Offene Fragen zu Corona: Wie komme ich an Medikamente?

Aufgrund der Sommerwelle müssen sich nun viele Infizierte wieder isolieren. Zweieinhalb Jahre nach Beginn der Pandemie stellen sich immer noch neue Fragen: Warum bekomme ich kein Medikament oder warum stehen im kostenlosen Test zwei Ct-Werte und welcher zählt jetzt? fragte PULS 24.

Seit Beginn der Pandemie gab es in Österreich mehr als 4,6 Millionen Coronavirus-Infektionen und fast 4,5 Millionen Genesene. Mehr als 120.000 Österreicher sind derzeit infiziert und isoliert. Und während die Regierung offenbar erwägt, die Quarantäne auch nach zweieinhalb Jahren Pandemie ganz abzuschaffen, bleiben Fragen zu den bestehenden Regelungen noch offen.


Es ist nicht klar, wie man das Medikament bekommt


Ein Infizierter aus Wien beispielsweise erzählt PULS 24, dass er hohes Fieber hatte. Die Person ist übergewichtig und starker Raucher, sie machte sich Sorgen und bat die Hotline um 1450-Kronen-Medikamente. Übergewicht sei nicht genug, sagte die Person dort. Eine andere Person, ebenfalls aus Wien, berichtet, sie habe ihren Hausarzt gefragt. Der Arzt habe sich nicht getraut, Medikamente gegen Corona zu verschreiben, er wisse zu wenig über die Nebenwirkungen, war die Antwort dort.


Aber wer bekommt die Medikamente? Das würde in jedem Fall reichen. Von den 487.465 bestehenden Behandlungsserien wurden bisher nur 4,1 % angewendet. Am meisten in Wien: Anfang Juli waren in Österreich 24.090 Behandlungen mit den fünf gegen Covid-19 zugelassenen Medikamenten durchgeführt worden. 17.179, also 71,6 Prozent, wurden in der Hauptstadt gemacht.

Und wie macht die Stadt das? Die Hausärzte in Wien werden vorerst nicht, und 1450 sei auch nicht zuständig, sagt ein Sprecher des Gesundheitsrates des Wiener Gemeinderates, Peter Hacker (SPÖ), auf Nachfrage von PULS 24. In Wien rufen die Gesundheitsämter (MA 15) Risikopatienten eigenständig an. Das Angebot richtet sich vor allem an ältere Menschen: Eingeladen sind positive Fälle ab dem 50. Lebensjahr, so der Sprecher. Medikamente werden dann per Fahrradkurier zugestellt. Wenn Sie jünger und besorgt sind, können Sie 1450 bitten, einen Arzt aufzusuchen.

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Und am Boden? Es scheint noch keinen Plan zu geben, es gibt keine Bundesrichtlinien, und jedes Bundesland hat seinen eigenen Weg. Auch die GECKO-Beratungskommission hat kürzlich empfohlen, die Verfügbarkeit von Anti-Corona-Medikamenten zu erleichtern. GECKO befürwortet das elektronische Rezept und die Vergabe durch den Hausarzt. Die Ärztekammer folgte dem Antrag. Ein weiteres Problem ist, dass Medikamente nur bei positivem PCR-Ergebnis verschrieben werden, bei positivem Ergebnis aber oft zu spät für die Medikamente ist.

Auf Anfrage von PULS 24 betonte das Gesundheitsministerium, man stehe “in engem Kontakt” mit der Ärztekammer und den Bundesländern. Die Bundesregierung würde genügend Medikamente zur Verfügung stellen, Ärzte könnten „Informationen über mögliche Nebenwirkungen und bekannte Kontraindikationen von Herstellern sowie von nationalen und internationalen Fachgesellschaften lesen“. Dennoch will sie den Zugang zu Medikamenten „kontinuierlich optimieren“. „Unterschiedliche lokale Gegebenheiten und bereits etablierte Strukturen“ würden zu Unterschieden zwischen den Bundesländern bei der Arzneimittelzuteilung führen.


Wann können Sie kostenlos testen?


