CEO von ntv Russland und Windkraft machen für Siemens Energy Verlust
08.08.2022 12:07 Uhr
Ob Gastransport oder Windkrafterzeugung, die Technologie von Siemens Energy ist gefragt wie nie zuvor. Doch der Konzern meldet erneut einen herben Verlust. CEO Bruch erklärt ntv, wie er die Probleme des Unternehmens und der gesamten Windbranche lösen will.
Trotz einer hervorragenden Auftragslage mit Milliardenaufträgen in allen Bereichen der Energietechnik des Konzerns schreibt Siemens Energy im letzten Quartal wieder rote Zahlen. Der Konzern habe im Zeitraum von April bis Juni Verluste in Höhe von 533 Millionen Euro gemacht, wie das Unternehmen mitteilte. Im Vorjahresquartal lag der niedrigste Wert noch bei 307 Millionen Euro. Gründe dafür waren erneut die Verluste bei der spanischen Windenergie-Tochter Siemens Gamesa, aber auch die Belastungen aus der Restrukturierung des Russland-Geschäfts.
Vorstandschef Christian Bruch sprach von einem “sehr ambivalenten” Bild. „Wir konnten in allen Unternehmen erfolgreich Neukunden gewinnen“, sagte Bruch gegenüber ntv. Die Energiewirtschaft ist auch in unsicheren Zeiten wie diesen stabil. “Der Markt wächst.” Insbesondere das Geschäft mit Gas und der dazugehörigen Technik für Transport und Verdichtung laufe „sehr, sehr gut“. Über alle Sparten des Konzerns hinweg ist der Auftragsbestand auf ein Rekordvolumen von über 90 Milliarden Euro angewachsen.
Allerdings muss Siemens Energy wegen der Restrukturierung des Russlandgeschäfts hohe Verluste verbuchen. Vor allem im Zusammenhang mit dieser Restrukturierung beliefen sich die Sondereffekte des Quartals auf minus 298 Millionen Euro. Laut Bruch will der Konzern das Russlandgeschäft noch im laufenden Jahr “komplett abwickeln”. Ab 2023 sind keine weiteren Einflüsse mehr zu erwarten. „Für uns, und das zeigen die Zahlen, ist das ein schmerzhafter Einschnitt“, sagte Bruch.
Die Windbranche in der Krise
Siemens hat das Neugeschäft in Russland gestoppt, unterstützt aber weiterhin einige Bestandskunden, etwa den Gazprom-Konzern und seine Turbinen für die Gaspipeline Nord Stream 1. Siemens Energy benötigt noch “Importpapiere” von Gazprom. Wann die Turbine verschickt werden kann, kann ich nicht sagen.
Auch die spanische Tochter Siemens Gamesa sorgt weiterhin für große Bilanzverluste. Siemens Energy hatte im Mai angekündigt, den Windkraftanlagenbauer vollständig zu übernehmen, “vollständig” zu integrieren und von der Börse zu nehmen. Siemens Gamesa meldete vergangene Woche einen Umsatzrückgang und einen Quartalsverlust von 446 Millionen Euro. Das Management der spanischen Tochtergesellschaft müsse den Restrukturierungsplan nun “konsequent” umsetzen, so Bruch.
Allerdings reiche es nicht aus, die innenpolitischen Probleme bei Gamesa zu lösen, erklärte Bruch gegenüber ntv. Zudem müsse die Windbranche “grundsätzlich darüber nachdenken, was gemeinsam getan werden kann, um Kosten zu senken”. Denn nicht nur Siemens Gamesa, sondern keiner der heute am Markt befindlichen Hersteller schafft es, mit dem Bau von Windkraftanlagen Geld zu verdienen. Zudem sollten sich die Rahmenbedingungen seitens des Kunden ändern. „Die Inflation muss sich auch in den Preisen widerspiegeln“, forderte Bruch. „Man muss alle drei Themen angehen, wenn man Wind zum Erfolg machen will. Das ist aus meiner Sicht auch mittelfristig möglich.“