Melnyk von Präsident Selenskyj verdrängt

Vom Präsidenten entlassen: Melnyk ist nicht mehr Botschafter der Ukraine in Berlin

Bild: imago images / Christian Spicker

Der Botschafter der Ukraine in Deutschland, Andriy Melnyk, wurde entlassen. Er hatte in der Vergangenheit immer wieder die deutsche Haltung im Ukrainekrieg und das Gedenken an den Deutschen Krieg kritisiert. Er selbst wurde immer wieder kritisiert.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Botschafter seines Landes in Deutschland, Andriy Melnyk, entlassen. Das ging aus einem am Samstag ergangenen Erlass des Präsidialamtes in Kiew hervor.

Neben Melnyk wurden laut Präsidialamt auch ukrainische Botschafter in Norwegen, Tschechien, Ungarn und Indien entlassen. Selenskyj sprach von einem normalen Prozess. „Diese Frage der Rotation ist ein gängiger Bestandteil der diplomatischen Praxis“, sagte er am Samstag in einer Videobotschaft, ohne einen der fünf Botschafter zu nennen.

Unklar war zunächst, ob Melnyk nach seiner Entlassung zum Botschafter für einen anderen hochrangigen Posten in Kiew oder anderswo ernannt wird.

Melnyk ist seit Januar 2015 Botschafter in Deutschland, eine ungewöhnlich lange Zeit für einen Diplomaten im Amt. Kiewer Kommentatoren sagten am Samstag auch, dass dies etwa doppelt so lang war wie die übliche Veröffentlichungszeit.

Kritik an Äußerungen über den ukrainischen Nationalistenführer

Melnyk wurde in Deutschland durch seine scharfe Kritik an der ukrainischen Bundesregierungspolitik bekannt. Er wurde kürzlich mit kontroversen Äußerungen über den ukrainischen Nationalisten und Antisemitenführer Stepan Bandera unter Druck gesetzt, der beschuldigt wird, mit Nationalsozialisten zusammenzuarbeiten.

Melnyk dementierte in einem Interview mit dem Journalisten Tilo Jung [youtube.com]dass Bandera ein Massenmörder an Juden und Polen war. Der Nationalist wurde von der Sowjetunion bewusst dämonisiert. Die israelische Botschaft warf Melnyk vor, „historische Fakten zu verzerren, den Holocaust herunterzuspielen und die Morde durch Bandera und sein Volk zu beleidigen“.

Melnyk sagte tagelang nichts dazu, reagierte dann aber am Dienstag mit einem Tweet auf die Vorwürfe. Er richtet seine Worte ausdrücklich auch an „liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger“. Melnyk sprach von absurden Anschuldigungen, die er entschieden zurückwies. “Wer mich kennt, weiß das: Ich habe den Holocaust immer aufs Schärfste verurteilt.” Die Nazi-Verbrechen des Holocaust sind eine gemeinsame Tragödie der Ukraine und Israels.

Melnyk rief zu unterschiedlichen Kriegsgedenken in Deutschland auf

Der Diplomat hat in den vergangenen Monaten auch mit seiner scharfen Kritik an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) für Aufsehen gesorgt. Er warf Scholz und seinen Ministern unter anderem vor, zu zögerlich Waffen für den Kampf gegen russische Angreifer in der Ukraine abzugeben.

In Berlin hatte Melnyk das im Mai zum Gedenken an das Kriegsende erlassene Flaggenverbot in bestimmten Stadtteilen scharf kritisiert. Melnyk nannte dies auf Twitter eine skandalöse Entscheidung und bat Regierungsbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), sie aufzuheben. Das ist ein Schlag ins Gesicht für die Ukraine und ein Schlag ins Gesicht für das ukrainische Volk.

In einer Rede vor dem Landtag in Brandenburg anlässlich des Gedenkens an das Kriegsende forderte Melnyk, dass sich die Opfer des Ukrainekrieges stärker für das Gedenken engagieren. In Deutschland gibt es auch 77 Jahre nach Kriegsende einen “großen blinden Fleck” in der Erinnerung an die Barbarei der Nationalsozialisten, wenn es um die Ukraine geht.

Ausstrahlung: Inforadio, 9. Juli 2022, 17:40 Uhr

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