Softwarefehler
Betroffene Supermärkte: Kartenzahlungen bundesweit eingestellt
Aktualisiert: 25.05.2022, 19:06 | Lesezeit: 4 Minuten
Zahlungsmöglichkeiten in Deutschland
Zahlungsmöglichkeiten in Deutschland
Bargeld ist in Deutschland nach wie vor sehr beliebt. In anderen Ländern wird bereits größtenteils bargeldlos bezahlt. Es gibt verschiedene Zahlungsarten.
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Bargeld statt Karte: Kartenzahlung funktioniert derzeit in vielen Supermärkten und anderen Geschäften nicht. Das sind die Gründe.
Berlin. Ob in der Apotheke, im Supermarkt oder an der Tankstelle: Ab Dienstagnachmittag gibt es landesweit Probleme bei Kartenzahlungen, sei es per Kreditkarte oder per Girocard, besser bekannt als EC-Karte. In vielen Geschäften können Einkäufe nur noch bar bezahlt werden. Am Mittwoch dauerte die Störung an. Die große Störung dauerte bis Mittwochnachmittag.
Zahlungsdienstleister meldeten bundesweit „erhebliche Einschränkungen“ bei Transaktionen an einem bestimmten Kartenzahlungsterminal. Betroffen ist nach Angaben des Anbieters Payone das weit verbreitete Gerät vom Typ Verifone H5000. Nach ersten Erkenntnissen liegt ein Problem bei bestimmten Versionen der Gerätesoftware vor.
Der amerikanische Hersteller Verifone kündigt das Produkt als „meistverkauftes deutsches Endgerät“ an. Daher wird das Gerät bundesweit in vielen Kassen eingesetzt. Verifone äußerte sich zunächst nicht zu den Vorgängen.
Morgenpost von Christine Richter
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Zahlung unterbrochen Karte – Rewe nicht betroffen, gestoppt bei Aldi, DM und Netto
Das Problem ist am Mittwochabend noch nicht geklärt. Kartenzahlungen waren laut Ladenmitarbeitern zeitweise möglich, dann aber brach das System wieder ab. „Netzbetreiber und technische Dienstleister arbeiten mit Hochdruck an der Fehlersuche“, teilte der Deutsche Bankenverband auf Anfrage unserer Verlage mit.
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Probleme gab es unter anderem bei der Drogeriemarktkette DM mit Kartenzahlungen. Wer seine Einkäufe für das lange Himmelfahrtswochenende erledigen wollte, musste sich rechtzeitig mit Bargeld eindecken. Die Kassiererinnen waren den Angaben zufolge von der Unterbrechung nicht betroffen. Viele Geschäfte informierten ihre Kunden direkt am Eingang oder durch eine Anzeige über den Ausfall.
So auch bei mehreren Edeka-Standorten: „Es ist ein Querschnittsthema, das derzeit mehrere Handelsbetriebe betrifft, darunter auch einige Edeka-Märkte“, sagte eine Sprecherin unserer Redaktion. Bei Aldi Nord sei Kartenzahlung in einigen Filialen nicht möglich, teilte der Discounter mit. Ähnlich äußerten sich die Drogeriemarktketten Rossmann und Netto Marken-Discount.
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Kunden anderer großer Handelsketten hatten dagegen keine Probleme: Ein Sprecher der Rewe Group teilte mit, dass Rewe-, Penny- und Toom-Märkte nicht vom Ausfall der Kartenterminals betroffen seien. Auch bei Lidl konnten Kunden wie gewohnt einkaufen.
„Temporäre und systembedingte Fehler sind mittlerweile selten und betreffen meist nur noch wenige Systeme“, teilte der Handelsverband Deutschland (HDE) mit. Der Branchenverband betonte, dass Unternehmen auf funktionierende Bezahlvorgänge angewiesen seien. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass Zahlungssysteme in Deutschland stabil und zuverlässig sind“, sagte er.
Fehlfunktion der Karte: kein Hinweis auf Cyberangriff
Sicherlich ist dies einer der Gründe, warum viele Kunden enttäuscht waren, als sie trotz zahlreicher Hinweisschilder in den betroffenen Shops erst an der Kasse erfuhren, dass sie ihren Einkauf wegen Systemausfall abbrechen mussten. Unterdessen scheint es keine Anzeichen für einen Angriff auf die Finanzströme zu geben. „Es gibt derzeit keine Hinweise auf einen Cyberangriff“, sagte ein Sprecher des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) unserer Redaktion.
Der Finanzdienstleister Concardis, der das Terminal zur Zahlungsabwicklung von Händlern nutzt, warnte am Mittwoch vor einem unbefugten Neustart der Geräte. Geräte müssen mit Strom und Netzwerk verbunden bleiben. Der Hersteller Verifone kann das Softwareproblem nur bei bestehender Verbindung lösen, wahrscheinlich verursacht das Problem auch diese Wellen, weil der Anteil der Kartenzahlungen in Deutschland rasant zunimmt. 2019, dem Jahr vor der Pandemie, machten Barzahlungen 46,5 Prozent des stationären Umsatzes aus. Nach Angaben des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI waren es im vergangenen Jahr nur 38,5 Prozent.
Dagegen stieg der Umsatzanteil durch Kartenzahlungen im Geschäft von 50,5 auf 58,8 Prozent. Am beliebtesten ist die Girocard, die 42 Prozent der Waren bezahlt. Die Studie der Handelsexperten ergab jedoch, dass Kreditkarten auch immer häufiger als Bargeld genutzt werden.
Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.