Mobiltelefonhersteller: 1997 Graduiertenförderung

Von den acht größten Handyherstellern vor 25 Jahren haben einige die Marktturbulenzen nicht überstanden.

Wenn nach 25 Jahren ein Klassentreffen stattfindet, stellt man meist fest, wie viel sich verändert hat, manche zum Besseren, viele leider nicht. Auch das Erreichte wird zum Thema. Wenn heute die acht großen Handyhersteller von 1997 zusammenkämen, wären die Reihen stark verkleinert, mancher Überlebende müsste vieles durchmachen, und es bliebe nur der große Name. Andererseits waren viele der heute führenden Hersteller damals noch gar nicht geboren: Vor allem dachte niemand an das Aufkommen von Chinesen wie Xiaomi, Vivo, Realme, Oppo oder Honor. Von 1997 bis zum ersten iPhone sollte Apple für weitere zehn Jahre den Mobilfunk abschaffen, und Huawei war nur ein kleiner Netzanbieter.

Verbesserung mit dem Alter: Samsung

Nur einer der Top 8 konnte 1997 dem schwierigen Markt wirklich etwas abgewinnen: Damals war Samsung in Korea noch ein wenig bekannter Elektronikhersteller, heute ist der Konzern aber nicht nur Marktführer bei Smartphones auch in vielen anderen Bereichen zu den wertvollsten Marken. Von Anfang an hat sich Samsung bei seinen Handys auf Qualität konzentriert und im Laufe der Jahre eine große Innovationsfähigkeit entwickelt. Er akzeptierte Fehler wie sein eigenes Bada-Betriebssystem und nutzte sie zum Lernen.

Hundert zu Null: Nokia

Diese: Peter-Gudella / Shutterstock

Die Finnen erlebten eines der wichtigsten Höhen und Tiefen der Industriegeschichte. 1998 wurden sie für viele Jahre unangefochtener Marktführer im Mobiltelefonmarkt, schafften es dann aber nicht wirklich, auf Smartphones umzusteigen. Über das erste iPhone hat man sich nur lustig gemacht, schließlich war Symbian angeblich das beste Betriebssystem der damaligen Zeit. Doch nachdem Marktanteile schneller schmolzen als Eiscreme in der Sauna, kaufte Microsoft 2013 die Handy-Sparte des Nokia-Konzerns.Nur ein Jahr später verschwand der Name von den Geräten, doch auch mit Microsoft Lumia hatten sie keine Zukunft. Heute gibt es mindestens neun Nokia-Smartphones, da die Markenlizenz Ende 2016 von der neu gegründeten HMD Global übernommen wurde.

Von USA bis China: Motorola

Eine der vielen Modellvarianten der erfolgreichen RAZR-Familie von Motorola

Diese: Motorola

Vor 25 Jahren war der Pionier der Motorola-Mobiltelefonie noch die Nummer eins bei Mobiltelefonen, doch dann sollte der Niedergang beginnen. Das edle Razr-Handy konnte ihn als Kunden nur kurzzeitig stoppen, weil es mit Smartphones schwierig war. 2012 verkaufte der Motorola-Konzern die eigene Mobilfunksparte an Google, daran konnte auch der Webgigant nichts ändern. 2014 übernahm der chinesische PC-Gigant Lenovo den Laden. Seitdem ist Motorola als mäßig erfolgreiches Tochterunternehmen auf dem Markt tätig.

Hochzeitsszenen: Ericsson und Sony

Die Schicksale der Handy-Sparten der beiden sehr unterschiedlichen Konzerne dürften eng miteinander verflochten sein: Der schwedische Hersteller, der in den Jahren vor 2000 nur mit seinen technisch anspruchsvollen Handys sehr erfolgreich war, und der japanische Gigant der EU deckte sein geschwächtes Handy ab Telefonabteilungen. im Jahr 2001 Sony Ericsson Joint Venture. Besonders mit Musik und Fotohandys war man anfangs erfolgreich, aber auch die Ära der Smartphones veränderte alles. 2012 übernahm Sony nach schweren Verlusten alle Aktien des Unternehmens, Ericsson konzentriert sich seitdem auf das Netzwerkgeschäft. Aber auch “reine” Sony-Handys sollten nicht besser funktionieren. Immerhin ist es heute noch als eines der vielen Produkte des Großkonzerns erhältlich.

Deutschland verliert: Siemens

Fußball- und Werbeikone David Beckham

Welche: Maxisport / Shutterstock

Der große Konzern war traditionell stark bei Telefonen für alle Netze und zunächst auch im GSM-Geschäft erfolgreich. Doch als man nach der Jahrtausendwende den Marktführer Nokia mit Millionenbeträgen angreifen wollte, die vor allem in Marketing und Experimente wie die kläglich scheiternde Submarke Xelibri investiert wurden, gerieten die Kosten außer Kontrolle.

Der neue Siemens-Chef Klaus Kleinfeld zog 2005 den Stecker und verkaufte die Mobilfunksparte an den taiwanesischen Computerhersteller BenQ. Trotz großer Ambitionen hatte er Pech und schickte im Herbst 2006 seine deutsche Tochter BenQ Mobile in die Insolvenz. In den Smartphones von Gigaset lebt noch immer etwas von Siemens-Spirit; Immerhin war der Hersteller Teil des Konzerns.

Frust in Frankreich: Alcatel

Durch den Boom der günstigen Prepaid-Handys mit dem farbenfrohen One Touch Easy Ende der 90er Jahre wurde das französische Traditionsunternehmen für kurze Zeit zu einem festen Bestandteil des Marktes. Doch Aufstiegsversuche über die untere Preisklasse hinaus kosten dann viel Geld, das vergebens investiert wurde. Da 2001 auch die Muttergesellschaft in die Krise geriet, wurde die Mobilfunksparte 2005 an TCL verkauft und der Rest der Gruppe später mit Lucent fusioniert. Der chinesische Elektronikriese TCL verkauft immer noch markenlizenzierte Low-End-Smartphones von Alcatel, aber jetzt scheinen sie sich mehr auf ihre eigene Marke zu konzentrieren.

Toll (nur) in Japan: Panasonic

Japans großer Matsushita-Konzern war in den 1980er Jahren mit den Marken Panasonic und Technics einer der größten Hersteller in der EU, da passen auch Handys gut ins Portfolio. Doch während das Unternehmen zu Hause zeitweise Marktführer war, war es in Europa nach dem Jahr 2000 erfolglos und 2005 wurden alle Exporte von Mobiltelefonen gestoppt. Ein Rückkehrversuch mit dem Android-Smartphone Eluga scheiterte 2012 kläglich, heute gibt es immer noch Panasonic-Smartphones für Senioren.

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