Nordex-Aktie stürzt ab: Nordex korrigiert Jahresziele – mögliche rote Zahlen

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2022 werden daher bestenfalls schwarze Zahlen zu erreichen sein. Vielmehr rechnet das Unternehmen mit einem operativen Verlust. „Wir müssen davon ausgehen, dass uns einige dieser Effekte im nächsten Jahr begleiten werden“, sagte Vorstandschef Jose Luis Blanco am Dienstagabend nach Börsenschluss in Hamburg überraschend.

An der Börse erschreckte die Nachricht die Anleger: Die Nordex-Aktie fiel am Mittwoch bei der Aufnahme in den Kleinkapitalindex SDAX um 17,05 Prozent auf 10,42 Euro. Das Tagestief fiel sogar auf 9,82 Euro. Analysten waren nicht allzu überrascht von der Warnung selbst, sondern von der Tragweite.

Vivek Midha von der US-Bank Citigroup schrieb, er habe die Hamburger Aussichten zuvor für zu ehrgeizig gehalten und laut dem dänischen Konkurrenten Vestas sei eine Kürzung möglich. Dies ist jedoch offensichtlich.

Rückblickend erwies sich William Mackie von Kepler Cheuvreux, der Nordex Mitte des Monats auf „Reduce“ herabgestuft hatte, als guter Kerl. Zunächst gab es eine kräftige Erholung, doch Mackie könnte nun mit seinem besonders niedrigen Kursziel von 7,80 Euro recht behalten. Er stellte auf Dauer sogar den Erfolg von Nordex als eigenständiges Unternehmen in Frage.

Experte Anis Zgaya von der Investmentbank Oddo BHF stufte Aktien von einer Kaufempfehlung auf „Neutral“ herab. Für die geplanten Kürzungen gibt es viele Gründe, von denen die meisten einmalig sind. Der Analyst rechnet mit größeren Kursschwankungen, solange sich die Lage in der Ukraine und in China nicht verbessert. Der Analyst der US-Investmentbank Ajay Patel von Goldman Sachs kommentierte, dass die Ankündigung im aktuellen Umfeld keine völlige Überraschung sei, aber negativ zu werten sei. Für das Gesamtjahr beträgt der Abschlag der Nordex-Aktie mehr als 21 Prozent. Laut Jefferies-Analysten Constantin Hesse dürfte es vorerst bergab gehen, es wird aber davon ausgegangen, dass sich die korrigierte Prognose bereits teilweise eingepreist hat.

Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA-Marge) soll nicht mehr 1 bis 3,5 Prozent des Nordex-Umsatzes betragen, sondern nur noch 4 bis 0 Prozent. Auch beim Umsatz erwartet der Vorstand weniger als bisher angenommen: Statt 5,4 Mrd. € bis 6 Mrd. € dürfte er zwischen 5,2 Mrd. € und 5,7 Mrd. € liegen. Zum Vergleich: Nordex schloss das vergangene Jahr mit einem Umsatz von 5,4 Milliarden Euro und einem operativen Ergebnis von 52,7 Millionen Euro ab. Laut Geschäftsbericht entspricht dies einer operativen Marge von 1 Prozent. Die Investitionserwartung von rund 180 Millionen Euro und eine Working Ratio von unter 7 Prozent bleiben unverändert.

Nordex und viele seiner Wettbewerber leiden seit vielen Monaten unter engen Lieferketten infolge der Corona-Pandemie und den massiven Kostensteigerungen. Vor allem Rohstoffe und Energie sind sehr teuer geworden. Besonders betroffen ist Nordex von hohen Stahlpreisen, aber beispielsweise auch Nickel, wie Vorstandschef Blanco Ende März in einem Interview mit der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX sagte. Ursprünglich wollte Blanco in diesem Jahr eine operative Gewinnmarge von 8 Prozent erreichen. Das Unternehmen bezeichnet es nur noch als „mittelfristiges strategisches Ziel“. „Die aktuelle Situation ist nicht nachhaltig genug, um profitabel zu sein“, sagte der Manager im Interview.

Als Grund dafür, dass Nordex nun seine Jahresprognosen korrigieren muss, geben die Hamburger unter anderem den Krieg in der Ukraine an. Denn dessen Folgen und die Auswirkungen des Corona-Lockdowns auf China konnten Ende März “wegen unzureichender Vorhersehbarkeit” nicht berücksichtigt werden. Die Folgen geopolitischer Ereignisse sind nun enthalten. Sowie die Mehrkosten, die Nordex durch den Cyberangriff Ende März entstanden sind. Sowie Einmalaufwendungen für die Umstrukturierung der Produktion, die der Konzern seit einiger Zeit betreibt, um profitabler zu werden.

