27.06.2022 06:57 (27.06.2022 11:14)
©AP
Für Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey lief alles gut: Vitali Klitschkos Gesicht auf dem Bildschirm, die Gestik, die Mimik, die Bewegungen ihrer Lippen, aber er war es nicht. Es war nicht der bekannte Kiewer Bürgermeister und ehemalige Profiboxer, der aufeinanderfolgende Konferenzen mit Stadtratsvorsitzenden aus ganz Europa abhielt, sondern ein Unbekannter. Politiker werden Opfer der sogenannten Deep Forging, eines mit besonderer Sorgfalt behandelten Videoanrufs. Auch Madrid, Wien, Budapest und möglicherweise weitere Städte sind betroffen. Giffey hatte nur aufgrund von Fragen des Fremden Zweifel an der Videoschaltung. Der Gesprächspartner wollte wissen, ob Berlin helfen könnte, einen Christopher Street Day in Kiew zu organisieren. Dann wurde Giffey unterbrochen.
Zusammenhang mit dem Krieg
Der Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine ist offensichtlich, aber es wurden noch keine Verdächtigen benannt. In Österreich zog das Außenministerium ein erstes Fazit: Vor solchen Gesprächen sollten sich Politiker künftig mit der zuständigen Botschaft beraten, wie die APA berichtet.
Unvollendet in Wien
Das Gespräch endete nicht in Wien. In einer Pressemitteilung des Stadtrates nach der Sitzung am Mittwoch hieß es, Ludwig habe Klitschko Solidarität zugesagt. Am Wochenende sagte Ludwig, ihm sei ein ungewöhnlicher Tonfall aufgefallen. Der mutmaßliche Bürgermeister von Kiew sei am Ende des Videoanrufs ungewöhnlich anspruchsvoll geworden, sagte Ludwig dem ORF. „Aber das hätte mich nicht dazu gebracht, es in irgendeiner Weise in Frage zu stellen.“
Kriminelle Energie
Der echte Vitali Klitschko sagte am Wochenende in Kiew: „Ein falscher Klitschko, der absurde Dinge gesagt hat, hat mehrere Bürgermeister Europas kontaktiert“, sagte Klitschko in Kiew in einem von „Bild“ verbreiteten Video. Dahinter steckt kriminelle Energie. Wer dahintersteckt, muss dringend geklärt werden.