Nicht in Auftrag gegebene “persönliche” Umfragen

SPÖ-Fraktionschef Kai Jan Krainer gab in den ersten Minuten der Wahl einen Ausschnitt aus einer Fragestunde mit Köstinger im Nationalrat wieder. Bei dem damaligen Treffen wollte der SPÖ-Präsident wissen, ob der Beklagte als Landwirtschaftsminister Erhebungen in Auftrag gegeben habe, die “nichts mit dem Ressortthema zu tun” hätten.

Auf der Nationalratssitzung sagte Köstinger nein. „Ich persönlich habe keine Umfragen in Auftrag gegeben“, sagte er. Am Donnerstag wollte Krainer wissen, ob er seine damalige Aussage halten werde. „An meinem Informationsstand hat sich nichts geändert“, sagte die ehemalige Abteilungsleiterin und wiederholte, dass sie „persönlich“ die Befragungen nicht in Auftrag gegeben habe.

ORF.at/Peter Pfeiffer Eine Kameraübersicht ließ der Informant nicht zu

Hinweis auf den ehemaligen Stabschef

Die SPÖ machte dort nahtlos weiter, wo sie am Mittwochabend beim Eintreffen im Wirtschaftsministerium aufgehört hatte: Umfragen im Auftrag des Ressorts und durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut Demox Research. Darunter seien laut SPÖ „außeramtliche“ Fragen, die den Parteien wichtig seien, aber nicht in die Zuständigkeit des Ministeriums fallen. Geschäftsführer des Instituts ist zudem der ehemalige Funktionär des ÖVP-Bauernverbandes Paul Unterhuber.

Sie kenne ihn seit Jahren, sagte Köstinger, dem Fotos vorgelegt wurden, die die beiden zeigen. Warum sie in ihrem Ressort Umfragen durchführte, die laut SPÖ „ressortfremde“ Fragen enthielten, weiß die ehemalige Stadträtin allerdings nicht. Als Ministerin sei sie sehr verantwortlich für die Prozesse und Entscheidungen des Ressorts, sagte die Ex-Politikerin in der SPÖ-Anfrage.

ORF.at/Peter Pfeiffer SPÖ-Fraktionsvorsitzender Krainer ortet „externe“ Wahlen, die mit Steuergeldern bezahlt werden

An der direkten Gestaltung des Befragungsthemas habe sie nicht mitgewirkt, sagte Köstinger. Krainer zitierte E-Mails seines ehemaligen Stabschefs Gernot Maier, der mit Unterhuber über Umfragefragen gesprochen hatte. Laut der ehemaligen Stadträtin ist es für den Tourismus wichtig, Meinungen zur Arbeitslosigkeit einzuholen. Sie beantwortete Fragen, die sich auf „unsere Gesellschaftsordnung“ oder die Ankunft von Flüchtlingen bezogen, und sagte, dass die Abteilung viele Aufgaben habe und viele Fragen gestellt werden könnten. Krainer wies darauf hin, dass diese Fragen kurz vor der Wiener Wahl 2020 untersucht wurden.

Warum wurde Maier Generalsekretär?

Auf Nachfrage von NEOS erklärte Köstinger, dass sein damaliger Stabschef Gernot Maier aus „Effizienzgründen“ während seiner Amtszeit Generalsekretär geworden sei. Sein Vorgänger wollte sich 2020 beruflich neu orientieren, weshalb die machtvolle Position, für die keine Ausschreibung erforderlich ist, aber Weisungsrecht besteht, vakant blieb. Maier habe „einen hervorragenden Job“ gemacht und sei stets ein integrer Mitarbeiter gewesen.

ORF.at/Peter Pfeiffer Richterin Christa Edwards beriet Ausschussvorsitzenden Wolfgang Sobotka (ÖVP)

Laut Krisper, dem Fraktionsvorsitzenden der NEOS, hatte Maier weder die Berufserfahrung für die Tätigkeitsfelder des Landwirtschaftsressorts noch die Erfahrung als Beamter. Köstinger entgegnete, es sei keine Voraussetzung, Beamter zu sein. Auf die Frage, ob Maiers Erfahrungen während seiner Zeit in der Bundespartei ÖVP und seine Verantwortung bei Meinungsumfragen für seine Ernennung ausschlaggebend gewesen seien, verneinte der Ex-Minister dies.

SPÖ: Überspringen der Verwaltung

Köstinger fühlte sich weder für die Ankündigungen noch für die Umfragen verantwortlich. Eine von NEOS vorgelegte Einschätzung, wonach das Landwirtschaftsministerium während seiner Amtszeit Anzeigen auf dem Boulevard („Heute“, „Österreich“ und „Krone“) geschaltet habe, aber keine einzige Anzeige im „Standard“, nein, sei nachvollziehbar des ehemaligen Ministers. Sie sagte, sie habe keinen Grund, an der Anzeigenschaltung ihrer Mitarbeiter zu zweifeln.

