Mindestens fünf Tote und 44 Verletzte – was zum Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen bekannt ist

Es ist Freitagnachmittag, das Wochenende naht, die Pfingstferien in Bayern haben begonnen. Der Regionalzug RB59458 startete von Garmisch-Partenkirchen nach München. Voraussichtliche Ankunft am dortigen Hauptbahnhof: 13:26 Uhr Aber das passiert nicht am 3. Juni.

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In der beliebten Ferienregion Bayern ist es zu einem schweren Zugunglück mit Toten und Verletzten gekommen. Das volle Ausmaß der Tragödie, genau 24 Jahre nach dem schwersten Eisenbahnunglück in der Geschichte der Bundesrepublik im niedersächsischen Eschede, ist mehr als 24 Stunden später immer noch nicht absehbar. Was bisher bekannt ist:

Wo ereignete sich der Unfall bei Garmisch-Partenkirchen?

Der Unfall ereignete sich am Freitag gegen 0.15 Uhr im Ortsteil Burgrain in Loisachauen. Wenige Minuten nach der Abfahrt bog der Zug mit zweistöckigen Waggons in eine lange Kurve und entgleiste. Die nächste Station des Zuges wäre Farchant gewesen, das weniger als zwei Meilen entfernt ist.

Drei der fünf Waggons rutschten von den Gleisen, die auf einem Bahndamm aufgeständert sind. Ein Auto hing quer über der Böschung. Die anderen beiden Wagen stürzten, einer lag auf der Seite und der andere auf dem Dach.

Die Gegend ist ein beliebtes Ausflugs- und Urlaubsziel. Die Burgruine Werdenfels liegt auf einem Felsen oberhalb von Burgrain, einem attraktiven Wanderziel mit herrlichem Blick auf das Wettersteingebirge.

Einsatz- und Rettungskräfte nach schwerem Zugunglück im Einsatz Foto: Angelika Warmuth / dpa

Wer sind die Opfer in Garmisch-Partenkirchen?

Mindestens fünf der 140 Personen, von denen angenommen wird, dass sie sich im Zug befanden, starben. Nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) starb eine Frau auf dem Weg ins Krankenhaus. Vier Leichen wurden unter dem Zug gefunden und am Freitagabend geborgen, vier der Leichen waren Frauen. Laut Herrmann seien noch nicht alle Identitäten ermittelt worden, da sie stark entstellt seien. Es gab 44 Verletzte, 15 Menschen wurden schwer verletzt, einige mussten notoperiert werden.

Unter den Verletzten sind Kinder. Im Zug waren viele Mädchen und Jungen, deren Unterricht gerade zu Ende war. Unklar war, ob der Regionalzug wegen des neuen Neun-Euro-Tickets besonders voll war.

Schweres Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen1 von 5Foto: AFP03.06.2022 16:57 Ein Sprecher der Bundespolizei sagte bei der Bergung der Verletzten: „Menschen werden aus den Fenstern geschleudert.“

Könnte die Zahl der Todesopfer weiter steigen?

Ja, am Samstagnachmittag wurden noch Menschen vermisst, die genaue Zahl ist unklar. Wir sprachen von sieben. Hermann sagte, es sei nicht auszuschließen, dass es unter den umgestürzten Waggons noch Tote gebe. Einige Vermisste könnten sich aber bereits in den Kliniken befinden und so schwer verletzt sein, dass ihre Identität nicht geklärt werden konnte. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) sprach am Freitagabend nicht mehr von zwölf Personen, sondern von zwei weiteren Personen, die als vermisst gelten. Die Polizei nannte am Samstagmorgen eine „einstellige Zahl“ von Vermissten.

Die Waggons blieben stecken, die Rettung ist schwierig. Foto: Sven Hoppe / dpa Mit zwei großen Kränen konnte einer der Waggons auf die Straße gestellt werden. Foto: Sabine Dobel / dpa Trauerzeichen: Die Blumen sind an einer Brücke befestigt. Foto: Sven Hoppe / dpa

Was ist über die Ursache bekannt?

Auch am Samstag gab es zunächst keine neuen Erkenntnisse. Laut Polizei wurde der Lokführer befragt. Die Polizei sagte jedoch nicht, was sie sagte. Sicher ist vorerst nur, dass eine Kollision mit einem anderen Fahrzeug ausgeschlossen werden kann. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte der Sprecher.

„Die genaue Unfallursache steht noch nicht fest. Vor Ort waren alle Experten der Meinung, dass die wahrscheinlichste Ursache ein technischer Defekt am Gleis oder am Zug sein müsste“, sagte der bayerische Verkehrsminister am Samstag. , Christian Bernreiter (CSU). Laut einem Bahnsprecher war die Strecke mit elektronischen Stellwerken und moderner Sicherungstechnik ausgestattet.

Ein amerikanischer Soldat fuhr in einem der Autos auf der Straße neben der Bahnlinie und erklärte dem “Garmisch-Partenkirchner Tagblatt” am Freitag seine Eindrücke: “Es war schrecklich”, sagte er. “Einfach schrecklich. Plötzlich ist der Zug umgekippt.”

Wie war die Rettungsaktion bei Garmisch-Partenkirchen?

Feuerwehr, Notarzt und Polizei waren mit einem Großaufgebot vor Ort. “Bei Feuerwehr und Rettungsdienst ist Vollalarm ausgelöst worden”, sagte ein Sprecher der Integrierten Leitstelle Oberland am Freitag.

