– Sie sind wieder im Graben
Spektakuläre massive Stürze überschatten jeden Tag den Damenkurs. Spitzenspielerinnen wie Marlen Reusser kritisieren die Fahrweise mancher Sportler.
Veröffentlicht: 29.07.2022, 05:53
Auch hier gibt es die, die im Graben sitzen: Fast täglich kommt es bei der Tour de France der Frauen zu schweren Stürzen.
Foto: Foto-Net
Es sind die Bilder, die weh tun. sehr schmerzhaft Die Fahrer liegen am Boden. Blut an Ellbogen und Knien, Schürfwunden überall. T-Shirts sind zerrissen, Fahrräder auf dem Asphalt verstreut. Solche Bilder sind bei der erstmals seit 2009 ausgetragenen Tour de France der Frauen alltäglich.
Auf der 5. Etappe am Donnerstag nach Saint-Dié-des-Vosges, rund 50 Kilometer vor dem Ziel, war etwas los. Etwa 30 Autofahrer waren in einen schweren Unfall verwickelt. Emma Norsgaard Bjerg war am stärksten betroffen. Der Däne musste sich ergeben und wurde für weitere Untersuchungen ins Krankenhaus gebracht. Weniger gravierend war der Sturz von Elise Chabbey, einer von vier verbliebenen Schweizerinnen. Genfs Frau stürzte kurz vor der Flamme Rouge in einer Kurve. Er konnte wieder auf sein Fahrrad steigen und erreichte die Ziellinie.
Schon in den vorangegangenen Etappen hatte es fürchterliche Stürze gegeben. Am Mittwoch wurde die spanische Meisterin Margarita Victoria Garcia Canellas von ihrem Teamauto ins Hinterrad getroffen. Er stürzte und konnte die Etappe unter Schmerzen absolvieren. In der Gesamtwertung wurde er jedoch abgehängt. Zwei andere Läufer schnitten in der zweiten Etappe am Montag viel schlechter ab. Die italienische Mitfavoritin Marta Cavalli erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und musste die Tournee beenden. Ebenso Deutschlands Bahnweltmeisterin Laura Süssemilch, die sich zwei Wirbelbrüche zugezogen hat.
Marta Cavalli muss die Tour nach einem Sturz auf der 2. Etappe aufgeben.
Videos: Eurosport
Reussers Kritik am Fahrstil mancher Sportler
Marlen Reusser, die am Mittwoch die 4. Etappe solo gewann, ist bisher vor den Stürzen verschont geblieben. Die zahlreichen Zwischenfälle bei der ersten Frauentournee seit 13 Jahren führt er auf zwei Ursachen zurück. „Alle sind etwas motivierter“, sagte Bernoc der Deutschen Nachrichtenagentur dpa. Der Olympia-Zweite und Vize-Weltmeister im Zeitfahren geht noch einen Schritt weiter. „Es sind Fahrer am Start, bei denen man sich fragt, warum sie da sind. Das macht das Feld sehr heterogen.“
Mit dieser Aussage kritisiert Reusser auch ein wenig die Veranstalter. Sie haben sieben Teams mit einer Wild Card für die Neuauflage eingeladen. “Es braucht wirklich einen, zwei oder drei Fahrer, die es nicht ganz beherrschen oder zu viele Risiken eingehen, um Unfälle zu verursachen”, sagte Bernese.
General Leader Marianne Vos aus den Niederlanden, die seit der zweiten Etappe Gelb trägt, sah auch einen anderen Grund für die vielen Stürze in bestimmten Etappen. „Der starke Wind hat sicherlich eine Rolle gespielt, ebenso wie der Kampf um die Plätze im Feld. Alle wollten vorne sein.”
Auch am Sonntag will Vos in Führung gehen, wenn die Strecke mit dem schwierigen Anstieg zur La Super Planche des Belles Filles endet – am Ende beträgt die Steigung 24 Prozent. Solange die Niederländerin nicht in den letzten drei Etappen in einen furchtbaren Sturz verwickelt ist.
Herbie Egli ist seit 2018 Sportredakteur mit Online-Schwerpunkt und spezialisiert sich neben der allgemeinen Berichterstattung auf Radsport und Ski Alpin
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