Von München aus bestehen sehr gute Bus- und Bahnverbindungen in die Alpenregion. Beliebte Ausflugsziele erreichen Sie meist ohne Umsteigen. Daniel Weickel, Tourismuschef in Kochel am See, sieht im 9-Euro-Ticket eine Chance für seine Region. Man müsse sich darauf einstellen, dass „ein paar mehr Leute unterwegs sind“ und entsprechende Maßnahmen ergreifen, aber es könne gezeigt werden, wie machbar es sei, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen.
Reisen Sie mit Zug, Bus, U-Bahn und Tram? Wohin führt nichts? Was ist nicht synchron? Wo funktioniert es gut? Posten Sie Ihre Erfahrungen unten in den Kommentaren oder mailen Sie uns an community@br24.de
Stoßzeiten vermeiden, flexibel sein, Koffer packen
Die Bayerische Regiobahn, kurz BRB, betreibt beispielsweise die Chiemgau-Inntal-Strecken, das Oberlandnetz rund um Tegernsee und Schliersee oder das Netz nach Berchtesgaden. Bei schönem Bergwetter und zu Stoßzeiten sind viele Züge bereits voll. Diese Zeiten sollte man am besten meiden, rät Sabine Floßmann, Marketingleiterin BRB. Vor allem in den Ferien können Sie das Autofahren am Freitag oder Samstag vermeiden. Außerdem ist es sinnvoll, möglichst mehrere Tage zu bleiben.
„Ansonsten reisen Sie bitte mit leichtem Gepäck, das ist ein weiterer wichtiger Tipp, denn alles, was in Zügen zusätzlichen Platz wegnimmt, ist natürlich eine Herausforderung.“ Sabine Floßmann, BRB
Sie benötigen weiterhin eine separate Fahrradkarte, die sogenannte Fahrradtageskarte. Für das Fahrrad ließe sich das aber ohnehin einstellen: Reisende hätten immer Vorrang vor Fahrrädern, sagt Sabine Floßmann und verweist auf die Kooperationspartner, bei denen man vor Ort Fahrräder ausleihen kann: „Bitte leiht euch ein Fahrrad aus und nehmt es nicht mit !”
Der Verein „Bahn zum Berg“ ermuntert zur Anreise mit Bus und Bahn
Gymnasiallehrer, Familienvater und Bergsteiger Nikolaus Vogl aus dem Kreis Rosenheim ist schon lange mit den sogenannten „Öffentlichen Verkehrsmitteln“ unterwegs. Als Vorstandsmitglied des in Österreich gegründeten Vereins „Bahn zum Berg“ möchte er auch andere dazu inspirieren, umwelt- und klimaschonend zu Outdoor-Aktivitäten zu reisen. In Zeiten von Staus und Parkplatzmangel sei das Auto nicht unbedingt die bequemste Alternative, sagt er und kennt die Vorteile des ÖPNV: „Klassische Überläufe sind möglich und man ist flexibel bei der Abfahrt.“
Gute Planung und Auswahl an Ausflügen abseits bekannter Touristenziele
Wer Angst hat, den ganzen Zug zu erwischen, sollte die klassischen Ziele unbedingt meiden. Und eine gute Planung ist immer hilfreich: Zugnutzung, Fahrpläne und Reisevorschläge gibt es online bei den Verkehrsunternehmen oder beim Deutschen Alpenverein.
Inspiration für Ausflugsziele abseits der bekannten Pfade finden Sie auch auf dem neuen Portal „Zuugle.at“, einer Wortschöpfung aus „Zug“ und „Google“. Es ist vollständig mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.
Geringfügige Ausnahmen für den DB-Busverkehr in Bayern
Bei der Planung einer Fahrt mit dem 9-Euro-Ticket gibt es davon einige Ausnahmen: Auch bei den Buslinien der Tochtergesellschaften der Deutschen Bahn gibt es kleine Gültigkeitslücken des Tickets. In Schwaben sind dies die Linien 1, 7 und 8 der Regionalverkehr Allgäu GmbH im Raum Oberstdorf. „Die Idee eines überall gültigen Einzeltickets wird durch immer mehr Ausnahmen ausgehöhlt“, kritisierte Lukas Iffländer, Bundesvizepräsident des Fahrgastverbandes Pro Bahn. Im oberbayerischen Landkreis Rosenheim kann der sogenannte „Rosi“-Bus der Regionalverkehr Oberbayern GmbH nicht mit dem 9-Euro-Ticket genutzt werden. Pro Bahn Bewertungen verkaufen sich auch hier. Iffländer beklagt, dass durch den Ausschluss von Sammelruftaxen und anderen Rufverkehren der ländliche Raum noch stärker hinterherhinke als früher.
Nicht alle können gleichermaßen profitieren
Das billige Ticket könnte für einige Leute ein Einstiegspunkt sein, um umzusteigen. Allerdings haben nicht alle in Bayern die gleichen Chancen. Nikolaus Vogl vom Verein „Bahn zum Berg“ wünscht sich ein flächendeckendes Verkehrsnetz in Bayern, ein attraktives ÖPNV-Angebot und attraktive Tarife: „Dass das kein Dauerangebot sein kann: 9 Euro, im Monat, ganz Deutschland – wir Alle wissen es, aber in diese Richtung.“
Fest steht: Das 9-Euro-Ticket ist ein Experiment. Eines der größten Verkehrsexperimente überhaupt, sagen Mobilitätsforscher. Warum also nicht experimentieren und Orte entdecken, an denen Sie gerade waren?