Insgesamt wurden etwa 650 Helfer vorübergehend an den Absturzort verlegt. Feuerwehr, Notarzt und Polizei zogen Fahrgäste aus den Fenstern, in nur 45 Minuten seien sie alle aus dem Zug gerettet worden, sagte Landrat Anton Speer (Freie Wähler).

Zwölf Rettungshubschrauber umkreisten das Gebiet. Außerdem fuhren 15 Bergkinder aus der Mittenwalder Kaserne, die zufällig im Unfallzug saßen, dorthin. Ihre Teilnahme sei sehr hilfreich, sagte Innenminister Herrmann.

Wie ist die Situation am Samstag?

Rettungsarbeiten sind schwierig. Zwei Versuche, die Waggons anzuheben, schlugen zunächst fehl. Zwei Spezialkräne wurden am Samstag eingesetzt, um einen der Waggons zu bergen, darunter wurde das fünfte Opfer gefunden. Die Waggons seien “verdreht und verdreht”, sagte ein Polizeisprecher. “Das macht die Genesung so schwierig.”

Wie reagiert die Politik?

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) besuchte am Samstagmorgen die Absturzstelle. „Wir beten und hoffen, dass wir keine weiteren Toten unter den Waggons finden“, sagte Söder. Das ist das Wichtigste”. Söder sagte auch: „Menschen gelten immer noch als vermisst.“ Er bat die Unfallbeteiligten und ihre Angehörigen, sich schnellstmöglich bei der Polizei zu melden.

Söder sagte weiter, der Unfall habe ihm “einen Stich ins Herz” gegeben. Jetzt müssen wir herausfinden, was die Ursache ist. Er dankte den örtlichen Rettungsdiensten für die schnelle und hochprofessionelle Hilfe.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat den Angehörigen bereits sein Beileid ausgesprochen. Er sagte gegenüber RTL und ntv, von der Absturzstelle seien „verheerende Nachrichten“ und „deprimierende Bilder“ gekommen. Er sprach sein Beileid aus: „Unser Mitgefühl ist bei den Angehörigen und Verletzten, denen wir schnelle Genesung wünschen.“

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) machte sich am Freitagabend ein Bild von der Lage. „Ich bin zutiefst überrascht“, sagte der Minister. „Es ist eine schreckliche Katastrophe“, sagte Faeser und drückte der Bundesregierung sein tiefes Mitgefühl aus. Dies gilt insbesondere für die Angehörigen, Angehörigen und Freunde der Opfer.

Er kam aber auch, um sich mit den Rettern zu solidarisieren und den Verletzten seine Genesungswünsche auszusprechen.

Auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) zeigte sich tief betroffen, als er am Samstag die Unglücksstelle besuchte. „Es ist berührend, hier zu bleiben und zu sehen, welche dramatischen Ausmaße dieses Zugunglück angenommen hat“, sagte Wissing. “Der Sachverhalt wird nun weiter aufgeklärt und es wird umfangreich daran gearbeitet.” Die Gedanken gelten nun den Familien der Opfer.

Bahnchef Richard Lutz, der mit Wissing an den Unfallort gekommen war, zeigte sich überrascht, „weil hier Menschen starben, junge Menschen, die noch ein Leben vor sich hatten, Familien zerbrachen und viele Menschen verletzt wurden. manche ernsthaft.” Die Bahn werde die Ermittlungen zur Unfallursache “nach Kräften” unterstützen, hatte sie zuvor angekündigt.

Warum ist der 3. Juni ein besonderes Datum für die Deutsche Bahn?

Am 3. Juni 1998, genau 24 Jahre vor dem Unglück bei Garmisch-Partenkirchen, ereignete sich das schwerste Zugunglück in der Geschichte der Bundesrepublik. Damals starben im niedersächsischen Eschede 101 Menschen, mehr als 100 wurden zum Teil schwer verletzt.

Ein gebrochener Reifen hatte einen DB Intercity Express (ICE) auf dem Weg nach Hamburg zum Entgleisen gebracht. Der ICE prallte mit 200 km/h gegen eine Betonbrücke in der Stadt Celle.

Wie geht es weiter in der Region Oberbayern?

Die Arbeiten werden eine Weile dauern, wir sprachen von einer Woche bzw. Wochen. Die Bundesstraße entlang der Straßen werde voraussichtlich noch eine Woche gesperrt bleiben, sagte Martin Emig, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Am Vortag hatte Verkehrsminister Bernreiter davor gewarnt, Garmisch-Partenkirchen weitgehend zu meiden, die Anreise mit der Bahn werde schwierig. „Und dass die Werdenfelsbahn die nächsten Tage über Pfingsten nicht befahrbar sein wird, kann man ohne Zweifel sagen.“

Schlechte Nachrichten vor den Feiertagen, auch für die Garmischer, die sich derzeit auf den G7-Gipfel in Schloss Elmau Ende Juni vorbereiten – und zwar weniger Touristen, aber gleichzeitig erhebliche Einschränkungen sehen. Herrmann sagte dem Bayerischen Rundfunk: „Inwieweit Bauarbeiten mit Blick auf den G7-Gipfel durchgeführt werden können, bleibt abzuwarten.“ Während des Gipfeltreffens Ende Juni am nahe gelegenen Schloss Elmau wäre die Strecke Garmisch-Mittenwald gesperrt. (mit Agenturen) +++ Dieser Artikel wird laufend aktualisiert +++

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