Stand: 2. Juni 2022. Autorinnen: Angela Weiß
In Portugal werden bereits 80 Prozent der Kronenneuinfektionen auf die Untervariante omicron BA.5 zurückgeführt, doch scheint die Mutante keinen schwerwiegenden Krankheitsverlauf auszulösen. Bild: DPA | Sulupress.de/Torsten Sukrow
Die neue Variante des BA.5-Virus ist hoch ansteckend und breitet sich in Portugal schnell aus. Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb glaubt: Dasselbe steht Bremen bevor.
Sommer, Sonne, Sonne und fast keine Kronenneuinfektionen? Diese wohl von vielen Bremern verinnerlichte Gleichung könnte bald ins Wanken geraten. Der Grund: Die neue Subvariante omicron BA.5 könnte auch das Bremer Infektionsgeschehen auf den Kopf stellen. In Portugal hatte die Virusvariante zuletzt die Zahl der Infektionen in die Höhe schnellen lassen. „BA.5 ist viel ansteckender als der derzeit in Deutschland vorherrschende BA.2-Typ“, sagt Hajo Zeeb von der Universität Bremen.
Sieht so aus, als ob der neue Variantentyp nicht gestoppt werden kann. Nach Angaben des Epidemiologen trifft BA.5 seit einiger Zeit in Deutschland ein und die Ausbreitung hat bereits begonnen. Aktuelle Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigen, dass bis Woche 19 2,5 Prozent der Neuinfektionen auf BA.5 zurückgeführt werden konnten. Eine Woche zuvor waren es 1,2 Prozent und Ende April 0,6 Prozent. „Was wir hier sehen, ist im Grunde der Beginn eines exponentiellen Wachstums“, sagt Zeeb.
Die Reisezeit begünstigt die Ausbreitung
Wie lange es noch dauern wird, bis die Kronenzahlen in Bremen durch BA.5 wieder steigen, lässt sich nicht genau sagen. Hajo Zeeb hatte jedoch einen desaströsen Auftritt.
Die Reisesaison steht vor der Tür, viele werden auch in Portugal oder Spanien Urlaub machen. Wenn sich BA.5 hier wie erwartet entwickelt, sehen wir in vier bis sechs Wochen einen deutlichen Anstieg der Neuinfektionen.
Hajo Zeeb, Epidemiologie
Dem Experten zufolge könnten mehrere Faktoren die Verbreitung von BA.5 begünstigen oder verlangsamen. Obwohl Portugal eine sehr hohe Impfrate hat, ist das Land früher angekommen als Deutschland. „Dass wir mit Impfungen etwas langsamer waren, könnte dazu führen, dass wir derzeit etwas besser immun sind“, sagt Zeeb. Ein weiterer Punkt ist die Maskenpflicht, die in Bremen zwar gelockert wurde, aber für viele Bereiche noch Pflicht ist. Laut Zeeb könnte die Verwendung von FFP2-Masken die Verbreitung von BA.5 deutlich verzögern.
Hochtief wie prognostiziert
Auch wenn BA.5 ansteckender ist als die derzeit in Deutschland verbreitete BA.2-Variante, verdeutlicht der Epidemiologe derzeit die gravierenden Krankheitsverläufe. „Abgesehen von der Situation in den Krankenhäusern habe ich keine großen Bedenken bezüglich BA.5“, sagt Zeeb. Steigen die Infektionszahlen jedoch stark an, ist auch mit mehr Todesfällen zu rechnen.
Auch die Arbeitswelt in Bremen könnte die Auswirkungen einer möglichen Ausbreitung von BA.5 zu spüren bekommen: Zeeb geht davon aus, dass die Zahl der Krankheitstage höchstwahrscheinlich deutlich zunehmen wird. Nach aktuellem Stand zweifelt der Experte auch die Hoffnungen vieler Bremer auf einen entspannten dritten Crown-Sommer an. „Stattdessen könnten wir eine Art Sommerflut erleben“, sagt Zeeb.
Dieses Thema in der Sendung: buten un binnen, 2. Juni 2022, 19:30 Uhr