Nichts bringt Raiffeisen um

Insgesamt verdient Heinz Huber fast 2 Millionen, fährt in einem deutschen Rennwagen mit, tritt mit Affären auf. Ansonsten: beobachten.

Management durch Schweigen. Die Rechnung geht weiter. Die Raiffeisen Gruppe, Nummer 3 im Land, verdient Geld wie Heu.

Der Reingewinn von 556 Millionen von Januar bis Ende Juni, mehr als eine halbe Million, macht allein in den ersten sechs Monaten 57’500 Franken pro Vollzeitstelle aus.

Wenn das so weitergeht, wird der Verband 2022 eine Milliarde erreichen. Dann wären es mehr als 100’000 Franken Gewinn pro Stelle.

Der Rubel in St. Gallen rollt wie zu Vincents Zeiten. Er genoss den Glanz.

Der Nachfolger Huber verkörpert das Gegenteil. Fielmann-Brille, PKZ-Kleid. Dass er auch bei seinem 911 dem Luxus nicht abgeneigt ist, stört niemanden.

Unter Huber bleibt Raiffeisen, was es schon immer war: eine Profitmaschine mit Eigenantrieb: das Tinguely des Swiss Banking.

Huber zeigt, wie einfach es geht. Nichts tun, dann wird es gut. Und wenn ein Skandal droht, wie eine neue Liebschaft im Unternehmen, schnell den Stecker ziehen.

Raiffeisen ist nicht allein in der Landschaft. Auch Kantons- und Regionalbanken verdienen dank dem Zinsgeschäft viel Geld mit wenig Rendite.

Aber mit roter Kraft ist die Größe erstaunlich. 1.200 Millionen gingen im ersten Halbjahr mit dem banalsten aller Bankgeschäfte in die Kassen, der Differenz zwischen Kredit für ein paar Prozent und null für Sparer.

Auch der Rest des anspruchsvollsten Geschäfts, Beratung und Handel, lebt ein flore de mar Dasein.

Der Konzern nahm mit 300 Millionen im Anlagegeschäft zwar ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr, aber nur ein Viertel des Zinsgeschäfts ein.

Der Handel stagnierte: 116 Millionen Gewinne.

Die 800 Regionalbanken der Raiffeisen Gruppe mit Sitz in der Ostschweizer «Metropole» bleiben, was sie schon immer waren: eine Spar- und Hypothekargruppe.

was möchten Sie sonst noch Raiffeisen hat 3,6 Millionen Kunden, fast jeder zweite Bundesbürger hat ein Konto oder eine Hypothek bei der ehemaligen Bauernbank.

Die meisten von ihnen sind auch „Miteigentümer“: Mitglieder der Genossenschaft. Bei den Mitgliederversammlungen gibt es ein paar Erfolgsmeldungen, dann gibt es viele Social Events.

Sie sind gerne bereit, dafür etwas mehr Zinsen zu zahlen. Hier ist es sehr gemütlich.

Porsche-Mann Huber ist die Idealbesetzung für die Schwellenbank der Alpenrepublik. Keine Tendenz zur Flucht, möglichst wenig tun – perfekt.

Die einzige Bedrohung ist neue Technologie. Irgendwann spüren die Banken den Atem von Revolut & Co. Auf dem Nacken Vielleicht ist es Apple oder Google.

Sie wollen sich darauf vorbereiten. Der Sachaufwand bei Raiffeisen sei im ersten Halbjahr um rund 10 Prozent gestiegen, vor allem wegen Investitionen in die Digitalisierung, heißt es.

Aber auch Raiffeisen kann nicht viel passieren. Ihr Avaloq-System scheint nun wie am Schnürchen zu laufen.

Toll für Huber. Ich brauche es immer noch nicht.

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