In der neuen Prognose schlüsselt Nordex Stressfaktoren weiter auf. Knappe Rohstoffe und Lieferkettenprobleme haben die größten negativen Auswirkungen. Die volatile Situation und Störungen der Lieferkette, insbesondere bei der Schifffahrt, wirken sich laut Vorstand erheblich auf laufende Projekte aus. Es besteht ein erheblicher Mangel an Stahl und anderen kritischen Komponenten. Richtig ist, dass Umfang und Umfang schwer abzuschätzen und noch immer schwer vorhersehbar sind. Nordex erwartet jedoch, dass diese Faktoren die operative Marge zwischen 2 und 2,5 Prozentpunkten belasten werden.

Zudem prognostiziert das Unternehmen als direkte Folge des russischen Angriffskrieges in der Ukraine einen Umsatzausfall von rund 200 Millionen Euro. Zudem wird mehr Sanitärversorgung durch gestoppte oder nicht mehr durchgeführte Projekte erwartet. Die unmittelbare Auswirkung davon könnte im laufenden Jahr bis zu einem Prozentpunkt der operativen Marge betragen.

Nordex schätzt den Einfluss der umgebauten Produktionsanlagen auf die Gewinnspanne auf bis zu 1,5 Prozentpunkte. Unter anderem will das Unternehmen Ende Juni die Produktion von Rotorblättern in Rostock einstellen. Die Verhandlungen seien hier bereits “sehr weit fortgeschritten”, wie es am Dienstagabend aus Hamburg hieß. Die Gewerkschaften verhandeln unter anderem über die Gründung einer Transfergesellschaft und warten auf neue Investoren, die das Gelände übernehmen. Von der Schließung wären 600 Beschäftigte betroffen. Zudem hat Nordex die spanische Einfriedung des Vall d’Uixo geschlossen.

Darüber hinaus dürften kronenbezogene Blockaden in China die Lieferketten von Nordex beeinträchtigen, und auch der Cyber-Vorfall wirkt sich aus. Das Management erwartet, dass diese Faktoren die Marge um bis zu 1 Prozentpunkt negativ beeinflussen werden.

Hinsichtlich Hackerangriffen gibt es laut Nordex keine Hinweise darauf, dass fremde Windparks und Windanlagen betroffen sind. Allerdings musste die IT-Infrastruktur neu aufgebaut werden. Dies führt zu Verzögerungen und Kosten für Nordex. Der Cyber-Vorfall hat Nordex bereits veranlasst, die Vorlage der Zahlen für das erste Quartal zu verschieben. Der Quartalsbericht wird nun am 20. Juni veröffentlicht.

Vor Schließung des Werks: Einigung zwischen Nordex-Management und Betriebsrat

Wenige Wochen vor der für Ende Juni angekündigten Schließung der Produktion von Rotorblättern in Rostock hat sich die Geschäftsführung des Windkraftanlagenherstellers mit dem Betriebsrat geeinigt. Die rund 500 betroffenen Arbeiter erhalten nach Angaben vom Mittwoch eine Abfindung und eine Einmalabfindung sowie die Option, in eine Umzugsfirma einzusteigen. Dort werden sie bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber unterstützt. Das Management hatte die Mitarbeiter zuvor auf einer Betriebsversammlung über das Ergebnis der Verhandlungen informiert.

Darüber hinaus erhöht Nordex seine kurzfristige Transferleistung auf 90 Prozent des Nettoentgelts über einen Zeitraum von fünf bis zwölf Monaten. Alle Auszubildenden in der Rotorblattfertigung können ihre Ausbildung bei einem Kooperationspartner in der Region oder an einem anderen Nordex-Standort fortsetzen.

Personalvorstand Constantin Baltzer sagte, der Stopp der Produktion in Rostock sei ein schmerzhafter Schritt gewesen. Dies ist eine Folge des globalen Kostendrucks in einem Markt- und Wettbewerbsumfeld, das die Windenergiebranche seit Jahren herausfordert.

„Die Situation ist bedauerlich. Sie betrifft den Industriestandort Mecklenburg-Vorpommern“, sagte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD). „Das Unternehmen konnte nicht überzeugt werden, obwohl die Energiewende bundesweit Fahrt aufnimmt.“ Daher gibt es in Deutschland so gut wie keine Hersteller von Windenergieanlagen. „Wir begleiten die Gespräche weiter, wenn es um potenzielle Käufer für den Standort geht.“

Meyer hatte in der vergangenen Woche klargestellt, dass die Transfergesellschaft ausschließlich von Nordex betrieben werde. Anders als MV-Werften verlagert Nordex ein intaktes Unternehmen nach Übersee.

ROSTOCK/HAMBURG (dpa-AFX)

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Bildquellen: Lukassek / Shutterstock.com, Nordex

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