Mattmark-Katastrophe: „Als wäre ein Eisberg vom Himmel gefallen“: Gletschereinsturz tötet 88

Aktualisiert am 30. August 2022, 11:56

Mattmark-Katastrophe: „Als wäre ein Eisberg vom Himmel gefallen“: Gletschereinsturz tötet 88

Am 30. August 1965 begrub eine Lawine aus Eis und Geröll eine ganze Kaserne und eine grosse Gruppe von Hilfsarbeitern, die einen Staudamm für die Schweiz bauten.

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Eine Luftaufnahme des Mattmark Dam vom 15. Juni 1965 vor dem Gletschereinbruch.

Bibliothek ETH Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz / Fotograf: Swissair Photo AG / LBS_P1-652586 / CC BY-SA 4.0

Der Gletschereinbruch begrub die Barackensiedlung unter sich.

Archiv der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie.

Begehung und Begehung des zerstörerischen Ausmaßes der Allalingletscher Lawine.

Datei

  • Um 1965 wurde der Mattmark Power Station Dam gebaut.

  • Während dieser Zeit wurde eine gewaltige Eislawine ausgelöst, die 88 Menschen tötete.

  • Der Damm wurde jedoch beendet und die Gerichte sprachen die Verantwortlichen frei.

Der Unfall gilt als der schlimmste in der Geschichte der Suva: Er ereignete sich am 30. August 1965, vor genau 57 Jahren. Um 17.20 Uhr brach ein grosser Teil des Allalingletschers ab, eine Eis- und Gerölllawine stürzte ins Walliser Saastal und begrub eine Barackensiedlung, 88 Menschen starben in den rund zwei Millionen Kubikmetern Eis.

Unter den Opfern waren 56 Italiener

Die 88 Toten und die Überlebenden waren damit beschäftigt, einen Staudamm zu bauen, der später Energie liefern sollte. Die Zahlen der Suva zeigen die traurige Bilanz: 88 Todesopfer, 86 Männer und zwei Frauen: 56 Italiener, 23 Schweizer, vier Spanier, zwei Deutsche, zwei Österreicher und ein Staatenloser. Das jüngste Opfer war 17, das älteste 70. Der Unfall hinterließ mehr als 80 Waisenkinder. Überlebende erzählten, wie sie die Katastrophe erlebten. „Es war, als wäre ein Eisberg vom Himmel gefallen“, sagte einer. Er kam nur mit dem Leben davon, weil ihn die Druckwelle der Eislawine zu Boden warf. Ein anderer Überlebender beschreibt einen “schrecklichen Windstoß”, wonach seine Kollegen “wie Schmetterlinge davonflogen”.

Aber wie kam es dazu? Doch genau diese Frage wurde später zum Hauptthema: Wurde die Gefahr falsch eingeschätzt, wurden die Warnungen ignoriert? In den Tagen vor der Katastrophe hatten sich immer wieder Eisblöcke von der Zunge des Allalingletschers gelöst. Die Arbeiter hatten die Abrisse gemeldet, ohne Folgen.

Beschwerden gegen Energieunternehmen

Die Elektro-Watt AG aus Zürich wurde daraufhin kritisiert. Sie befürchteten Geldstrafen, wenn sie zu spät kamen, daher die Anklage. Das Unternehmen war entschlossen, das Kraftwerk vor Einbruch des Winters fertigzustellen. Laut Suva könnte es einen sichereren Ort für die Arbeiterhütte geben, aber die Hütte wurde aus Zeitmangel nicht verlegt.

Nach dem Unfall wurde eine Ermittlungsbehörde eingeschaltet. Diese bestand aus drei Experten – Geologen und Glaziologen aus Deutschland, Frankreich und Österreich – und legte im Januar 1968 ihren Bericht vor.

Die Angeklagten werden freigesprochen

Zwei Jahre später beantragte der ausserordentliche Untersuchungsrichter in seinem Vorlageentscheid, gegen 17 Personen Anklage wegen fahrlässiger Tötung zu erheben, schreibt die Suva in einem Bericht. Angeklagt waren die Hauptfunktionäre der Elektro-Watt AG, Ingenieure, Unternehmer, ein Professor für Glaziologie und Beamte des Sozialamtes des Kantons Wallis sowie zwei Angestellte der Suva.

Es wurden Bussen zwischen 1000 und 2000 Franken gefordert. Anfang März sprach der Richter den Angeklagten jedoch frei: Fahrlässigkeit konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Die Hinterbliebenen mussten sogar die Hälfte der Anwaltskosten bezahlen. Dies sorgte in Italien für weitere Empörung.

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