«Massives Problem»: Videoclips und 1000 Franken Belohnung: So bekämpfen Schulen den Lehrermangel.

Gepostet am 3. Juni 2022, 17:34 Uhr

In der Schweiz herrscht akuter Lehrermangel. Führungskräfte nutzen verschiedene Maßnahmen, um sich um Fachkräfte zu bewerben.

Der Videoclip ist in den sozialen Medien sowie auf den Jobportalen der Pädagogischen Hochschulen zu sehen.

Stadt Uster

Die Vorbereitungen für das nächste Jahr laufen in Uster auf Hochtouren. Da im Moment keine Lehrer da sind, hat die Primarschule Uster einen schönen Videoclip erstellt. In dem knapp einminütigen Video laden die Schulkinder Nina und Matti «coole» Lehrerinnen und Lehrer ein, in Uster zu unterrichten. Ein Fall in der Ecke von Appenzell Ausserrhoden zeigt, dass nicht nur in Uster händeringend Lehrer gesucht werden. An einer Schule in Heiden wird den Lehrkräften für erfolgreich vermittelte Arbeitskräfte eine Prämie von 1000 Franken versprochen.

“Diese Maßnahmen zeigen die Verzweiflung der Schulbehörden. Der Mangel ist größer denn je. Die Befürchtung, dass nach den Sommerferien nicht genügend Lehrer in den Klassenzimmern sein werden, ist real“, sagte Franziska Peterhans, Zentralsekretärin des Dachverbandes der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH. Der Fachkräftemangel zeigt sich inzwischen auch in der Politik offener reden und zugeben, dass sie ein massives Problem haben, allein im Kanton Zürich fehlen mehr als 600 Stellen.

«Kantone haben Arbeitsbedingungen nicht verbessert»

Gründe für den Fachkräftemangel sieht Peterhans unter anderem in den Arbeitsbedingungen. „Auf der einen Seite sind die Löhne zu niedrig, auf der anderen Seite sind die Arbeitszeiten durch die vielen Überstunden zu hoch“, sagt Peterhans. Hinzu kommt, dass es heutzutage wenig Anerkennung für solch anspruchsvolle Arbeit gibt.

Ebenso müssten viele der neu ausgebildeten Lehrer von Anfang an viele Aufgaben übernehmen. „Sie sind unerfahren und haben wenig Unterstützung und sind oft mit der Situation überfordert. Das führt dazu, dass Neuankömmlinge nach einigen Jahren den Arbeitsplatz wechseln“, sagt Peterhans. „In einer Zeit, in der die Kinderzahlen steigen und wir auf dem Höhepunkt der Rentenwelle stehen, ist das verheerend.“

Laut Peterhans haben die Kantone die Arbeitsbedingungen nicht verbessert. „Schließlich muss die Politik handeln und den Beruf attraktiver machen. Wir brauchen zum Beispiel einen begleiteten Einstieg in die Arbeitswelt und eine bessere Bezahlung, gerade in der Grundschule, auch im Kindergarten“. Dass in mehreren Kantonen, etwa in Zürich und Bern, wegen Lehrermangels Menschen ohne Diplom unterrichtet werden können, hält Peterhans dagegen für keine gute Lösung: «Das wirkt sich nur auf die Qualität aus.» Sie sagt.

Fortsetzung des Arbeitskreises „Lehrermangel“.

Wie die Zürcher Primarschulbehörde auf Anfrage mitteilt, herrscht national wie international wie in vielen anderen Branchen ein weit verbreiteter Fachkräftemangel. „Aufgrund gesetzlicher Vorgaben und des Rechts auf Bildung können die öffentlichen Schulen im Gegensatz zu bestimmten anderen Bereichen nicht mit einem reduzierten Angebot reagieren“, erklärt Büroleiterin Myriam Ziegler.

Nach den Sommerferien müssen auch Personen ohne ausreichende Schulbildung an den Primarschulen des Kantons Zürich unterrichten. „Begleitende Maßnahmen für Schulen zur Integration und Unterstützung von Lehrkräften mit unvollständiger oder fehlender Ausbildung werden geprüft“, sagt Ziegler.

Wie die Zürcher Erziehungsdirektion kürzlich mitteilte, wurden mehrere Massnahmen mit mittel- und langfristigem Horizont eingeleitet. Dazu gehört unter anderem die Weiterführung der Arbeitsgruppe «Lehrkräftemangel» mit Vertretern der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH), der Primarschulbehörde und Verbänden des schulischen Umfelds. Auch Weiterbildungsplätze werden geschaffen.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *