Die beiden Gewerkschaften EVG und GDL sind sehr besorgt über die Situation bei der Deutschen Bahn. „Solche Zustände wie in diesem Sommer habe ich noch nie erlebt“, sagte der Vizepräsident der Gewerkschaft Eisenbahn und Verkehr (EVG), Martin Burkert, der Sonntagszeitung „Welt am Sonntag“. „Ich habe gesehen, wie Menschen in einem Zug von Rostock nach Hamburg buchstäblich aus dem Zug fielen, als sich die Türen öffneten“, sagte er.
Der Fahrgastansturm im Nahverkehr seit Anfang Juni hat zu starken Verschleißerscheinungen geführt. „Die Schäden durch die intensive Nutzung des Neun-Euro-Tickets spüren wir sehr schnell: Die Aufzüge sind defekt, die Zugtoiletten funktionieren nicht mehr, alles steht unter Stress“, sagte Burkert. „Viele Kolleginnen und Kollegen sind bereits an der Belastungsgrenze.“ Der Krankenstand nahm zu. “Hinweis: Der Neun-Euro-Schein macht krank.”
“Das ist das Worst-Case-Szenario”
Der Vorsitzende der Maschinengewerkschaft GDL, Claus Weselsky, sprach in diesem Sommer von einem Chaos, das er auf der Bahn noch nie erlebt habe. „Das ist das absolute Worst-Case-Szenario“, sagte er der Zeitung. Die Situation der Aktiengesellschaft sei “katastrophal für jahrelange kaputte Ersparnisse”. Er plädierte erneut für eine klare Trennung von Netz und Betrieb, zumindest innerhalb des Konzerns.
Der Landeskonzern hat mit großen betrieblichen Problemen zu kämpfen, was zu vielen Verspätungen für die Fahrgäste führt. Nach Angaben des Unternehmens kamen im Juni nur 58 Prozent der Fernzüge und 88,5 Prozent der Regionalzüge pünktlich an ihrem Zielort an. Die Bahn versuche, möglichst viele Menschen mit zusätzlichen Zügen auf einem überfüllten Schienennetz zu transportieren, erklärte Bahnchef Richard Lutz Ende Juni und sagte zu den Verspätungen: „Glauben Sie mir: Ich leide wie ein Hund.“
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Um einen zuverlässigeren Betrieb und weniger Baubehinderungen zu erreichen, haben die Deutsche Bahn und Bundesverkehrsminister Volker Wissing eine „Generalsanierung“ der Hauptstrecken ab 2024 angekündigt. „Ich hoffe, dass wir das in Zukunft schaffen die Zuguhr wieder anzustellen“, sagte der FDP-Politiker, der erklärte, die Sanierung des Netzes habe „eine Priorität“.
Zurückhaltend reagierte das Verkehrsministerium derweil auf einen Vorschlag aus der Branche, ein 69-Euro-Dauerticket anstelle des 9-Euro-Tickets einzuführen. Ein Sprecher des Ressortleiters Volker Wissing sagte am Freitag, es gebe ein abgestimmtes Vorgehen, wonach im Herbst die Ergebnisse einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Zukunft und Finanzierung des ÖPNV vorliegen sollen.
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) entschied zunächst zugunsten der FAZ für ein Dauerticket von 69 Euro, das bundesweit für den öffentlichen Nahverkehr gelten soll. Das 9-Euro-Ticket läuft Ende August ab. „Ausgehend von der Prämisse, dass ÖPNV-Tarife von Verkehrsverbünden weiterhin für die meisten Reisenden attraktiv sein werden, schlagen wir ein bundesweites ÖPNV-System für diejenigen vor, die sich in der Forschung als relevante Zielgruppe erwiesen haben: zahlungsbereite Fahrer ein Klimaticket für 69 Euro im Monat als einfaches Fahrrecht in der 2. Klasse“, sagte VDV-Geschäftsführer Oliver Wolff.