meinevaccinations.ch: Alle Daten werden gelöscht

Die Daten von rund 300’000 Schweizerinnen und Schweizern, die sich im Impf-E-Book meineimpfungen.ch registriert haben, müssen vernichtet werden. Das entschied der Bundesbeauftragte für den Datenschutz (EDÖB), Adrian Lobsiger, wie er am Dienstagabend mitteilte.

Das Berner Konkursamt wollte sensible Personendaten der Konkursmasse privat an ein privates Unternehmen verkaufen, als die Stiftung in Konkurs ging. Die Stiftung ging mit ihrer elektronischen Impfplattform am 17. November bankrott.

Ernste Datenschutzprobleme

Zuvor hatte ein externes Gutachten vom 15. November 2021 schwerwiegende Mängel in den Daten der Plattform bestätigt. Dies betraf sowohl inhaltsbezogene Daten als auch falsche Tetanus- und Covid-19-Informationen sowie falsche Kontaktinformationen. Diese Tatsachen hatte Lobsiger bereits in seinem Schlussbericht vom August 2021 kritisiert.

Langfristig seien die Plattformbetreiber seit dem Abschlussbericht nicht in der Lage gewesen, die Mängel zu beheben, stellt Lobsiger fest. Sie dürfen Daten berechtigten Nutzern nicht in datenschutzrechtlich vertretbarer Weise zur Verfügung stellen.

Der Datenschutzbeauftragte geht daher davon aus, dass jede andere Datenverarbeitung zu Personenschäden führen würde. Diese Verstöße würden den von der Stiftung geforderten Verzicht auf die Abschaffung kompensieren. Lobsiger ordnete deshalb beim Konkursamt Bern-Mittelland eine «förmliche Empfehlung an, vom geplanten Privatverkauf abzusehen» und die Daten zu löschen. Das Insolvenzamt akzeptiert es.

Wie kommen Geimpfte jetzt an die Daten?

Die Plattform meineimpfungen.ch mit ihrer E-Impfbroschüre wurde im Mai 2021 wegen Sicherheitslücken gesperrt. Ende März wurde bekannt, dass die 450’000 Impfdaten auf meineimpfungen.ch, davon 240’000 gegen Covid-19 geimpfte, manipuliert sein könnten. Daraufhin wurden das BAG und der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationssicherheit eingeschaltet.

Die grosse Frage ist: Was ist mit all den Usern, die ihre Impfungen nur auf meinevaccinations.ch registriert haben? Wie können sie nachweisen, dass sie gegen Tetanus, Polio, Hepatitis und Tollwut geimpft wurden?

Und wie viele der 300.000 Nutzer sind es? Das BAG, das Lobsigers Entscheid bedauert, will sich zu der Anfrage nicht äussern und verweist auf Edöb, den der Blick nicht erreichen konnte.

Die Stiftung hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, dass sie hofft, dass die meisten Nutzer ihre Daten behalten und dass auch Impfausweise in der Dokumentation bei Gesundheitsfachkräften gespeichert werden. Es wird empfohlen, dass Benutzer sich an den Arzt wenden, der sie geimpft hat, um ihre Impfungen zu überprüfen oder zu vervollständigen. (sf / SDA)

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