Mozilla VPN Review: Wir haben mehr erwartet

Ein Anonymisierungsdienst der Firefox-Browserhersteller, der traditionell für die Privatsphäre und Sicherheit der Benutzer steht: Was könnte daran schief gehen? Im Praxistest wirft Mozilla VPN allerdings einige Fragen auf.



💡 Das Wichtigste in Kürze


  • Mozilla VPN nutzt die schwedische VPN-Dienstinfrastruktur MPNvad, bietet aber eine kleinere Auswahl an Servern mit etwa 400 Servern in mehr als 30 Ländern.
  • Wie Mullvad konzentriert sich Mozilla auf den Schutz der Privatsphäre und nicht auf Extras wie das Umgehen von Laufwerkssperren. Ironischerweise verzichtet Mozilla jedoch auf die anonyme Registrierung und Bezahlung, für die Mullvad (Trial) so bekannt ist.
  • Im Vergleich zu Mullvad bietet Mozilla noch einen Vorteil: Alle Anwendungen sind in deutscher Sprache verfügbar.
  • Eine Mozilla-VPN-Empfehlung ist schwierig. Wer besonderen Wert auf Datenschutz legt, abonniert Mullvad besser direkt. Wenn Sie Streaming-Angebote freischalten möchten, ist NordVPN (Trial) klar überlegen.
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Die Mozilla-Macher Firefox und Thunderbird bieten seit Mitte 2020 einen eigenen VPN-Dienst an, allerdings ist „eigene“ in diesem Zusammenhang nicht ganz korrekt, denn das Unternehmen nutzt die VPN-Infrastruktur des schwedischen Konkurrenten Mullvad. Mozilla VPN teilt damit einige Vor- und Nachteile. Ob es sich lohnt, statt Mullvad (Test) das Mozilla-Angebot zu nutzen, zeigt unser Mozilla-VPN-Test.

Mehr als 400 Server in 32 Ländern

Das Mozilla VPN-Servernetzwerk (Download) ist eines der kleinsten im Bereich der kommerziellen Anbieter. Nach offiziellen Angaben können sich Nutzer auf mehr als 400 Servern in 32 Ländern anmelden. Anwendungen bieten nur Standortauswahl, Mozilla liefert zum Testzeitpunkt keine genaue Serverliste. Wie bei Mullvad ist es möglich, die VPN-Verbindung per Multi-Hop-Funktion über zwei Server zu routen, um das Tracking noch schwieriger zu machen.

Die Zahlen zeigen auch, dass Mozilla nicht das gesamte Mullvad-Servernetzwerk nutzt. Beispielsweise fehlt der Zugriff auf Albaniens Server. Mozilla listet nur mehr als 400 Server auf, während die Serverliste von Mullvad während der Testphase 838 Server anzeigt.

Der Serverstandort kann einfach über die dem Browser zugeordnete Schaltfläche konfiguriert werden. (Bild: Screenshot)

Mullvad betreibt eine Kombination aus gemieteten und selbst gehosteten Servern und listet diese transparent auf. Übrigens, wenn Sie Ihre Website mit aktivierter Mozilla-VPN-Verbindung besuchen, meldet Mullvad eine bestehende VPN-Verbindung an den eigenen Dienst.

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Protokolle, Sicherheit und Datenschutz

Die Datenschutzrichtlinie von Mozilla VPN ist recht transparent, aber enttäuschend, insbesondere im Vergleich zu Mullvad: Während Sie das schwedische VPN vollständig ohne Registrierung nutzen können, erfordert Mozilla ein Firefox-Konto, um sich zu registrieren. Darüber hinaus erhält der Dienst im Rahmen der Datenschutzvereinbarung Adressdaten von seinen Kunden zum Zeitpunkt der Zahlung. Darüber hinaus behält sich Mozilla das Recht vor, Dinge wie die verwendete IP-Adresse, Kampagnen- und Empfehlungsdaten, Betriebssystem, Gerätetyp und Betriebssystem vorübergehend zu speichern und mit dem Werbepartner Adjust zu teilen. Lediglich die IP-Adresse ist von letzterem ausgenommen. Grundsätzlich sind diese Datenschutzbestimmungen für VPN-Dienste nicht ungewöhnlich, aber mehr als eine Kooperation zwischen Mozilla und Mullvad hätten wir erwartet.

Die eigentliche Nutzung von VPN hingegen unterliegt ganz dem sehr guten Datenschutz von Mullvad. Die Schweden speichern keine Logfiles und haben diesbezüglich einen sehr guten Ruf. Alle Serververbindungen werden durch das moderne, sichere Wireguard-Protokoll mit 256-Bit-AES-Verschlüsselung betrieben. Wie erwartet hat Mozillas VPN gängige Sicherheitstests wie DNSLeaktest.com oder den WebRTC-Lecktest von browserleaktest.com bestanden, ebenso wie Mullvad.

Mozilla VPN-Datenschutzwarnungen weisen darauf hin, dass der Erhebungsbedarf des Browser-Anbieters recht hoch ist. (Bild: Screenshot)

Gerade im Kontext der Idee der Anonymisierung bleibt Mozilla damit suboptimal für einen VPN-Dienst. Dies gilt insbesondere in dem Zusammenhang, dass Mullvad selbst von solchen Praktiken absieht.

Mozilla VPN-Anwendungen für Mobiltelefone und Computer

Die Anwendungsbereitstellung über Mozilla VPN ist in Ordnung. Diese sind wie Mullvad für Windows, macOS, Ubuntu-Linux, Android und iOS verfügbar. Alle Anwendungen stehen unter der Open-Source-Lizenz, der Quellcode kann auf den Github-Seiten von Mozilla und Mozilla Mobile eingesehen werden. Anders als bei Mullvad müssen Linux-Nutzer allerdings einige Umwege gehen, wenn sie den Client auch grafisch nutzen wollen. Nicht-Ubuntu-Distributionen werden derzeit nicht offiziell unterstützt.

