Die Frage sei vielmehr, ob der Staat bisher Aktien kaufen müsse, „damit über Dinge verhandelt werden kann“, blieb Nehammer vage. Es ist klar, dass Österreich beim Gaseinkauf diverser werden muss, und dieser Prozess ist derzeit im Gange. Auch die Wirtschaft bereitet sich darauf vor, widerstandsfähiger zu sein.
Die Kanzlerin hat erneut verteidigt, wie die Regierung mit Subventionen auf die hohe Inflation reagiert hat. Nicht alle Folgen können gemildert werden, aber im Rahmen des Möglichen. Sie wollen sich besonders um gefährdete Gruppen kümmern, aber auch den Mittelstand vertiefen.
Sanktionen gegen Russland kommen für Nehammer nicht in Frage, aber sie müssen klug sein, also Russland mehr schaden als Europa. Der Bundeskanzler erklärte auch, warum Österreich einem Gasembargo nicht zugestimmt habe. Das Sanktionsregime selbst ist einladend, da es friedlich und nicht militärisch ist. Seine größte Angst ist es, in einen noch größeren Krieg verwickelt zu werden: “Er muss unbedingt vermieden werden.”
Kritik fegte Nehammer auch bei einem anderen aktuellen Thema vom Tisch, der Aufhebung der Isolation für Corona-Infizierte, die selbst das Beratungsgremium der Gecko-Regierung kritisch sieht. Die Verfassung sieht ein angemessenes und verhältnismäßiges Verfahren vor. Die Kanzlerin erklärte, dass dies mit der Isolierung der Omicron-Variante nicht mehr der Fall gewesen wäre.
Umstrittene Äußerungen aus der jüngeren Vergangenheit – Stichwort: Alkohol oder Psychopharmaka – erklärte er oft ironisch. Hier muss gemessen werden.
Nehammer sieht die schlechten Umfragewerte seiner Partei im Zusammenhang mit allgemeiner Verunsicherung. Die Berechnung erfolgt jedoch immer erst zum Schluss, wenn der Wähler am Wahltag seine Stimme abgibt. Bis dahin muss er arbeiten: „Das ist mein Job“.
Anders als die übrigen Parteivorsitzenden fanden die “Sommergespräche” ohne Grill statt im Kanzleramt statt. Nehammer bedankte sich dafür, dass er seinen Zeitplan einhalten konnte: „Das erleichtert es mir, gegen die Krise zu arbeiten.“