Eine Gemeinde am Zürichsee suchte monatelang einen neuen Mieter für den Bäderkiosk. Nun hat die Suche endlich ein Ende: Mit Peter S.* aus Zürich hat die Gemeinde einen neuen Gastronomen für das Badehaus gefunden.
Ende gut, alles gut, könnte man meinen. Wie die “Republic” schreibt, ist der Gold Coast Community ein kleines Detail entgangen: In den USA wird Peter S. gesucht! Damit ist S., der früher als Banker arbeitete, der wohl meistgesuchte Pool-Mieter der Welt.
Hat Peter S. leichtgläubige Menschen betrogen?
Der mutmaßliche Täter soll Mitglied einer zehnköpfigen Bande sein, die hochkrimineller Aktivitäten beschuldigt wird. In einer fiesen Masche sollen die zehn Schurken internationale Investoren um mehr als sechs Millionen US-Dollar betrogen haben.
Die Vorwürfe, die die US-Staatsanwaltschaft für den Südbezirk von New York im Oktober 2021 gegen die mutmaßlichen Betrüger erhoben hat, sind hart: Drahtbetrug, Geldwäsche, schwerer Identitätsdiebstahl, so die Anklageschrift. S. wurde nicht verurteilt. Daher gilt für ihn weiterhin die Unschuldsvermutung.
Aber wie hat es die Bande geschafft, internationale Menschen um solch riesige Geldsummen zu täuschen? Mit ausgeklügelten Täuschungsmanövern ist es den Tätern gelungen, leichtgläubigen Menschen ihr Geld zu stehlen.
Unter Verwendung betrügerischer Websites und gefälschter E-Mail-Adressen sollen sie sich als Mitarbeiter erfolgreicher Finanzinvestmentfirmen ausgegeben und sogar die Namen, Titel und Unterschriften bekannter Persönlichkeiten aus der Geschäftswelt und dem Finanzwesen angeeignet haben Zudem sollen Betrüger aus verschiedenen Ländern mit hartnäckigem Telefonmarketing Geld aus den Taschen ihrer Opfer gezogen haben.
Diejenigen, die auf den fiesen Trick hereingefallen sind, wurden glauben gemacht, dass sie in verschiedene Unternehmen investierten, die sie mit riesigen Gewinnen belohnten. Doch das Geld floss tatsächlich auf die Konten der Bandenmitglieder, heißt es in der Anklageschrift.
“Ich habe in Amerika nichts falsch gemacht”
Wie die Zeitung schreibt, wurden im Laufe des Jahres 2021 praktisch alle Mitglieder der zehnköpfigen Bande festgenommen. Nur bei einem Mitglied, nämlich dem neuen Mieter Badi d’Erlenbach, scheinen die Bemühungen der US-Behörden erfolglos zu bleiben.
Peter S. bestätigte gegenüber Blick, dass er im Oktober 2021 von der US-Justiz gesucht wurde. Die Vorwürfe, er werde von den Behörden gesucht, weist er jedoch kategorisch zurück. Die Vorwürfe seien „unbegründet“. Und: «Ich habe noch nie ein Gesetz gebrochen, weder in Amerika noch in der Schweiz», sagte S. gegenüber Blick.
Außerdem wurde er nie offiziell über die Forschung informiert. Erst letztes Jahr erfuhr er davon durch die Presse. «Seitdem ist mein Anwalt in den USA mit der zuständigen Staatsanwaltschaft im Gespräch», sagt der Zürcher. S. gibt zu: „In spätestens zwölf Monaten ist die Sache erledigt. Ich habe nichts zu befürchten.”
Erlenbach ist entspannt
Auch die betroffene Gemeinde ist nicht allzu besorgt. „Die Liegenschaftskommission hat seine Bewerbungsunterlagen eingehend geprüft und ihn befragt“, sagt der Gemeindesekretär auf Anfrage der Republik.
Es gebe keinen Grund, S. nicht als Mieter des Kiosks in Betracht zu ziehen. Er hatte einen einwandfreien Strafregisterauszug vorgelegt, weshalb er in der Schweiz nicht verurteilt werden konnte.
Es besteht keine Gefahr, dass S. den Kiosk für irgendwelche krummen Machenschaften missbraucht. Und: „Uns braucht es nicht zu interessieren, was in den USA passiert“, so Keibach weiter.
Peter S. ist auch für die Schweizer Justiz bekannt
Nicht nur in den USA, auch in der Schweiz ist Peter S. kein unbeschriebenes Blatt. S. ist auch der Schweizer Justiz bekannt.
Im April 2021 wurde S. als Mitangeklagte in einem Prozess, der Wellen schlug, in mehreren Anklagepunkten für schuldig befunden.
Hauptangeklagter in dem Prozess war der Deutsche Florian Homm (62), ein erfolgreicher Hedgefonds-Manager, gegen den die Bundesanwaltschaft seit 13 Jahren ermittelt. Fromm wurde vorgeworfen, in den USA Aktienkurse manipuliert und damit Anlegern mehr als 170 Millionen Franken vorenthalten zu haben. S. fungierte als sein Treuhänder.
Laut Urteil des Bundesstrafgerichts hat sich Peter S. der qualifizierten Geldwäscherei, der mehrfachen Urkundenfälschung und des betrügerischen Konkurses schuldig gemacht.
Da mehrere Parteien – darunter S. – gegen das Urteil Berufung eingelegt haben, ist es noch nicht rechtskräftig. Nach Angaben der “Republik”-Untersuchung hob die Berufungskammer das Urteil Anfang Juni auf. Nun ist wieder die Vorinstanz zuständig. S. betont gegenüber Blick: «Es gibt weder in der Schweiz noch in den USA ein Strafverfahren gegen mich.» Der tadellose Strafregisterauszug, den S. auch der Republik vorgelegt hat, bestätigt diese Aussage.
“Die Sache mit den USA ist Teil einer Vendetta gegen mich”
Homm wurde 2021 wegen „qualifizierter unredlicher Geschäftsführung und mehrfacher Urkundenfälschung“ für schuldig befunden. Der Geschäftsmann wurde zu 36 Monaten Haft verurteilt, davon die Hälfte zur Bewährung.
Auch Peter S. weist die Vorwürfe im Fall Homm klar zurück: „Ich bin vollkommen unschuldig“, sagte Badis Mieterin. Er sollte der Bundesanwaltschaft im Prozess gegen Homm als Kronzeuge dienen. Doch das war für S. keine Option: „Ich werde niemandem Unrecht vorwerfen“.
Laut S. könnte die Schweizer Bundesanwaltschaft etwas mit der Fahndung aus den USA zu tun haben. „Möglicherweise ist das Teil der unmenschlichen Rache der Bundesanwaltschaft an mir“, sagt Hedgefonds-Manager S. Florian Homm, der seit 2011 auch in den USA gesucht wird. (dzc)
*Bekannter Name