Notfallplan in Berlin aktiviert: Kaum freie Plätze für Flüchtlinge

Deutschland Kipping schlägt Alarm

Kaum freie Plätze für Flüchtlinge: Berlin aktiviert Notfallplan

Ab: 16:32 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

“Ukrainer haben gute Chancen, Cherson erfolgreich zurückzuerobern”

„Die ukrainische Gegenoffensive geht Stück für Stück vor sich“, sagt WELT-Reporter Ibrahim Naber. Berichten zufolge gelang es der ukrainischen Armee, die russischen Truppen einzukreisen. Die Chancen einer Rückeroberung sind sehr hoch, besonders in Cherson.

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In den Berliner Gemeinschaftsunterkünften für Asylbewerber stehen nur noch 326 Plätze zur Verfügung. Deshalb will Innensenatorin Katja Kipping einen Notfallplan aufstellen. Grund für die angespannte Lage ist der Zulassungsstopp in anderen Bundesländern.

Die ohnehin angespannte Situation um die Unterbringung von Flüchtlingen in Berlin hat sich dramatisch verschärft. Bei nur noch wenigen Plätzen solle nun ein Notfallplan aufgestellt werden, sagte Integrationssenatorin Katja Kipping (Linke) am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

Geplant ist unter anderem die Eröffnung eines Großzeltes mit rund 900 Schlafplätzen, das bisher als Reserve in den Einrichtungen des ukrainischen Ankunftszentrums in Tegel stand. Auch die Anmietung von Übernachtungsplätzen in Hostels oder die Aufstellung zusätzlicher Zelte werde geprüft.

Laut Kipping muss Berlin seit einiger Zeit mehr Asylbewerber aufnehmen, weil „fast alle anderen Bundesländer“ aus dem nationalen Verteilungssystem ausgestiegen sind. “Es gibt tatsächlich einen Zulassungsstopp für Asylerstbewerber.”

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Die anderen Länder begründeten dies laut Kipping damit, dass sie eine schwere Last hätten, ukrainische Flüchtlinge aufzunehmen, die kein Asyl beantragen müssen. “Berlin muss das jetzt abfedern. Das verschärft die Lage hier.”

Kipping forderte die anderen Bundesländer auf, zum Verteilungssystem nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel zurückzukehren. Danach werden Asylsuchende nach Einwohnerzahlen auf die Bundesländer verteilt, Berlins Anteil liegt bei gut fünf Prozent. „Wir müssen hier politische Lösungen finden“, sagte Kipping.

Nach bisherigen Angaben der zuständigen Behörden wurden neben Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine monatlich etwa 1.000 Asylbewerber aus vielen anderen Ländern in Berlin registriert. Wegen des Zulassungsstopps in anderen Bundesländern sei nach aktuellen Zahlen im Juli mit etwa 450 weiteren zu rechnen, sagte Kipping. Zudem nimmt die Tendenz zur Umsiedlung von Flüchtlingen ohnehin wieder zu.

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Auf dpa-Anfrage teilte das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (Laf) mit, dass noch 326 Plätze in Gemeinschaftsunterkünften und Aufnahmeeinrichtungen frei seien. Zum Vergleich: Die Gesamtkapazität liegt bei etwa 24.500. Laut Kipping sollen die Stellen bald besetzt werden.

Anfang Juli schlug die Senatorin wegen der Unterbringung von Flüchtlingen Alarm und wies auf die angespannte Lage hin. Damals waren noch etwa 850 Plätze frei.

Die Task Force muss verstärkt werden, um eine Unterkunft zu finden

Was hat der Senat seitdem getan? Am Columbiadamm des ehemaligen Flughafens Tempelhof wurde laut Kipping nun ein Containerdorf wiederbelebt und erste Teile als Notunterkünfte eröffnet. Derzeit gibt es rund 330 Plätze. Im Bezirk Lichtenberg wird am 1. August eine neue Modulunterkunft (Muf) mit 385 Plätzen eröffnet. Lafs Einsatzkommando wurde verstärkt, das neue Unterkünfte suchen soll.

Kipping erinnerte daran, dass jeden Tag mehr Flüchtlinge aus der Ukraine ankämen. “Und auf der anderen Seite gibt es immer mehr Menschen aus der Ukraine, die aus ihrer ursprünglichen Privatunterkunft ausziehen sollen und nun in Flüchtlingsunterkünften unterkommen müssen.”

Viele Berliner, die anfangs geholfen und Wohnraum zur Verfügung gestellt hätten, seien nun an der Belastungsgrenze angekommen, sagte Kipping. Nun suchten sie nach anderen Lösungen. „Viele zögern, ihre Gäste in eine Wohngemeinschaft zu schicken und erwarten eine eigene Wohnung.“ Allerdings ist es bekanntlich für alle Flüchtlinge „verdammt schwer“, eine Wohnung zu finden.

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