Veröffentlicht am 23. August 2022, 04:47 Uhr
Nick Alpiger: Der emotionale und böse Kämpfer, der gerne als Außenseiter antritt
Der 25-Jährige aus Aargovia wird beim Eidgenössischen Schwingfest ohne große Mannschaft im Rücken antreten. Aber der 52-fache Kämpfer ist gesund und offensiv.
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Der Aargauer Schwinger Nick Alpiger freut sich riesig auf das Eidgenössische Schwingfest.
20 Minuten/Ella Celik
Der 25-Jährige (helle Hose) kann dieses Mal ohne Probleme im ESAF antreten.
Marc Schumacher/freshfocus
Bei der Eidgenössischen 2019 flammte im zweiten Parcours eine schlummernde Hüftverletzung wieder auf, rang sich aber weiter durch zwei Parcours.
20 Minuten/Ella Celik
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Schwinger Nick Alpiger freut sich darauf, gesund am ESAF in Pratteln teilzunehmen.
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Wie so oft wird der 25-jährige Aargauer als Außenseiter auftreten.
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Der Maurer erreichte in diesem Jahr seine 50. Krone.
Wie bitter war es 2019 beim letzten Bundesfest des Kampf- und Alpinsports (ESAF): Schwinger Nick Alpiger startete mit einer latenten Verletzung in sein zweites ESAF. Schon in der Sekunde hatte er sich eingeklemmt, die Hüfte hatte sich wieder gemeldet. Der damals 22-Jährige wollte nicht kampflos aufgeben und kämpfte sich zwei weitere Gänge hinunter. Am Sonntag musste er jedoch aufgeben, weil die Schmerzen zu stark waren. «Ich bin von Natur aus ein Kämpfer, ich habe es in Zug versucht. Aber ich wollte es jetzt nicht enden sehen», sagt Alpiger im Gespräch mit 20 Minuten.
Der Aargauer ist nun fit und freut sich auf das ESAF in Pratteln Ende August (ab Freitag, 26. August live in unserem Ticker). Sein Ziel ist es, diesmal acht gute Schritte zu zeigen. Gut bedeutet für ihn, so viel wie möglich zu gewinnen, aber auch klug zu schwingen. „Ich möchte das Beste aus meinem Körper herausholen. Wenn ich das kann, kann es ziemlich gut werden.“ Alpiger, der in seiner Karriere bereits 52 Kronen gesammelt hat, sagt, er sei in den letzten drei Jahren dreister und risikobereiter im Sägemehlring geworden. Dadurch verpasst er gelegentlich einen weiteren Schritt, ist aber überzeugt, dass dies langfristig das Richtige sein wird.
Jetzt kann er mit Gesundheit konkurrieren
Alpiger will sich immer verbessern, ist mutig und arbeitet weiter an den Details. „Wahrscheinlich wird es nie perfekt“, sagt er. Deshalb wird es wahrscheinlich auch die Details des ESAF selbst verbessern, sogar während der Korridore. Er will immer das Beste aus sich herausholen. Etwas martialisch sagt er: „Ein Kampf ist wie ein Krieg, beide wollen gewinnen, sie geben Vollgas, weil der Körper leidet.“ Niemand bleibt von Verletzungen verschont, das gehört zum Geschäft. Alpiger verspüre vor dem ESAF „eine große Freude, gesund antreten zu können“.
Er verspürt keinen Druck und setzt sich auch nicht unter Druck. Als Aargauerin gehört sie dem Nordwestschweizer Verband an, einem deutlich kleineren Verband. Ist das ein Nachteil oder ein Vorteil für ESAF? Alpiger selbst sieht nur Vorteile. „Ja, wir sind ein kleiner Verein, aber wenn wir ein Festival gewinnen, ist das ein brutaler Erfolg, fast unmöglich, weil man fast alleine ist. Wir sind immer die Außenseiter.“ Wenn er ein Ausrufezeichen setzen kann, ist das in Ordnung. Denn er weiß, dass er es selbst herausgefunden hat.
Apropos Arbeit: Alpiger ist gelernter Maurer. Seine Arbeit sei für ihn eine gute Lebensschule, sagt er. Vor allem hilft früh aufstehen und pünktlich sein. Außerdem muss man hartnäckig sein, an heißen und regnerischen Tagen ist man draußen. „Der harte Umgang miteinander härtet mich auch ab. Bei der Arbeit arbeitet man in einem bunt zusammengewürfelten Team, man kennt sich nicht immer, man versteht sich nicht immer, aber man muss zusammenarbeiten.”
Der 1,86 m große und 117 kg schwere Alpiger-Athlet hat auch eine sensible Seite, er zeigt seine Emotionen. “Ich bin ein brutal emotionaler Mensch. 2019 war so ein emotionaler Moment (als er das Innerschweizer Schwingfest gewann, Anm. d. Red.), da musste ich raus.” In diesem Jahr konnte er seine Gefühle immer noch nicht so zeigen, wie er es sich gewünscht hätte. Gut möglich, dass sie es sich für Pratteln aufhebt, diesmal sollen es aber Freudentränen sein.
Sponsoren waren lange vom Wrestling ausgeschlossen, dann lange verpönt. Alpiger hat derzeit nur zwei, könnte sich aber mehr vorstellen. Aber: „Mir ist wichtig, dass ich hinter einem Namen, einem Produkt stehen kann, ich möchte mich damit identifizieren können. Es könnte einfacher sein, das stimmt. Aber ich möchte denen eine Chance geben, die mich so akzeptieren, wie ich bin.” Er will kein Sponsoring, wo der Sponsor ihm sagt, wie oft er gewinnen muss, “ich brauche diesen Druck nicht.” (huh)