Nachwahlen in Großbritannien: Ein weiterer Schlag ins Gesicht für Boris Johnson

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Autor: Eine Analyse von Patrik Wülser

Ein böses Erwachen für Premierminister Boris Johnson. Der Vorsitzende der Konservativen Partei, Oliver Dowden, gab um 7.30 Uhr seinen Rücktritt bekannt. Nach dem Fiasko der Nachwahlen müsse jemand Verantwortung übernehmen, schrieb er und trat mit sofortiger Wirkung zurück.

Man könnte sich ein bisschen Drama über eine Provinznachwahl vorstellen. Wakefield und Tiverton und Honton sind nur zwei der 650 Wahlkreise und sicherlich nicht die Epizentren der britischen Politik. Dennoch ist eine Niederlage für Konservative ein Debakel.

Wakefield liegt im postindustriellen Norden. 2019 gewannen die Konservativen erstmals den Sitz und verloren ihn nun wieder an Labour. Tiverton im Süden Englands ist seit Jahrzehnten eine konservative Heimat. Noch schmerzhafter ist der Sieg der Liberaldemokraten.

Wie weiter mit dem erkrankten Ministerpräsidenten?

Die Opposition riecht bereits nach Morgengrauen für die anstehenden Nationalratswahlen 2024, wobei bei der Interpretation von Kommunalwahlen immer Vorsicht geboten ist.

Fairerweise muss erwähnt werden, dass der Anlass der Nachwahlen ziemlich hässlich war. Der konservative Abgeordnete von Tiverton musste kürzlich zurücktreten, nachdem er während einer Parlamentsdebatte Pornofilme gesehen hatte.

Sein Parteikollege aus Wakefield wurde wegen sexuellen Missbrauchs einer 15-Jährigen zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Keine gute Ausgangslage, aber längst nicht der einzige Grund für das Debakel.

Furz

Umfragen zeigen, dass die Briten den derzeitigen Bewohner der Downing Street und seine Regierung satt haben. 70 Prozent halten Boris Johnson für einen Lügner. Und nicht mehr nur „Partygate“ mit der Frage, wer, wo und wann während der Haft ein Bier getrunken hat, macht den Menschen Sorgen.

Millionen Briten leiden unter einer historisch hohen Inflation und wissen nicht, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen. Offenbar reicht es nicht mehr aus, mit wohlklingenden Versprechungen abgewiesen zu werden.

„Kein Grund zur Panik“

Boris Johnson hat heute Nachmittag aus der Ferne geantwortet. „Es gibt keinen Grund zur Panik oder gar zum Rücktritt“, sagte er aus Afrika. Der Premierminister hält sich derzeit in Ruanda auf, wo sich die Regierungschefs der Commonwealth-Staaten treffen.

Johnson, der Anfang Juni ein Misstrauensvotum überstand, sieht derzeit keinen Grund für eine übereilte Heimkehr. Von Kigali reist er zum G7-Treffen ins bayerische Elmau und anschließend zum Nato-Gipfel nach Madrid.

Zumindest geographisch ist klar, wohin die Reise des erkrankten Ministerpräsidenten geht.

Patrick Würser

UK-Korrespondent, SRF

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Patrik Wülser arbeitet seit Ende 2019 als SRF-UK-Korrespondent in London. Wülser war von 2011 bis 2017 Afrika-Korrespondent und lebte mit seiner Familie in Nairobi. Anschliessend leitete er die Auslandsabteilung von Radio SRF in Bern.

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