Mindestens 18 Tote: Polizeieinsatz in Rio endet mit Blutbad

Mindestens 18 Tote Der Polizeieinsatz in Rio endet in einem Blutbad

22.07.2022, 03:12 Uhr

400 Polizisten rücken am frühen Morgen in gepanzerten Fahrzeugen in einen Favela-Komplex in Rio de Janeiro ein. Sie wollen gegen eine kriminelle Bande vorgehen, deren Mitglieder zudem schwer bewaffnet sind. Auch ein Zivilist stirbt bei den heftigen Schüssen.

Bei einem Polizeieinsatz in einem Slum in der brasilianischen Stadt Rio de Janeiro sind mindestens 18 Menschen gestorben. Unter den Toten seien 16 mutmaßliche Bandenmitglieder, ein 50-jähriger Anwohner und ein Polizist, sagte ein Polizeisprecher. Andere offizielle Quellen sprachen sogar von 20 Toten während des Einsatzes in der Favela Complexo do Alemão nördlich von Rio.

Die Polizei mit fast 400 Beamten rückte mit gepanzerten Fahrzeugen und vier Hubschraubern in den Slum mit 70.000 Einwohnern vor. Der Einsatz richtete sich laut Polizei gegen eine Bande, die Fahrzeuge und Banken überfällt. Medienberichten zufolge lieferten sich schwer bewaffnete Angehörige der Spezialeinheiten der Polizei und Kriminelle heftige Kämpfe. Die Behörden sagten, die Polizisten seien mit „Militär- und Guerilla“-Taktiken „gewaltsam“ angegriffen worden. Kriminelle benutzten auch Anwohner als Schutzschilde.

Auch gegen die Polizei gab es schwere Vorwürfe. Der Freund der 50-jährigen Ermordeten sagte dem Nachrichtenportal „G1“, sie und er seien in einem Auto unterwegs. „Da war ein Polizist an einer Ampel, wir haben angehalten“, sagte Denilson Glória. “Sie haben trotzdem auf das Auto geschossen.” Seine Freundin fiel auf ihn. “Als ich hinsah, hatte er ein Loch in seiner Brust.” Die Polizei kündigte eine Untersuchung des Todes der Frau an.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro beklagte zunächst nur den Tod des bei dem Einsatz am Donnerstag getöteten Polizisten und äußerte sich nicht zu den weiteren Toten. “Er starb bei einer Auseinandersetzung mit Banditen”, sagte der Rechtspolitiker.

Nicht lange her seit dem letzten tödlichen Überfall

In Rio de Janeiros als Favelas bekannten Slums, die als Zufluchtsorte für Drogenbanden und andere kriminelle Banden bekannt sind, greift die Polizei immer wieder mit großer Härte ein. Morgendliche Razzien im Labyrinth der Slumgassen sind keine Seltenheit. Im Mai starben bei einem Polizeieinsatz in der Favela von Vila Cruzeiro rund 25 Menschen. Im vergangenen Jahr starben 28 Menschen bei dem tödlichsten Angriff in der Geschichte Rios in der Favela Jacarezinho in der Nähe von Vila Cruzeiro.

Menschenrechtsaktivisten erheben deshalb schwere Vorwürfe gegen die Polizei und sprechen sogar von extralegalen Hinrichtungen von Verdächtigen. In diesem Jahr hat Brasiliens oberstes Gericht den Bundesstaat Rio de Janeiro gezwungen, einen Plan zur Reduzierung der Zahl der Todesopfer bei Polizeieinsätzen vorzulegen. Kritiker halten das nachgereichte Dokument für zu vage. Nach Angaben des Projekts Monitor da Violência starben im vergangenen Jahr 1.356 Menschen bei Polizeieinsätzen im Bundesstaat. Es gab mehr Todesfälle als in jedem anderen Staat des südamerikanischen Landes.

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