Auch der Punkt, an dem man sich als frei erweisen kann, sorgt bei vielen für Verwirrung. In Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Steiermark, Oberösterreich und Niederösterreich können Sie nach fünf Tagen das Haus verlassen. Wenn Sie sich nicht testen lassen, müssen Sie eine Maske tragen, Sie können nicht in Pflegeheime oder Krankenhäuser gehen und Sie können keine großen Veranstaltungen besuchen. In Wien, Kärnten und Burgenland kann man sich ab dem fünften Tag testen lassen, sonst darf man das Haus nicht verlassen.

Aber ab wann werden die fünf Tage gezählt? Laut Gesundheitsministerium erfolgt die Zählung ab Beginn der Symptome oder, falls dies nicht eindeutig ist, ab dem Tag der Probenentnahme zum Testen. Wenn ich also am Montag einen Test einreiche, der positiv ist, kann ich am Freitag einen ersten Versuch mit einem kostenlosen Test starten.


Was bedeutet keine Symptome?


Um getestet zu werden, müssen Sie 48 Stunden beschwerdefrei sein. Das gilt übrigens auch für das übliche Ende der Isolation nach zehn Tagen; Sie müssen auch nach dem achten Tag beschwerdefrei sein.


Nun aber fühlt sich ein Infizierter, der hohes Fieber hatte, bereits mit einer kleinen Erkältung beschwerdefrei, aber für eine Person, die nur eine Erkältung hatte, wird sich das nicht genug anfühlen.

was zählt Laut einem Sprecher des Wiener Gesundheitsrates ist den Angaben der Infizierten zu trauen. Das kostenlose Testen für Menschen mit Symptomen soll jedoch sowieso nicht funktionieren. Im Allgemeinen können nur 10 Prozent am fünften Tag und 20 Prozent an den Tagen sechs bis neun eine kostenlose Testversion absolvieren. Das Gesundheitsministerium hingegen definiert das Fehlen von Symptomen in der Anwendung PULS 24 als „kein Fieber ohne Einnahme von Antipyretika“, also Antipyretika. Bei allen anderen Symptomen muss die „Besserung“ erkennbar sein.


Welcher Ct-Wert gilt?


Um sich vor dem zehnten Tag testen zu lassen, muss man nicht nur 48 Stunden beschwerdefrei sein, sondern auch einen Ct-Wert größer 30, so die Erkenntnisse der Gesundheitsbehörden. Was es nicht sagt, ist, dass einige Labore mehrere Ct-Werte melden.


Der Ct-Wert gibt im Grunde an, wie viele Messzyklen der PCR-Prozess im Labor durchlaufen muss, bevor das Coronavirus nachgewiesen wird. Ein hoher Ct-Wert bedeutet, dass eine Person eine niedrige Viruslast hat und nicht sehr ansteckend ist. Allerdings werden beispielsweise in Wien bei den „Alles Gurgelt“-Tests mehrere Zielgene untersucht: Ein Wert darf über 30 liegen, der andere darunter. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums müssen dann die örtlichen Gesundheitsämter entscheiden. In Wien zähle der niedrigste Wert, sagte ein Sprecher.


Was ist, wenn der Ct-Wert wieder sinkt?


Wenn Sie seit 48 Stunden beschwerdefrei sind und mit einem Ct-Wert größer 30 getestet wurden, sind Sie oft alles andere als negativ. Der Ct-Wert kann bei späteren Tests wieder unter den Wert von 30 fallen. Grundsätzlich ist der Ct-Wert sowieso der Wert, der in keiner genormten Einheit gemessen wird. Ein Ct-Wert von 30 kann auch einem Wert von 28 oder 32 entsprechen.


Der Wert kann aber auch wieder sinken, weil der Körper restliches Virenmaterial ausscheidet. Aber sobald der Wert 30 überschreitet, gilt es nicht mehr als ansteckend. Viel wichtiger sei, dass die Symptome tatsächlich abklingen, erklärt ein Sprecher der Gesundheitsstadt Wien. Nur wenn der Wert schnell sinkt, beispielsweise unter 20, könnte dies auf eine Autoimmunerkrankung hindeuten, ein Arzt sollte aufgesucht werden.

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