Die SPÖ wollte auch mehr über die Anzeigen in der vom ÖVP-Bauernbund herausgegebenen „Bauernzeitung“ wissen. Aus diesem Grund zitierte Krainer eine E-Mail des damaligen Köstinger-Pressesprechers an die zuständige Abteilung, in der dieser behauptete, einen Werberahmen von 110.000 Euro vereinbart zu haben. Sie sehen diese E-Mail zum ersten Mal, betonte Köstinger. Die SPÖ vermutet, dass das zuständige Ressort ignoriert wurde.

In der dafür nachträglich erstellten elektronischen Akte geben die Ressortleiter laut SPÖ an, dass seitens des „Ministeramtes“ eine Medienkooperation mit der Agrar Media Verlagsgesellschaft mbH für die Veröffentlichung von Anzeigen zuständig ist das Tagebuch des Bauern. “. Der Verlag Agrar Media ist zu 100 % im Besitz einer Vororganisation der ÖVP, des Bauernverbandes, und führt die „Bauernzeitung“.

Spende für den Tanz des Bauernverbandes?

Die FPÖ hat auf den Bericht des Rechnungshofs zum ÖVP-Jahresbericht 2019 reagiert. Konkret wollte Susanne Fürst wissen, ob ihr eine Spende des Landwirtschaftsministeriums für den Tanz des Steirischen Bauernverbandes in Höhe von rund 43.000 Euro bekannt sei. Aufgrund der Frage schaltete sich der Vorsitzende der ÖVP-Fraktion, Andreas Hanger, ein, weil die Parteien laut dem Präsidenten nicht Gegenstand eines U-Ausschusses seien. Köstinger wies darauf hin, dass sie 2019 nur wenige Monate als Ministerin tätig war. Sie habe keine Kenntnis von den Geldflüssen gehabt.

ORF.at/Peter Pfeiffer FPÖ-Präsident Fürst spendete für den Bauernbund Tanz

Die FPÖ gab jedoch nicht auf und versuchte mehrmals nachzuziehen. Nicht selten war dies das konkrete Thema, das zu langwierigen Diskussionen zwischen Köstinger und dem Vertrauten, dem Rechtsanwalt Werner Suppan, führte – Suppan ist regelmäßiger Gast im Parlament und begleitete heimlich mehrere Politiker und Funktionäre der ÖVP in verschiedenen Gremien. Sie vertritt die ÖVP auch außerhalb des parlamentarischen Kontrollinstruments.

Besetzung der Leitung der Bundesgärten

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Nina Tomaselli, widmete sich dann dem Thema Postanweisung und erkundigte sich nach Katrin Völk, die seit Juli 2020 an der Spitze der Österreichischen Bundesgärten steht. Völk war Köstingers stellvertretende Stabschefin und zuvor für sie tätig der Politiker. Köstinger sei der Empfehlung des Personalausschusses gefolgt, sagte er. Sie hat den Nominierungsausschuss nicht beeinflusst. Sie weiß nicht, warum es bei unzähligen Bewerbern keine Anhörungen gab.

Debatte

Was macht der ÖVP-Ausschuss U?

Dass die Volksanwaltschaft Unterlagen zum Berufungsverfahren anfordert, war Köstinger nicht bekannt, das Ministerium verwies aber auf das Amtsgeheimnis, wie Grünen-Vertreter Tomaselli betonte. Der Beklagte verlangte Unterlagen, die er studieren könne. Tomaselli zitierte jedoch einen „Standard“-Artikel, in dem Volksanwalt Walter Rosenkranz (FPÖ) erklärte, dass seit Monaten auf Dokumente gewartet worden sei.

Begriff „Projekt Ballhausplatz“ heute bekannt

Auf das im Unterausschuss „Ibiza“ prominent diskutierte „Projekt Ballhausplatz“ angesprochen, sagte Köstinger, der Begriff sei ihr zunächst fremd. Es war “mäßig gebaut”. Heute, nach Umfragen und Medienberichten, kennt er den Begriff. Der damalige ÖVP-Chef Sebastian Kurz habe sie jedenfalls 2017 gebeten, ÖVP-Generalsekretärin zu werden. Gemeinsam wollten sie “das Land an die Spitze bringen”.

In seinem einleitenden Statement verwies Köstinger auf die Erfolge in seiner Amtszeit. Es war schön, mit Menschen in Kontakt zu kommen. Dem ehemaligen Minister war es wichtig, nicht nur über Politik zu sprechen, sondern sie auch mitzugestalten. Sie würde es wieder tun. „Ich habe am 9. Mai meinen Job gekündigt und die Politik verlassen“, sagte Köstinger. Sein Nachfolger Norbert Totschnig (ÖVP) wurde am 18. Mai vereidigt, bis dahin führte Köstinger die Amtsgeschäfte.

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