„Mögliche Trendwende 2023“ Löhne halten nicht mehr mit den Preisen Schritt
30.05.2022 11:24 Uhr
Die hohe Inflation in den ersten drei Monaten des Jahres machte das Lohnwachstum mehr als wett: Die Reallöhne fielen im ersten Quartal um 1,8 Prozent. Bereits im vergangenen Jahr hatte die hohe Inflation den Lohnanstieg vollständig aufgezehrt.
Eine hohe Inflation führt zu einem deutlichen Rückgang der Reallöhne in Deutschland. Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Löhne im ersten Quartal deutlich um 4,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allerdings stiegen die Verbraucherpreise im gleichen Zeitraum noch stärker um 5,8 Prozent. Dies entspricht einem realen, preisbereinigten Minus von 1,8 Prozent.
„Deshalb hat die Inflation im ersten Quartal 2022 mehr aufgezehrt als der Anstieg der Nominallöhne“, fasst die Statistik zusammen. Dadurch verfügen viele Arbeitnehmer über weniger Kaufkraft. Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) geht davon aus, dass die Reallohnverluste mindestens bis zum Jahresende anhalten werden.
„Im nächsten Jahr ist eine Trendwende möglich“, sagte IMK-Wissenschaftsdirektor Sebastian Dullien. „Allerdings sollten auch dann nicht alle Reallohnverluste durch die hohe Inflation des Jahres 2022 sofort ausgeglichen werden.“ Daher ist es wichtig, dass die Politik mit konkreten Hilfspaketen hilft, die Kaufkraft der privaten Haushalte zu stabilisieren. Während bisherige Entlastungspakete viele Haushalte für das laufende Jahr deutlich von der Mehrbelastung durch teurere Energie entlasten sollten, blieben einige Haushalte wie Rentner und Studenten außen vor. „Außerdem deckt die Erleichterung noch nicht die steigenden Lebensmittelpreise ab“, sagte Dullien. „Da die Reallöhne 2023 voraussichtlich unter dem Niveau von 2021 liegen werden, sind auch für das nächste Jahr mehr staatliche Einmalzahlungen nötig.“
Kronenprämien führen in einigen Fällen zu einer ordentlichen Lohnerhöhung
Auch die Tariflöhne stiegen im ersten Quartal um durchschnittlich 4,0 Prozent. Beinhaltet tariflich vereinbarte Grundgehälter und kollektivvertraglich festgelegte Sondervergütungen. Der Anstieg in den Bereichen „Erziehung und Unterricht“ (plus 5,0 Prozent), „Land- und Forstwirtschaft; Fischerei“ (plus 4,9 Prozent) und „Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Soziale Sicherung“ (plus 4,6 Prozent) fiel deutlich über dem durchschnittlichen Prozentsatz aus ). ausgeschaltet. Besonders hervorzuheben sind in diesen Bereichen die Kronenprämien, die sowohl die Staatsbediensteten der Bundesländer als auch die meisten Landes- und Kommunalbeamten erhielten.
Auch die überdurchschnittliche Lohnentwicklung im verarbeitenden Gewerbe mit 4,8 Prozent ist vor allem auf Sonderzahlungen, insbesondere an die Metall- und Elektroindustrie, zurückzuführen. Auch an die Bauwirtschaft (plus 4,7 Prozent) wurde Anfang des Jahres eine Prämienkrone gezahlt. Zuwächse unter den Tariflöhnen inklusive Sonderzahlungen zeigten sich insbesondere in der Energieversorgung (plus 0,7 Prozent), Finanzdienstleistungen und Versicherungen (plus 1,3 Prozent) sowie der Wasserversorgung und Entsorgung (plus 1,9 Prozent).