Neuer Coronavirus-Subtyp Was über BA.2.75 bekannt ist

Stand: 17.07.2022 09:17 Uhr

Im Juni wurde in Indien eine neue Kronenuntervariante entdeckt. Die Datenlage ist noch knapp, aber BA.2.75 könnte auch in Deutschland relevant sein. Was ist über die Untervariante bekannt?

Von Leonie Kalscheuer, SWR

Die Omicron-Untervariante mit der Bezeichnung BA.2.75 wurde erstmals in Indien entdeckt. Mittlerweile wurde es auch in Europa demonstriert. Und einzelne Fälle von BA.2.75 wurden auch in Ländern wie Kanada, Australien, Neuseeland und dem Vereinigten Königreich gemeldet.

Was ist über die Verbreitung der Untervariante BA.2.75 bekannt?

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) wurden bislang drei Fälle der Untervariante BA.2.75 in Deutschland bestätigt. Allerdings werden in Deutschland relativ wenige PCR-Tests sequenziert. Wissenschaftler können daher noch nicht sagen, wie schnell sich diese Untervariante nach Deutschland ausbreiten wird.

Genaue Daten zu den Ergebnissen der RKI-Sequenzierung würden sich zudem immer um etwa vier Wochen verzögern, sagt der Virologe Manuel Krone vom Uniklinikum Würzburg. Der Molekularbiologe Ulrich Elling von der Österreichischen Akademie ist für das österreichweite Monitoring der Sequenzierung zuständig und hat in einem Twitter-Post auf die mögliche Gefahr von BA.2.75 hingewiesen.

Im Gespräch mit dem SWR erklärt Elling, dass weltweit nur wenige Fälle von BA.2.75 nachgewiesen wurden. Bei den geringen Fallzahlen muss jedoch die geringe Sequenzierung in den Ländern berücksichtigt werden. Daher gibt es fast keine Daten zur neuen Untervariante der Krone. Elling beobachtet die Situation in Indien genau. BA.2.75 wurde dort bereits in mehreren Regionen nachgewiesen. Bisher gibt es in Indien 213 bestätigte Fälle. Allerdings geht der Molekularbiologe von einer hohen Dunkelziffer aus.

Wie gefährlich ist BA.2.75?

Es ist noch zu früh, die Bedrohung durch die neue Omicron-Variante BA.2.75 einzuschätzen. Richard Neher vom Biozentrum Basel hebt die spärlichen Daten hervor. Auch andere Experten weisen darauf hin, dass man derzeit nur über die Gefährlichkeit der Variante spekulieren kann. Bisher ist jedoch kein schwerwiegenderer Krankheitsverlauf als BA.2 und BA.5 bekannt.

Wenn neue Formen einer verstärkten Überwachung unterliegen, werden sie als „variant of interest“ (VOI, Variante under Observation) eingestuft. Virusvarianten der vorherrschenden Mutationen, die entweder leichter übertragbar sind oder dem Immunsystem entgehen, werden als „besorgniserregende Variante“ (VOC) bezeichnet. BA.2.75 wurde noch keiner dieser Gruppen vom RKI und der WHO zugeordnet. Die Omicron-Linie wird jedoch allgemein als „besorgniserregende Variante“ angesehen.

Wie unterscheidet sich BA.2.75 von anderen Varianten?

BA.2.75 macht bereits im Namen deutlich, dass es sich um eine BA2-Linie handelt und vermutlich auch von diesem Virentyp abstammt. Omicron-Varianten beginnen mit den Buchstaben “BA”. und steigen, wenn sie als verschiedene Untervarianten betrachtet werden. Also: BA.1, BA.2, BA.3, BA.4, BA.5. Die BA.2.75-Variante wird nicht als eigenständige Untervariante gezählt, sondern ist die 75. Untervariante der BA.2-Untervariante.

Die BA2-Variante habe sich durch mehrere Mutationen verbreitet, erklärt Ulrich Elling. Die Subvariante omicron BA.5 unterscheidet sich von BA.2 durch drei Spike-Protein-Mutationen. Allein diese Diskrepanz reichte aus, um die Variante schnell zu akzeptieren. BA.2.75 hat elf neue Mutationen, acht davon im Ohrprotein. Diese Veränderungen könnten Reinfektionen begünstigen: „Die elf Mutationen, in denen sich BA.5 und BA.2.75 unterscheiden, könnten eine weitere Welle ermöglichen, da die Immunität von BA.2 und BA.5 möglicherweise nicht schützt“, spekuliert der Molekularbiologe Ulrich Elling .

Virologin Krone und Virologin Isabella Eckerle gehen davon aus, dass regelmäßige PCR-Tests auch Infektionen mit der Subvariante BA 2.75 zuverlässig nachweisen können.

Warum ist diese Variante in Indien so beliebt?

Es gibt Vermutungen, dass die schnelle Ausbreitung in Indien darauf zurückzuführen ist, dass die BA.2.75-Variante auch für Menschen ansteckend ist, die bereits BA.2 haben. „Mittlerweile hat sich in allen Ländern sozusagen eine länderspezifische Immunität entwickelt“, erklärt Elling. In Südafrika gab es beispielsweise eine sehr starke BA.1-Welle. Im südafrikanischen Kontext gelang es der BA.5-Variante, den Immunschutz von BA.1 zu umgehen. Indien hingegen hatte mit der BA.2-Welle zu kämpfen. Wenn BA.2.75 den BA.2-Schutz umgeht, wäre dies auch in Deutschland relevant. Deutschland erlebte neben einer starken BA.1-Welle auch eine sehr starke BA.2-Welle.

Welche Variante stellt die größte Bedrohung in Deutschland dar?

Aktuell beschäftigt Experten vor allem die BA.5-Welle. Sie ist derzeit für die meisten Kroneninfektionen hierzulande verantwortlich und Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist. Viele Forscher gehen davon aus, dass die Variante Omikon BA.5 die Hauptbedrohung bleiben und sich weiter ausbreiten wird.

Die Modellrechnungen stützen die Hypothese, dass sich die Sommerwelle nicht so einfach verbannen lässt. Welche Rolle die BA.2.75-Subvariante spielen wird und welchen Einfluss sie haben könnte, ist schwer vorherzusagen. Da sich eine der Untervarianten nicht durchsetzen muss, ist auch eine Koexistenz möglich. Molekularbiologe Elling hält dieses Szenario für denkbar: „Es könnte auch passieren, dass beide Varianten koexistieren, also nebeneinander existieren.“

Was bedeuten Mutationen für die Impfstoffanpassung?

„Das Frustrierendste ist, dass unsere Anpassung an das Virus viel langsamer funktioniert als die Anpassung des Virus an unsere Immunität“, betont Molekularbiologe Elling. Schnelle Mutationen können nicht nachgewiesen werden.

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