von. – 30.05.2022 13:17 (30.05.2022 19:49)
Titan Arum blüht am Montag in Wien. © APA / UNIVERSITÄT WIEN / JAN KNICKMANN
Der derzeit in voller Blüte stehende Titanwurz (auch „deformierter Penis“ genannt) ist ein Besuchermagnet im Botanischen Garten der Universität Wien. Das passiert bei der Pflanze, die zu den größten Blumen der Welt gehört, nur alle paar Jahre.
Bevor das Naturschauspiel des Wachstums, das auf Latein Amorphophallus titanum heißt – was übersetzt „unförmiger Riesenpenis“ bedeutet – am Montagabend endet, müssen Biologen noch Fragen zu seiner komplexen Fortpflanzungsstrategie klären.
Titanwurz blüht erstmals in Wien: Forscher wollen dem Rätsel auf die Spur kommen
Der Titanwurz stammt aus Sumatra (Indonesien) und zieht mit seinem riesigen Blütenstand kleine Insekten an, die als Bestäuber dienen. Die große Zwiebel an der Spitze des Blütenstandes erwärmt sich und verströmt einen Geruch, der an verfallende Kanäle erinnert. Genau das sieht und riecht man heute noch an der Wien-Landstraße. Das Exemplar der heute in Wien blühenden Pflanze der Aroidengewächse stand zuvor im Botanischen Garten der Universität Salzburg, wo sie 2019 mit einem mehr als zwei Meter hohen Blütenstand blühte. Seit dem Umzug nach Wien hat sich das Gewicht der riesigen Knolle der Pflanze unter der Obhut von David Prehsler und Kollegen im Core Facility Botanical Garden auf 80 Pfund verdoppelt.
Titanwurzblüte in Wien
© APA / UNIVERSITÄT WIEN / JAN KNICKMANN
Experten führen verschiedene Experimente durch
Während der kurzen Blütezeit führen Experten mehrere Studien zur Biologie der Riesenblütenbestäubung durch, wie Florian Etl vom Institut für Strukturelle und Funktionelle Botanik der Universität Wien am Montag im APA-Interview erklärte. Die Strategie von Titan Arum besteht eher darin, den Bestiengestank zu nutzen, um die aasfressenden Käfer anzulocken, die ihre Eier in die Kadaver legen, sie etwa 24 Stunden lang am Boden der riesigen Blume festhalten und sie dann wieder in die Transportmittel entlassen Pollen. . Es gibt nur wenige Beobachtungen von Sumatra.
Experten gehen auch davon aus, dass „es eine Blumenfalle ist“, sowie einige andere Aronstabpflanzen, sagte Etl. Dazu gehört übrigens auch der in Österreich beheimatete Gefleckte Aronstab oder Zimmerpflanzen wie Philodendren oder Buchten. Allerdings sei die Fallentheorie für die Titan Arum “nie wirklich bewiesen”. Dazu muss nachgewiesen werden, dass innerhalb der Struktur in Form eines Kessels Gleitflächen vorhanden sind. Um zu beweisen, dass es sich um eine “Kesselfallenblume” handelte, nahmen die Botaniker Schnitte des Kessels, des markanten Mittelpfostens und der Sonntags- und Montagsblumen, die dann unter einem Elektronenmikroskop analysiert werden. Sie dokumentieren auch, was mit in die Anlage freigesetzten Käfern passiert.
Titanwurz stinkt, wenn er blüht
An Sonntagen, dem geruchsstärksten Tag, findet man zum Beispiel glitschige Wachse, die beim Kontakt mit Insektenbeinen praktisch brechen und die Tiere von der Gleitfläche des Teekannenrandes zu Tausenden von Zapfen befördern -förmige weibliche Blüten. Der erste Tag der Blüte kann als “weiblicher Tag” bezeichnet werden, an dem die Pflanze versucht, besonders zu riechen, wodurch die Käfer angezogen werden, von denen wir hoffen, dass sie männliche Pollen von den spezifischen Käfern bringen.
Titan Arum hat am Montag seinen “männlichen Tag”.
Am Montag folgt der „Männertag“, an dem die Pollen des gerade blühenden Titanwurz einen Überträger suchen. Daher müssen Aaskäfer in Gefangenschaft bleiben. Anschließend werden Wiener Forscherinnen und Forscher die Pollen sammeln und analysieren. Sie lassen auch Rückschlüsse auf den Bestäuber zu. Nach etwa 24 Stunden Blüte können die Käfer entkommen und sich auf eine andere Pflanze mit synchronisierten Blüten zubewegen. Diese sind jedoch in den Wäldern Sumatras recht selten, was erklärt, warum sie so hart daran arbeiten, den Aasgeruch im Rest der Gegend zu überwinden.
Nach dem Ende der Wiener Blume, die zu Ehren des Wiener Botanikers und Aronstabgewächsforschers Heinrich Wilhelm Schott (1794-1865) auf den Namen „Willi“ getauft wurde, sei dieses Ereignis erst in etwa drei Jahren wieder zu erwarten, erklärte Etl. Bis heute hat die Titanwurz im Botanischen Garten viele Besucher angezogen, was bis heute anhalten dürfte. Das dortige Kühlhaus ist bis 23 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet vier Euro (nur Barzahlung).