Neues Buch über Familiengeschichten, die oft geheim gehalten werden

Chronik

Ebenso schwierig und oft eine große Herausforderung für viele Opfer- und Täterfamilien ist die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit. Nach 1945 schwiegen viele Familien jahrzehntelang, wie ein neu erschienenes Buch zeigt.

09.06.2022 19.00 Uhr

Online ab heute, 19 Uhr

ORF-Redakteur Johannes Reitter, selbst Historiker, hat jetzt 20 Familiengeschichten in seinem Buch A Layer of Silence beleuchtet, das im Böhlau Verlag erschienen ist.

Oft jahrelanges Suchen nach Informationen

Nach dem Tod ihrer nichtjüdischen Mutter 1986 fand Herbert Kaar in einer zerrissenen Handtasche einen Zeitungsbericht von 1941. Damit begann für den Linzer eine jahrelange Suche nach Informationen über seinen Vater. Der jüdische Schneider Hermann Charasch wurde 1941 in Harbach verhaftet, wegen seiner Beziehung zu einem Nichtjuden zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt und 1942 in einem niedersächsischen Lager ermordet, sagt Kaar, mein Vater wurde wirklich komplett ausgeschlossen. … Erst als seine Mutter nervös wurde, fing sie an zu weinen und sagte: “Wenn Hermann nur da gewesen wäre.”

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Suchen Sie im In- und Ausland nach Hinweisen

Johannes Reitter begab sich auf Spurensuche in in- und ausländischen Archiven und fand dank eines engagierten Archivars Polizeifotos des jüdischen Schneiders und Archive des prominenten Nationalsozialisten. Auch Familiendokumente schätzte er sehr: „Wenn Nachkommen zum ersten Mal Dokumente ihrer Vorfahren sahen, war das oft sehr berührend. Viele Dokumente wurden unter anderem bei Luftangriffen zerstört, aber erstaunlich viel ist noch in den Archiven erhalten. Deshalb lohnt es sich immer, nachzuforschen.“

20 geheime Familiengeschichten

Sein kürzlich erschienenes Buch enthält 20 geheime Familiengeschichten: zehn von Opfern und zehn von Tätern oder Komplizen des nationalsozialistischen Terrorregimes: „Viele haben niemanden mehr zu fragen, weder auf der Seite des Opfers noch des Angreifers . Das fällt vielen sehr schwer“, sagt Reitter.

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Nach jahrzehntelangem Schweigen sind sich Nachkommen wie Herbert Kaar nun sicher, in welche Geschehnisse ihre Vorfahren während der Zeit des Nationalsozialismus verwickelt waren.

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