Mozilla VPN-Anwendungen haben ein minimalistisches Design und ermöglichen nach dem Start eine schnelle Verbindung zu einem Server. Auch Split-Tunneling, also der Ausschluss bestimmter Programme oder Anwendungen von der VPN-Verbindung, ist wie bei Mullvad auf Windows, Linux und Android beschränkt. Aus technischen Gründen werden Apple-Fans wie so oft im Stich gelassen. Im Gegensatz zu Mullvad sind alle Mozilla-Anwendungen auf Deutsch verfügbar.

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Auch ein systemweiter Werbefilter wurde in die Applikationen integriert. Dazu verwendet Mozilla einen DNS-Filter, der in den erweiterten Einstellungen aktiviert werden kann. In unseren Tests funktioniert die Funktion sowohl auf Desktop- als auch auf mobilen Anwendungen zuverlässig.

Weniger gut: Mozilla stellt zwar auf allen Systemen einen Shutdown-Schalter zur Verfügung, der bei Verlust der VPN-Verbindung zuverlässig die Verbindung zum Internet trennt, kann aber nicht optional abgeschaltet werden. Auch die von Mullvad bekannte Möglichkeit, die VPN-Verbindung per Bridge-Modus zu verschleiern und damit in VPN-feindlichen Umgebungen (etwa hinter Firewalls) zu nutzen, bot Mozilla zum Testzeitpunkt nicht an.

Standardmäßig schützt Mozilla VPN alle Anwendungen auf Ihrem Gerät. Ausnahmen können manuell konfiguriert werden. (Bild: Screenshot)

Eine Besonderheit betrifft die Multi-Account-Container-Browsererweiterung für den Firefox-internen Browser. Ermöglicht es Ihnen, einen anderen Standort für verschiedene Browser-Tabs zu simulieren, wenn die VPN-Verbindung aktiv ist. Somit ist zumindest innerhalb von Firefox eine Art Split-Tunnel möglich. Mozilla stellt keine Erweiterungen für andere Browser bereit.

Grundsätzlich funktionieren Mozilla VPN-Anwendungen stabil. Während unserer mehrwöchigen Testphase war die VPN-Verbindung jedoch gelegentlich unterbrochen, weil die Server nicht verfügbar waren. Hier konnten wir uns von der Funktion des Schlachtschalters überzeugen, aber das hinterlässt kein gutes Gefühl.

Unterschiede zwischen den Betriebssystemen

Wie bei praktisch allen VPN-Diensten sind die Funktionen von Mullvad nicht auf allen Plattformen gleich. Der praktische Split-Tunnel, der bestimmte Programme von der Verwendung von VPN ausschließt, kann nur direkt über die Windows-, Android- und Linux-Anwendung konfiguriert werden. Mullvad bietet zumindest für Mac-Benutzer eine Lösung zum Einrichten des Split-Tunnels mit dem Open-Source-Tool Tunnelblick an, was jedoch nicht komfortabel ist.

Ist Netflix & Co: Mozilla VPN für Echtzeit-Streaming geeignet?

Nach unserer sehr schlechten Echtzeit-Wiedergabe-Erfahrung mit Mullvad ist es kein Wunder, dass Mozillas VPN auch stark versagt, wenn es darum geht, internationale Inhalte von Streaming-Diensten freizuschalten. Nicht nur das, manche Anbieter wie Disney+ oder Amazon Prime Video lehnen ihren Service sogar ab, wenn wir sie in Deutschland mit einer deutschen Serveranbindung nutzen. Netflix beschwerte sich nicht, sondern zeigte unseren diversen Stichproben das Angebot nur auf Deutsch. Vereinfacht gesagt sollten Streaming-Fans Mozilla VPN meiden und lieber auf NordVPN (Test) zurückgreifen, das in unserem VPN-Anbieter-Vergleich eine deutlich bessere Eignung für Echtzeit-Streaming beweist.

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Im Test waren die meisten üblichen Übertragungsorte nicht verfügbar. Mozilla VPN ist grundsätzlich nicht dazu geeignet, internationale Streaming-Angebote freizuschalten. (Bild: Screenshot)

Hinweis: Die Verwendung von VPN-Diensten zur Umgehung von Inhaltssperren verstößt normalerweise gegen die Benutzervereinbarung des Inhaltsanbieters und kann zur Sperrung des Kontos führen.

Mozilla VPN im Speedtest

Uff Streaming, heute Downloads: Die hohen Datenraten im Mullvad-Netz liegen zum Glück auch am Abo von Mozilla. Verbindungen zu deutschen Servern reduzierten die Up- und Downloadraten unserer 500-Mbit-Leitung nur unwesentlich. Wenn wir die Daten über einen UK-Server beziehen, ist die Leitung je nach Tageszeit immer noch problemlos zu mindestens 85 Prozent ausgelastet. Auch Verbindungen an die Ostküste der USA sind kein Problem. In unserem Mozilla-VPN-Geschwindigkeitstest erreichen wir immer noch durchschnittlich zwischen 380 und 420 Mbit/s, was absolut ordentlich ist.

Eine weitere positive Eigenschaft, die Mozilla VPN von den Schweden geerbt hat, sind Captcha-Anfragen, die fast nie auftreten. Im Vergleich zu gängigen VPN-Anbietern wie Cyberghost (Test), NordVPN oder ExpressVPN (Test) müssen wir uns bei Seiten wie Google oder Instagram fast nie beweisen, dass …

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