Die Worte der Website des Hotel Albrun in Binn VS sind eindeutig. „Schweren Herzens haben wir uns entschieden, das Hotel zum Ende des Winters 2023 zu schließen“, schreibt Inhaber Mario Inderschmitten (36). „Der ständige Personalmangel und die sich verschlechternde Preissituation in der Gastronomie machen uns eine Zukunft im Binntal unmöglich.“
In der Hochsaison Juli und August arbeiten dort in der Regel acht Arbeiter. Trotzdem sieht es für den Sommer nicht gut aus. Es sind noch sechs Stellen vakant. „Seit einem halben Jahr suchen wir Servicekräfte. Wir brauchen auch Hilfe im Zimmer und Hilfe in der Küche“, sagt Inderschmitten.
Er selbst steht in der Küche. Der gelernte Koch und Konditor war Mitglied der Schweizer Kochnationalmannschaft und hat 15 Gault Millau Punkte. „Ich bin allein in der Küche, das ist sehr hart“, sagt er. Seine Frau Laetitia (42) bedient die Gäste im Restaurant und kümmert sich um das Hotel mit elf Zimmern.
“Binn ist sehr abgelegen”
Aber warum findet Inderschmitten kein Personal? „Binn ist sehr abgelegen, das ist definitiv ein Faktor“, sagt er. Dazu trägt die ganze Corona-Geschichte bei. „Viele Menschen haben wahrscheinlich während der Haft erkannt, wie schön es ist, freie Nächte und Wochenenden zu haben. Sie werden nicht zurückkommen.“
Zudem ist Inderschmitten sehr besorgt über steigende Preise. “Seit Ausbruch des Ukrainekrieges ist alles teurer geworden”, sagt er. Sie kann nicht alle Preiserhöhungen an die Kunden weitergeben. Sonst würden sie nicht kommen.
Nach langen Diskussionen seien er und seine Frau zu dem Schluss gekommen, dass das Traditionshaus geschlossen werden sollte. „Irgendwann muss man sich einfach entscheiden“, sagt Inderschmitten. „Aber ein Familienunternehmen aufzugeben, ist alles andere als einfach. Wir haben es vor fast neun Jahren von meinem Vater übernommen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Betrieb sehr gut läuft“, sagt er.
“Sie haben das Angebot stark reduziert”
Schweren Herzens entschloss er sich, das Angebot anzupassen. „Wir haben das À-la-carte-Angebot stark reduziert“, sagt Inderschmitten. Statt wie bisher 15 bis 20 Gerichte stehen weiterhin fünf bis sechs auf der Speisekarte. Und ein Menü für Gäste, die Halbpension gebucht haben.
Mehr über Gastronomie
Der Küchenchef bietet regionale Spezialitäten wie Käseschnitten oder Walliser Gerichte. Aber auch moderne Gerichte, die er selbst kreiert hat. „Ich verbinde Fleisch zum Beispiel mit Dessertgerichten“, erklärt er. Zum Beispiel ein Rinderrücken mit süßen Elementen aus einer Schwarzwälder Kirschtorte. „Leider musste ich es aus dem Menü entfernen. Das macht mich traurig.“ „Man kann das noch eine Weile mit reduziertem Betrieb machen. Aber irgendwann verliert man die Freude.“
„Wir wollen im Wallis bleiben“
Deshalb soll das Hotel Albrun in Binn nach der Wintersaison enden. Und dann? „Das ist noch offen“, sagt Inderschmitten. Eine Möglichkeit ist der Verkauf des Familienhotels. Klar ist: «Wir wollen im Wallis bleiben. Und etwas Neues weiter unten im Tal beginnen. Besser jetzt als in zehn Jahren.“
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