Menüvorgaben: Fleischverzicht in der Genfer Sektion fällt auf die Elternpartei Darum geht’s Bei politischen Themen informiert bleiben

Gepostet am 24. Mai 2022, 21:01 Uhr

Grüne Genfer Abgeordnete sollten bei ihrem Amtsantritt auf Fleisch verzichten. Den Schweizer Grünen geht das jedoch zu weit.

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Die Grünen halten nichts von einem Fleischverbot.

Bildschirmfoto / Instagram

«Ich persönlich finde, dass die Menüwahl auch eine Sache der Eigenverantwortung der Grünen-Abgeordneten ist», sagt Grünen-Präsident Balthasar Glättli.

20min / Matthias Spicher

„Das schürt Unmut und provoziert negative Reaktionen“, sagt Grünen-Nationalrätin Meret Schneider.

gruene-zh.ch

Fleischmenüs sollen für grüne Abgeordnete im Kanton Genf bei ihrem Amtsantritt tabu sein. Am Samstag beschloss die Genfer Sektion, dass die Vertreter bei Versammlungen, Sitzungen, offiziellen Mahlzeiten und anderen Veranstaltungen auf Fleisch verzichten sollten, wenn sie als ihr Büro teilnehmen. Es gehe nicht um Polizeiarbeit, sagt Delphine Klopfenstein Broggini, Präsidentin der Grünen in Genf, im “Léman bleu”. “Die Abgeordneten müssen sich mit ihren Überzeugungen im Einklang fühlen.”

Mittlerweile habe sich die Anwendung aber als zu streng herausgestellt, sagt Klopfenstein Broggini auf Nachfrage in 20 Minuten. Deshalb haben die Genfer Grünen eine weniger verbindliche Version ausgearbeitet. “Aber klar ist, dass die Grünen eine gesamtschweizerische Debatte über den Fleischkonsum und seine Auswirkungen auf die Umwelt führen müssen.”

“Auf jeden Fall fragt man fast immer nach Vegetariern”

Bei den Schweizer Grünen scheitert der Fleischverzicht. «Ich persönlich finde, dass die Menüwahl auch eine Sache der Eigenverantwortung der Grünen-Abgeordneten ist», sagt Grünen-Präsident Balthasar Glättli. In den meisten Fällen wählt er selbst ein vegetarisches Menü aus. „Wenn mehr als Gemüse im Angebot ist, wähle ich meistens das vegetarische Menü.“ Wenn Sie mit Ihrer Gruppe einen Imbiss planen, ist klar, dass es nur vegetarisches Essen geben wird.

Seine Parlamentskollegin Meret Schneider ist überzeugte Veganerin. Allerdings spricht er sich auch gegen einen Fleischverzicht aus. „Grüne Abgeordnete fragen ohnehin fast immer nach Vegetariern“, sagte die Nationalrätin. Die Partei hat auch kein Recht, ihren Vertretern Speiseregeln aufzustellen. “Das wäre so, als würde man grünen Abgeordneten das Fliegen ins Ausland oder Autofahren verbieten.” Zudem schadeten diese Regelungen dem Image. “Das weckt Ressentiments und provoziert negative Reaktionen.” Beamte sollten selbst entscheiden, ob sie ihren Konsum mit dem Parteiprogramm verbinden könnten.

“Die vereinbarte Strategie ist besser”

Der Verzicht auf das Fleisch kommt in Kreisen der Politik- und Strategieberatung gut an. Die Grünen wollten seit ihrer Gründung die Welt retten, sagt Niklaus Vary, Politik- und Strategieberater von NVV Consulting. “Die Grünen beweisen, dass sie immer noch echt sind und setzen alle verfügbaren Mittel ein, um dieses Projekt umzusetzen.” Für ein erfolgreiches Image raten Sie den Grünen, eine Linie zu ziehen. «Eine abgestimmte Strategie ist immer besser als ein kantonaler Geist.» Andererseits erscheint es falsch, einen Politiker wegen Fleischkonsums aufzuhängen. “Politiker sollten auch ein bisschen menschlich sein.”

Auch Bettina Mutter, Inhaberin der Mutter & Partner Consulting AG, findet die Debatte wichtig für die Grünen. „Die Debatte darüber, ob und inwieweit wir mit unserer Ernährung und unserem Essverhalten zur Verbesserung des Klimas und zur Bekämpfung von Nahrungsmittelknappheit und Hunger beitragen können, hat begonnen.“ Aber er hält nicht viel von Lebensmittelvorschriften für Abgeordnete. “Wie wir alle sollen und können Parlamentarier selbst entscheiden, was sie essen wollen.” Die Gewählten und vor allem diejenigen, die sich auf ideologische Prinzipien berufen, stehen ständig vor der Herausforderung, ihre Position konsequent zu leben. “Nüchtern betrachtet: Wer damit ein Problem hat, wird es in der Politik mittelfristig sicher schwer haben.”

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