Orban ruft in Ungarn den Ausnahmezustand aus

Im Ausland per Dekret regieren

Der Krieg in der Ukraine als Grund: Orban ruft in Ungarn den Ausnahmezustand aus

Stand: 20:19 Uhr | Lesezeit: 2 Minuten

Viktor Orban darf weiterhin per Dekret regieren

Quelle: AFP / ATTILA KISBENEDEK

Ungarn hat unter Berufung auf den Krieg in der Ukraine den Notstand ausgerufen. Damit kann Ministerpräsident Orban per Dekret weiter regieren. Bisher konnte er dies aufgrund der Entstehung der Krone, die kurz vor dem Auslaufen steht, nicht tun.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat wegen des Ukraine-Krieges den Notstand für das EU-Land ausgerufen. Wie Orban am Dienstagabend mitteilte, soll der ab Mitternacht verhängte Ausnahmezustand das Land vor den wirtschaftlichen Auswirkungen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine schützen.

Zuvor hatte das Budapester Parlament die Möglichkeit geschaffen, den Ausnahmezustand auszurufen, wenn ein Nachbarland von einem bewaffneten Konflikt, einem Krieg oder einer humanitären Katastrophe betroffen ist. Die Ukraine, gegen die Russland seit drei Monaten einen Angriffskrieg führt, ist einer der Nachbarn Ungarns.

Kurz vor Ende des aktuellen Kronen-Notstands Ende des Monats hatte Orban einen Weg gefunden, per Dekret weiter zu regieren. Das Budapester Parlament hat am Dienstag eine neue Notstandskategorie geschaffen. Die 136 Mitglieder der rechtsnationalistischen Partei Fidesz stimmten für die entsprechende Verfassungsänderung.

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Am 31. Mai läuft der Gesundheitsnotstand aus, den Orban zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 verhängt hat und der seitdem mehrfach vom Parlament verlängert wurde. Mit der Verfassungsänderung und dem neuen Ausnahmezustand kann Orban per Dekret bestehende Gesetze aufheben und Zwangsmaßnahmen ergreifen. Das Parlament muss dies spätestens nach 15 Tagen bestätigen. Angesichts der großen Mehrheit der von Orban geführten Fidesz-Partei gilt dies als Formsache.

Orban nutzte den Gesundheitsnotstand auch für Zwecke, die durch die Überwindung der Gesundheitslage schwer zu rechtfertigen waren. Dazu gehörten Maßnahmen, um von der Opposition regierte Gemeinden wirtschaftlich zu schädigen oder regierungsnahen Unternehmern Vorteile zu verschaffen.

Ungarn steht seit langem wegen möglicher Verstöße gegen die Rechtsstaatlichkeit in der Kritik. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte im April an, ihre Behörde werde den ersten Schritt im sogenannten Rechtsstaatsmechanismus gegen das Land unternehmen. „Wir haben in Ungarn sehr deutlich gemacht, das Problem ist die Korruption“, sagte von der Leyen damals.

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