Opulentes „Der König und ich“ in Mörbisch

15.07.2022 10:38 (15.07.2022 10:38)

Siamesische Bräuche: Über allen anderen thront der Kopf des Königs © APA / SEEFESTSPIELE MORBISCH

Die damaligen Götter hatten es mit dem Seefest gut gemeint: Blieb es bei der Freilichtpremiere von „Der König und ich“ trocken, fielen in der Sommernacht in Mörb bald darauf die Schauer. Vor der nassen Heimreise war am Donnerstag noch ein Musical zu sehen, das auch in Sachen Kulisse nicht mit Reizen geizte. Die Inszenierung eines Engländers von Simon Eichenberger am siamesischen Hof ist noch leicht verdaulich und kurzweilig, leidet aber im zweiten Akt an Dauer.

Basierend auf einer wahren Begebenheit schickt das Musical des Duos Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II die Engländerin Anna Leonowens nach Siam (heutiges Thailand), um den vielen Kindern des Königs und seinen ebenso zahlreichen Ehefrauen die englische und westliche Lebensweise näher zu bringen. Freundschaft, aber auch Hindernisse tun sich zwischen Engländern und Siamesen auf: Kok-Hwa Lie porträtiert ihn nicht ohne Sympathie, aber mit aller Arroganz, letzterer will sich dem Westen zuwenden und westlicher regieren, findet ihn aber schwer zu finden. ein Mittelweg zwischen der alten Findungstradition und den neuen Perspektiven. Milica Jovanovic spielt Anna als die romantische und moralisch überlegene Heldin, die sich derweil auf die fast verzweifelte Mission begibt, den Feminismus in Siam zu etablieren.

Die verwitwete Lehrerin verliebte sich schnell in ihre Schüler, die sie in einer deutschen Version von „Getting to Know You“ mit heller, klarer Stimme getreu dem Musical sang. Jovanovic kann sein Repertoire zeigen, wenn er in „Shall I Tell You What I Think of You?“ seiner Wut auf den sexistischen König Ausdruck verleiht. lass uns frei laufen. Dann werden rauere, schrillere Töne gespielt; Immer wieder fließen exotische Elemente in die Musik ein. Der König akzeptiert schließlich Annas Unterstützung für den Umgang mit dem Westen und will sich der Behauptung widersetzen, er sei ein Barbar. Zuvor muss jedoch einer der intelligentesten Dialoge des Stücks stattfinden: Die Hauptdarstellerin Thiang (Leah Delos Santos) befiehlt Anna, dem König Ratschläge zu erteilen, ohne es deutlich zu sagen.

In all dem steckt auch die Frage des Kolonialismus und die unbestreitbare Annahme, dass die Ideale Englands in den 1860er Jahren denen Siams überlegen seien. Sobald er in Bangkok ankommt, formuliert es der Sohn von Anna Louis (Samuel Wegleitner) so: “Die Leute würden ziemlich schrecklich aussehen.” „Der König und ich“ ist jedoch weit davon entfernt, sich mit komplexen weltpolitischen Zusammenhängen auseinanderzusetzen. Rodgers und Hammerstein – der Intendant der Seefestspiele Eichenberger – setzten eher auf Freude und leicht verdaulichen Humor.

„et cetera, et cetera, et cetera“ wiederholt der König eines der ersten gelernten Worte bei jeder Gelegenheit. Annas breiter europäischer Rock lässt ihre Frauen darauf schließen, dass er zu ihrer Figur passt. Und ein kleines Spiel, das damit endet, dass Anna am Boden liegt, weil ihr Kopf nicht über dem des Königs sein muss, basiert auf der Annahme einer dem Kampf der Kulturen innewohnenden Komödie.

Wenn es darum geht, diese Geschichte zu erzählen, ist Genügsamkeit kein Seefestspiele-Ding. Feuerwerk und Wasserelemente während der Show und eine Vielzahl wunderschöner Kostüme schmücken die Inszenierung. Opulent und farbenfroh wie das Innere eines buddhistischen Tempels erhebt sich die Landschaft über dem Neusiedler See, inklusive eines riesigen goldenen Palastes. Hier sei die beste Bühnenversion dieses Musicals zu sehen, die es je gegeben habe, sagte Geschäftsführer Alfons Haider vor dem Start. Die Seebühne wird wohl mehr in Erinnerung bleiben als die Inszenierung, die im zweiten Akt an ihrer Dauer leidet.

(SERVICE – „Der König und ich“ von Rodgers und Hammerstein bei den Seefestspielen Mörbisch. Regie: Simon Eichenberger, Musikalische Leitung: Michael Schnack, Bühnenbild: Walter Vogelweider, Kostüme: Charles Quiggin und Ales Valasek. Milica Jovanovic, Kok-Hwa Lie, Vincent Bueno, Samuel Wegleitner und Leah Delos Santos. Weitere Termine bis 15. August.)

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