„Nathan 575“ beeindruckt in der alten Synagoge

Kultur

In „Nathan 575“ stellt sich das Regieduo Ludwig Wüst und Maja Savic zentralen Szenen in Lessings „Nathan der Weise“ mit Berichten über jüdische Flüchtlinge. Die Inszenierung des Niederösterreichischen Landestheaters feierte am Freitagabend in der Alten Synagoge Premiere.

28.05.2022 15.47

Online ab heute, 15.47 Uhr

„Nathan 575“ ist eine bühnenmusikalische Installation, die Teil der Reihe „Gedenkbüro“ des Niederösterreichischen Landestheaters ist: ein Kunstprojekt innerhalb und außerhalb des Theaters, das den Spuren der jüngeren Landesgeschichte aus unterschiedlichen Perspektiven nachgeht. Als ortsspezifisches Projekt wird die Gedenkstätte in Kooperation mit wichtigen Partnern wie der ehemaligen Synagoge und dem Österreichischen Jüdischen Historischen Institut, dem Landesmuseum Niederösterreich, dem Verein MERKworth in Melk und dem Archiv der Stadt St . Pölten.

Tobias Artner, Emilia Rupperti und Helmut Wiesinger sowie Musiker Helmut Stippich gestalten den einstündigen Abend einfach, aber beeindruckend. Vor allem Wiesinger, langjähriges Mitglied des Ensembles, gelingt in der Hauptrolle eine faszinierende Charakterstudie: Er gibt Nathan viele subtile und ergreifende Nuancen schmerzhafter Weisheit.

Alexi Pelekanos Die Aufführung in der alten Synagoge ist nur noch einmal zu sehen

Politik der Toleranz und Macht

Artner ist auf herausfordernde und gewagte Weise Nathans andersgläubiger Gegner, Rupperti liest ruhig und intensiv Dokumente, Briefe und Berichte, muss aber gegen die leicht hallende Akustik ankämpfen. Lessings Ideale von Toleranz und Aufklärung seien jedenfalls deutlich erfahrbar, während die aktuellen Schrecken zerstörerischer Machtpolitik jenseits rein religiöser Konflikte implizit mitschwingen, schreibt Ewald Baringer in seiner Kritik.

Schade, dass “Nathan 575” nur noch einmal am 31. Mai spielt. Vielleicht lässt sich die Intendantin des Landestheaters, Marie Rötzer, inspirieren, bei Gelegenheit den Original-„Nathan“ auf die Bühne zu bringen. Der wunderbare Helmut Wiesinger wäre sicherlich die ideale Wahl.

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