Vor 1.150 Zuschauern in Wiener Neustadt vollendete Zadrazil mit einem wuchtigen Schuss ins lange Eck eine sehenswerte Kombination und ließ die Österreicher von einem guten Start in die EM-Vorbereitung träumen. Allerdings trieben sie das Gegenteil des Spielverlaufs voran, denn Dänemark hatte von Beginn an die Fäden in der Hand.
Nach der Pause drehten Pernille Harder (65.) und Sofie Junge Pedersen (75.) das Spiel zugunsten des Vize-Europameisters von 2017 und bescherten Dänemark einen verdienten Sieg in Bezug auf die Anzahl der Spiele und Gelegenheiten. ÖFB-Torhüterin Manuela Zinsberger hatte den dänischen Stürmern zuvor die Nerven genommen. Am Ende hatten die Österreicherinnen mit einem Kopfball von Katharina Schiechtl in der Nachspielzeit Pech.
Zadrazil vervollständigt die Traumkombination
Der Bayern-Legionär setzte mit einem perfekten Schuss nach einem schönen Pass der Österreicher die Krone auf
„Wir haben manchmal gut gespielt“
„Das ist uns damals einfach aufgefallen. Dann wird das Ergebnis gegen diesen Gegner fast irrelevant. Schade, dass der Ball nicht am Ende angekommen ist“, zeigte sich Torschütze Zadrazil im ORF-Interview trotz der Niederlage zufrieden mit der Leistung. Die Österreicher konnten vor allem bei Kontern immer gefährlich werden.
Beim 1:0 zeigte die ÖFB-Offensive auch im Kurzpassspiel ihre Kreativität. „Natürlich war das Tor großartig. Wir haben den Ball großartig gewonnen und gut gespielt. Es war großartig, dass er so reingekommen ist“, sagte Bayern Zadrazil, der zum 13. Mal mit dem österreichischen Trikot der Mannschaft getroffen hatte.
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Idealer Dauertest
Die Dänen seien ein echter Gradmesser, wie die Chefin des ÖFB-Teams, Irene Fuhrmann, zuvor betont hatte. Sie zeigten den Österreichern, dass noch Arbeit nötig ist, um in etwas mehr als drei Wochen für die Endspieleröffnung gegen England am 6. Juli im Old Trafford Full in Manchester bereit zu sein. Aber auch Top-Stürmerin Nicole Billa, die nach einer Krankheit nicht mehr ganz fit war, Laura Feiersinger und ÖFB-Drehscheibe Sarah Puntigam, die erst spät zum ÖFB-Team stieß, fehlten ganz wichtige Spielerinnen.
Wie schon 2017 in Breda verlor das ÖFB-Team den Kampf um das EM-Finale gegen Dänemark, damals hatte nur ein Elfmeterschießen (3:0) nach einer Nummer Null die Entscheidung getroffen. Der Test bildete den Abschluss des ersten Vorbereitungstrainingslagers, ab dem 17. Juni treffen sich Kapitänin Viktoria Schnaderbeck und Begleitung wieder in Bad Tatzmannsdorf. Am 22. Juni gab es dann in Maria Enzersdorf ein Spiel gegen Montenegro und vier Tage später in Belgien die Generalprobe der Europameisterschaft.
ÖFB-Führung gegen den Spielverlauf
Die von Lars Söndergaard trainierten Dänen starteten mit viel Druck und steckten gleich viel Arbeit in die meist mit einer Fünferkette operierende ÖFB-Abwehr. Nach einem Patzer der Gäste selbst ist das schnelle 1:0 daheim fast gefallen. Ein Schuss von Barbara Dunst fand nicht den Weg ins Tor (6.). Nach 19 Minuten hätte Katharina Naschenweng mit einem fulminanten Schuss von der linken Außenbahn die Führung verkürzen können, wäre da nicht eine hervorragende Blockade des Gäste-Keepers gewesen.
