Stand: 25.07.2022 16:25
Österreich will den Gasspeicher Haidach nutzen, der auf seinem Staatsgebiet liegt, aber bisher nur an das deutsche Netz angeschlossen ist. Länder wollen eng zusammenarbeiten.
Die österreichische Energieministerin Leonore Gewessler betonte die gemeinsame Verantwortung Deutschlands und Österreichs für die Gasspeicherung. „Wir haben uns immer gut mit Deutschland abgestimmt“, sagte der Minister mit Blick auf den für Deutschland wichtigen Speicher Haidach in Österreich.
Das Land hatte schon vor längerer Zeit entschieden, dass der bisher nur an das deutsche Netz angeschlossene Untergrundspeicher bei Salzburg so schnell wie möglich auch an das österreichische Netz angeschlossen werden sollte. „Das heißt aber nicht, dass ein Land dem anderen das Gas abnehmen will“, sagt Carola Millgramm, Gasexpertin bei E-Control.
Söder pocht auf Transparenz
Während eines kürzlichen Besuchs des Wirtschaftsministers Robert Habeck unterzeichneten Deutschland und Österreich ein Rahmendokument zur Förderung der Zusammenarbeit bei der Energiesicherheit. Österreich verfügt über große unterirdische Erdgasspeicher. Mit 95 Terawattstunden kann die für ein Jahr benötigte Gasmenge in den alten Erdgasförderanlagen gespeichert werden. Deutsche Gasspeicher reichen nur für ein Viertel des benötigten Jahresvolumens aus.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder forderte die Bundesregierung auf, die Gasversorgung Bayerns und anderer Bundesländer aus dem Speicher Haidach zu klären. Die Bundesregierung muss das Abkommen mit Österreich transparent machen und deutlich machen, wann und wie viel Gas in Bayern zirkulieren muss. Leider agiert die Bundesregierung seit Monaten zu zögerlich. Söder warnte: „Wenn Bayern als wirtschaftsstärkstes Bundesland nicht ausreichend versorgt wird, trifft das die gesamte Wirtschaft. Wer den Süden abkoppelt, legt das ganze Land lahm.“
Der Vorrat wurde auf Drängen Moskaus erweitert
Der starke Ausbau der Speicherkapazitäten seit 2007 ist laut E-Control auf die Nachfrage ausländischer Unternehmen wie Gazprom nach zusätzlichen Speicherkapazitäten in Europa zurückzuführen. „Der Speicher Haidach wurde Mitte der 2000er Jahre auf Initiative Moskaus erweitert“, sagte Millgramm. Damals war der Transport durch die Ukraine eine wichtige Route für russisches Gas.
Aufgrund wiederkehrender Streitigkeiten zwischen der Ukraine und Russland war der Transit jedoch nicht immer sicher. Tatsächlich kam es in den Folgejahren zu mehreren Unterbrechungen, die durch den Abtransport aus dem Lager Haidach kompensiert werden konnten.
Laut E-Control wurde der Speicher Haidach im Jahr 2019 noch zu 100 Prozent von Gazprom gefüllt. Der größte Teil des Speichers Haidach steht derzeit leer, weil er noch unter russischer Kontrolle steht. Inzwischen läuft aber in Deutschland und Österreich der Prozess, an dessen Ende bald weitere Speicherkunden den Speicher füllen können.
Der Erdgasspeicher Haidach ist Bestandteil der Solidaritätsvereinbarung
Dagmar Bohrer-Glas, ARD Wien, 25.7.2022 09:21 Uhr