Gewessler mahnte, Österreich solle keinen Fehler machen. Die österreichischen Gasspeicher sind derzeit zu rund 50 % gefüllt. Trotz der Wartung von Nord Stream 1 wurde in den letzten Tagen auch Gas gespeichert. Die Regierung will die Speicher vor Beginn der Heizsaison zu 80 Prozent füllen.
Regulierungsbehörde E-Control hofft weiterhin, das Speicherziel zu erreichen: „Wir gehen jetzt davon aus, dass wieder mehr Gas in die Speicher kommt“, sagte E-Control-Chef Wolfgang Urbantschitsch am Donnerstag dem Ö1-Mittagsjournal. Sie müssen die Situation jedoch ständig überwachen, Sie können sich nicht darauf verlassen, dass der Gasfluss vertikal bleibt.
Nach der Wartung von North Stream 1 hat die Gasversorgung durch die deutsch-russische Gasleitung am Donnerstagmorgen wieder begonnen. Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass die Leitung am Donnerstag wie vor der zehntägigen Wartung zu etwa 40 Prozent ausgelastet sein wird, was etwa 67 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag entspricht. Auch die deutsche Netzagentur sieht keinen Anlass, Entwarnung zu geben. Mit einer Auslastung von 40 Prozent in den kommenden Wochen sei „das Worst-Case-Szenario nicht eingetreten, aber von einem klaren Signal kann ich noch nicht sprechen“, sagt Netzagentur-Präsident Klaus Müller.
Der russische Energieriese Gazprom wird weiterhin Gas durch die Ukraine nach Europa pumpen, nachdem die Gaspipeline Nord Stream 1 in der Ostsee wieder in Betrieb genommen wurde. Gas fließt beispielsweise durch die Gaspipeline „Progress“, die sich im Westen der Ukraine teilt und dann über eine Leitung über die Slowakei auch die OMV versorgt. Auch der teilstaatseigene österreichische Konzern erhielt am Donnerstag mehr Gas. Der russische Gaskonzern Gazprom habe bestätigt, dass am Donnerstag etwa die Hälfte der vereinbarten Gasmenge fließen soll, sagte die OMV der APA. Das ist wieder das Niveau vor der Wartung der deutsch-russischen Pipeline. Während der Wartungspause von Nord Stream erhielt OMV nur ein Drittel des bestellten Gases aus Russland.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow machte am Donnerstag westliche Sanktionen gegen Russland, das einen Krieg in der Ukraine führt, für alle Schwierigkeiten verantwortlich, russisches Erdgas nach Europa zu bringen. Im Gespräch mit Reportern sagte Peskow, Russland bleibe „ein sehr wichtiger und unverzichtbarer Teil der europäischen Energiesicherheit“.
Angesichts der Bedenken in Europa, dass Russland die Gaslieferungen weiter kürzen könnte, verwies Peskow auf frühere Äußerungen von Präsident Wladimir Putin. Die staatliche Gazprom wird ihren Verpflichtungen gegenüber den Kunden stets nachkommen.