Musikverein: Souveräne Party zu Hause

Was für ein Heimspiel. Mitsuko Uchida, die als Tochter eines japanischen Diplomaten in Wien aufwuchs und mit 14 Jahren ihr erstes öffentliches Konzert im Musikverein gab, glänzte hier mit einem durchdachten Programm unter dem Motto „Play“.

Spielgefährten des heute 73-jährigen Ausnahmepianisten waren im ersten Teil des Abends Mozart und Kurtág. Uchida eröffnete mit einer Auswahl aus seiner „Játékok“-Sammlung: Auf zärtlichste Weise, wie in einen Traum fallend, kam ihm das „Spielen mit der Unendlichkeit“ in den Sinn. Überraschend rau bis scharfkantig, dabei ungemein subtiler und intensiver als Mozarts Fantasie für c-Moll. Es war eine Sternstunde, mit welcher Intelligenz Uchida das Werk hinterfragte und mit welch facettenreichen Antworten, völlig frei von Pathos und ohne Klischees. Es folgten fünf kürzere Stücke aus „Játékok“, die auch Uchida als Wissenschaftler wie unter einem Mikroskop betrachtete. Äußerst genau, voller Einfühlungsvermögen und neugieriger Unbefangenheit. Mozarts Klaviersonate in B-Dur kontrastierte die bisherige Konzentration mit einer heiteren Entspannung in einem dezenten, virtuosen Rhythmus, natürlich ohne Sensationsgier.

Konzert

Mitsuko Uchida

Musikgesellschaft

Nach der Pause “Davidsbündlertänze” von Schumann, in der Uchida der Romantik vollen Raum ließ. Außerordentlich nuanciert, mal überraschend stürmisch, mal verspielt und zugleich voller Ernsthaftigkeit, mal innig misst sie diesen Dialog aus 18 Teilen der Charaktere und beendet schließlich ein tolles Spiel zu Hause.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *