geschichte. Richard Ringer hat alles richtig gemacht. Aber bei Olympia hat er keine Chance. Da sind zum Beispiel drei Kenianer vorne. Auch auf internationaler Ebene wird es schwieriger.“ Speerwurf. Überraschungen wie der Stabhochsprung wird es immer geben.“ Hier holte Bo Kanda Lita Baehre sensationell Silber und musste sich nur dem Weltrekordhalter und großen Flieger Armand Duplantis geschlagen geben.
Athleten rücken MS ins Rampenlicht.
Für Zehnkämpfer Kai Kazmirek (12. Platz bei der WM und Platz acht bei der EM) sind die sehr unterschiedlichen Ergebnisse zwischen WM und EM auch der Fokussierung der Athleten geschuldet. „Wegen der Möglichkeit eines doppelten Ausscheidens bei Europa- und Weltmeisterschaft werden sich viele Athleten auf die EM konzentriert haben“, ist sich Kazmirek sicher. Ein Szenario, das auch Riedel von früher kennt und bestätigt: „Es war klar, dass die Athleten, die wussten, dass sie im Weltcup nicht so gute Ergebnisse erzielen können, sich im Laufe des Jahres auf die Europameisterschaft konzentrieren werden.“ Und das mit Erfolg, wie sich letzte Woche gezeigt hat.