ÖVP und List Fritz starteten in Tirol einen intensiven Wahlkampf

Jetzt, wo der Wahlkampf so richtig losgeht, spielte Mattle in seiner rund 20-minütigen Rede auf dem Dach des Dokumentationszentrums Alpinarium vor einem Kreis von Mitstreitern, im Hintergrund die Paznauner Bergwelt. Aus einem Wahlkampf wird nun eine „Wahlbewegung“. Dann sagte er Reportern, dass sie „weit über 30 Prozent“ kommen wollen. In jüngerer Zeit lag die Volkspartei in den Umfragen bei etwa 30 Prozent oder sogar deutlich darunter. 2018 hatte die Partei mit bundespolitischem Rückenwind 44,26 Prozent beigesteuert.

„Wir wollen ein tragfähiges, offenes und leistungsfähiges Tirol in der Mitte“, sagt Mattle. Und er suchte die “Richtungsentscheidung” bei der FPÖ, deren Chef Abwerzger diese Woche zum Landeshauptmannkandidaten ausgerufen wurde. Die Menschen haben die Wahl: Sie wollen einen “mittelständischen Kandidaten oder einen ‘um die Gnaden Kickls'”. Der Präsident der ÖVP bekräftigte seine Ablehnung einer Koalition mit der FPÖ. Dass Bundesparteichef Kickl im Fernsehen klarstellte, dass er „nicht an den Klimawandel glaubt“, brachte das Fass zum Überlaufen.

Mattle hat sich den anderen Parteien im Landtag seiner Heimatgemeinde, die er 30 Jahre lang als Bürgermeister leitete, nicht verantwortet. Auch Koalitionserklärungen wurden ausgelassen. Der schwarze Anführer sagte, er habe “keine Präferenz” und es sei noch zu früh, um mehr zu sagen.

Inhaltlich hatte der 59-Jährige wenig Neues im Talon. Er betonte die Bedeutung der Energieautarkie Tirols bis 2050 als Beitrag zum globalen Klimaschutz und sprach sich erneut für qualifizierte Zuwanderung aus, um beispielsweise qualifiziertes Personal für den Pflegebereich zu gewinnen Überraschend war nur, dass Mattle für einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung bzw. einen Erziehungs- und Betreuungsplatz für Kinder ab zwei Jahren plädierte. So nah wie möglich am Wohn-, Arbeits- oder Arbeitsort der Eltern. Bis Mai hatte die Koalition von ÖVP und Grünen einen Antrag der Opposition auf eine rechtliche Klage im Landtag abgelehnt.

„Toni, Toni“-Rufe begleiteten den Spitzenkandidaten, als er die Treppe zur Terrasse des Alpinariums hinaufstieg. Ansonsten gab es wie angekündigt keine Inszenierung. Keine Innsbrucker Olympiahalle mit 2.000 Menschen, keine andere Großveranstaltung. Am Ende des Tages gebe es keine “größere Bühne” als die Berge seiner Heimat im Hintergrund, betonte Mattle, der auch seine politische Sozialisation in seiner Heimatgemeinde hervorhob. Und er erwähnte auch die Lawinenkatastrophe von 1999. Damals sei die „Dorfgemeinschaft unter großem Druck“ gewesen: „Ich habe gesehen, wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen“, sagte ein begeisterter Mattle.

Mit 29 Jahren wurde er Bürgermeister, jetzt mit 59 ist es sein „Wunsch, Gouverneur zu sein“. Nun wollen sie auf Augenhöhe mit den Tirolern in Kontakt treten und „laufen, laufen, laufen“, appellierte Mattle an seine Anhänger. Er sagte es und stieg in den Wahlkampfbus, der ihn fortan durch ganz Tirol bringen wird.

Im Rahmen des Auftakts, der am Freitag mit einem abendlichen Treffen von ÖVP-Kandidaten aus ganz Tirol begann, wurde das Wahlprogramm „Neue Energie für Tirol“ ins Leben gerufen. Landeshauptmann Günther Platter war übrigens am Freitag in Galtür anwesend, am Samstag aber beim Landtag der SVP Südtirol in Meran.

Ebenfalls am Samstag startete die Oppositionsliste Fritz ihren Wahlkampf, durchschlagend sachlich. Top-Anwärterin Andrea Haselwanter-Schneider gelobte vor rund 150 Fans auf dem Maxnhof in Arzl hoch über Innsbruck und dem Klang einer Ziehharmonika, für „das zweitbeste Ergebnis der Geschichte“ zu „laufen“. Und er gab ein Versprechen: Die Liste werde keinesfalls zum “staatlichen Nebenschauplatz”.

Abgesehen davon hat sich Vorsitzende Haselwanter-Schneider beim Bürgertag, der im Vorfeld der Landtagswahl am 25. September zum Start des Wahlkampfs verlängert wurde, bewusst nicht auf konkrete Wahlziele oder Wunschkonstellationen festgelegt. „Die Wähler haben das Wort“, grenzte sich die 54-Jährige von ihren politischen Konkurrenten ab, während andere Spitzenkandidaten sich „arrogant“ als künftigen „Landeshauptmann, Landeshauptmann-Stellvertreter oder Sozialstaatsrat“ positionieren würden. In diesem Wahlkampf drehe sich alles um “Koalitionsspiele”, und für Themen bleibe zu wenig Platz, so der Parteivorsitzende.

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