Zu diesem Zeitpunkt war es offensichtlich, dass die Spieler des ÖFB das Tempo reduzierten und sich defensiver orientierten. Die als Stürmerin einberufene Lisa Kolb löste sich von ihrer Konkurrentin, bediente die in Zadrazils Karriere ideal gespielte Marie-Therese Höbinger, und die erfahrene deutsche Legionärin vollendete das Tor mit einer Übersicht bis ins letzte Eck (29.).
GEPA/Michael Meindl Vor der Pause freuten sich die Österreicher über die gute Führung
Von da an hatten die Einheimischen den Gegner besser im Griff, der deutlich mehr Ballbesitz hatte. Kurz vor der Pause hing der Gleichstand zweimal in der Luft. Manuela Zinsberger stoppte einen Kopfball von Boye (40.) und Pedersen feuerte ihn aus guter Position ab (45.+1).
Stärkere Schläge beim vierten Versuch
Die Dänen kamen nach der Pause in Schwung, einziges Manko war im Moment die Chancenverwertung. Ausgerechnet dem Star Harder fehlte am Ende die Grausamkeit, der Stürmer scheiterte zweimal an Zinsberger (48., 62.), einmal verfehlte er das Tor nur um Haaresbreite (57.). Die vierte Chance wollte sich die 29-Jährige nicht entgehen lassen, sie traf eine Ecke nach einem Pass aus dem Loch. Danach köpfte Pedersen nach einer Ecke mit einem trotzigen Kopfball auf das dänische Tor.
Härtestes Unentschieden (65. Minute)
Nach einem perfekten Lauf im Rennen ließ der europäische Doppelfußballer des Jahres Zinsberger keine Chance
Naschenweng kam mit einem Freistoß knapp am Pfosten vorbei (86.) und „Jokerin“ Schiechtl, die nur den Pfosten traf (90.+4.), dem Ausgleich nahe. Österreich konnte kein gutes Omen für die EM haben. Vor dem Sommermärchen 2017 hatte es in Wiener Neustadt einen 4:2-Sieg gegen Dänemark gegeben. Statt erneut erfolgreich zu sein, gab es im fünften Aufeinandertreffen zum dritten Mal eine Niederlage.
Kommentare zum Spiel:
Irene Fuhrmann (Geschäftsführerin ÖFB-Team): „Das war das nach einer intensiven Trainingswoche erwartete schwierige Spiel, das zur Standortbestimmung genutzt wurde. Ich denke, es war klar, dass wir noch nicht dort sind, wo wir sein müssen, wenn es darauf ankommt an Fitness und mentaler Frische fehlt uns noch, aber wir haben eine gute Basis, auf der wir aufbauen können, denn selbst gegen einen sehr starken Konkurrenten haben wir uns gute Chancen erarbeitet, wenn wir uns an die Kombination gewagt haben.
Viktoria Schnaderbeck (ÖFB-Kapitänin): „Der erste Eindruck ist, dass es ein typisches Freundschaftsspiel war. Die letzte Frische hat noch gefehlt, das ist in Ordnung.“ In der zweiten Halbzeit waren sie torgefährlicher, da hatten wir in manchen Situationen Glück. Aber Wir haben auch gezeigt, dass wir spielen können, wenn wir den Ball haben. Wir sind auf dem richtigen Weg, es ist klar, dass noch nicht alles funktioniert.“
EM-Testspiel
Sonntag:
Österreich – Dänemark 1:2 (1:0)
Wiener Neustadt, 1.150, SR Cesen (SLO)
Tore: Zadrazil (29.) oder Harder (65.), Pedersen (75.)
Österreich: Zinsberger – Wienroither, Wenninger, Georgieva, Schnaderbeck (46./Degen), Hanshaw (80./Schechtl) – Höbinger, Zadrazil, Naschenweng (87./Wienerroither) – Dunst, Kolb (46./Makas)
Dänemark: Svane (46./Worsöe) – K. Holmgaard, Boye (82./Färge), S. Holmgaard – Thrige (66./Lundorf), Kühl, Pedersen, Svava – Madsen (66./Troelsgaard), Harder ( 82./Holdt), Brunn (66./Möller)
Gelbe Karte: Degen, Wenninger