Nahezu jeder, der mitmachen kann

In den beiden 25-Stunden-Hotels in Zürich hat sich das 4-Tage-Arbeitsmodell durchgesetzt. (Emblembild: Restaurant Neni im 25hours Hotel Zürich Langstrasse)

Stephan Lemke / 25hours Hotels

Die beiden 25hours Hotels in Zürich führten am 1. Mai die Vier-Tage-Woche ein. CEO Lukas Meier zieht im Interview mit Blue News Bilanz.

Die beiden Zürcher 25-Stunden-Hotels befinden sich seit etwas mehr als einem Monat in der Testphase, die noch bis Ende Juli läuft: An vier Tagen in der Woche arbeiten die Mitarbeitenden insgesamt 38 statt bisher 42 Stunden verteilt auf fünf Tage. – Entspricht einer zusätzlichen Arbeitsstunde pro Tag oder 90 Prozent der Arbeitszeit bei 100 Prozent Gehalt. Ein gutes Geschäft für Mitarbeiter. Aber warum sollte ein Arbeitgeber für weniger Arbeit den gleichen Lohn zahlen?

„Wir werden größere wirtschaftliche Einbußen haben, wenn wir nicht genügend Fachkräfte haben“, sagt Lukas Meier, General Manager der beiden 25-Stunden-Hotels in Zürich. Daher nimmt das Unternehmen die Mehrkosten in Zeiten des eklatanten Fachkräftemangels gerade im Gastgewerbe in Kauf.

Größte Bewerberzahl seit Testbeginn

Die Zahl der Bewerber zeigt, dass das Konzept gut ankommt. Sie stiegen im vergangenen Monat im Vergleich zu den Durchschnittszeiten vor der Pandemie um etwa 30 Prozent. Nicht nur Jugendliche fühlten sich angesprochen, sondern zum Beispiel auch Eltern, die sich mit dem innovativen Modell des Arbeitstages einen Tag pro Woche Kita- oder Betreuungszeiten sparen konnten.

Eine Vier-Tage-Woche kann durchaus ein Wettbewerbsvorteil für Unternehmen sein, sagt Organisationspsychologe Johann Weichbrodt von der Fachhochschule Nordwestschweiz im Gespräch mit Blue News. „Vor dem Hintergrund der sich verändernden Arbeitswelt, der Flexibilität, die wir derzeit erleben, könnte die Vier-Tage-Woche ein Vorbild sein.“

Zwei aufeinanderfolgende Tage sind bei 25 Stunden in Zürich grundsätzlich frei, der dritte Tag wird soweit wie möglich nach den Wünschen des einzelnen Mitarbeiters in die Arbeitszeit integriert. „Einer unserer Techniker hat zum Beispiel mittwochs immer frei, weil er am schulfreien Mittwochnachmittag auf sein Kind aufpassen kann“, sagt Meier.

Geschäftsführer: „Fast jeder macht mit“

Die Teilnahme an der Testphase ist freiwillig. Danach können die Mitarbeiter entscheiden, ob sie bei der Vier-Tage-Woche bleiben wollen. Ausgenommen von dem Konzept sind jedoch Auszubildende, Teilzeitbeschäftigte und Schwangere. Letzteres aufgrund gesetzlicher Ruhezeiten. Von den 160 Mitarbeitenden der 25hours Hotels in Zürich sind 100 ehrenamtlich tätig. Das ist so ziemlich alles, was es geben kann, sagt Meier.

Der CEO betont, dass sich alle berechtigten Mitarbeiter unabhängig von ihrem Arbeitsbereich und ihrer Position für das Vier-Tage-Modell entscheiden können. „Wir haben das Konzept an der Rezeption bereits zu 100 % und im Restaurant zu rund 70 % umgesetzt“, so Meier weiter. Grund dafür ist, dass das Unternehmen derzeit noch keine personellen Kapazitäten hat, um komplett auf die Vier-Tage-Woche umzustellen. „Solange den betroffenen Mitarbeitern des Restaurants ein Tag im Monat gutgeschrieben wird.“

Der grundlegende Arbeitsplan ist im Gange, aber die einzelnen Enklaven der Arbeitsbereiche arbeiten noch besser. So helfe beispielsweise die erste Schicht an der Rezeption des 25hours Hotels in Zürich auch beim Aufbau der Restauranttische auf der Terrasse, sagt Meier. „Diese Anpassung an die neuen Schichtpläne braucht Zeit, genauso wie das Aufbrechen traditioneller Arbeitsstrukturen ein Umdenken erfordert“, gibt er an jedem Konfliktpunkt zu bedenken.

Zwei Drittel aller Hotels haben Mühe, offene Stellen zu besetzen

Das Engagement der Hotelgruppe kommt bei HotellerieSuisse, dem Wirtschaftsverband der Schweizer Beherbergungsbranche, gut an. „Wir finden es grundsätzlich positiv, wenn Hotels vorangehen und versuchen, neue Geschäftsmodelle einzuführen“, sagt Ueli Schneider, Leiter Business Development und Vorstandsmitglied, gegenüber dem Gastro Journal. Dies ist gerade in Zeiten akuten Fachkräftemangels gerade im Gastgewerbe und der Gastronomie eine wichtige Maßnahme. Eine Umfrage von HotellerieSuisse vom Januar 2022 ergab, dass mehr als zwei Drittel aller Hotels Schwierigkeiten haben, offene Stellen in ihren Betrieben zu besetzen.

Die in Deutschland gegründete 25-Stunden-Hotelkette hat die Vier-Tage-Woche bereits erfolgreich am Standort Hamburg getestet. Und CEO Lukas Meier ist schon jetzt vom neuen Arbeitszeitmodell für seine Zürcher Betriebe überzeugt: «Wir werden auf jeden Fall am Konzept festhalten.»

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