Parlamentswahlen in Frankreich Bisher geringe Wahlbeteiligung

Stand: 12.06.2022 14:45 Uhr

Bei den französischen Parlamentswahlen haben weniger Menschen gewählt als vor fünf Jahren. Am Ende könnte es zwischen dem Lager von Präsident Macron und einem Linksbündnis um Jean-Luc Mélenchon wieder gut werden.

In Frankreich zeichnet sich bei den Parlamentswahlen ein direktes Rennen zwischen der Regierungskoalition von Präsident Emmanuel Macron und dem grün-linken Nupes-Bündnis unter Führung von Jean-Luc Mélenchon ab.

Die ersten Zahlen deuteten auf eine geringe Wahlbeteiligung hin. Am Mittag lag er bei 18,43, 0,8 Prozentpunkte unter dem zeitgleich gemessenen Wert von 2017 und 2,5 Punkte unter 2012. Insgesamt hatte das Meinungsforschungsinstitut Ipsos Sopra-Steri mit einem Anteil von weniger als 50 Prozent gerechnet. Erwartet wurde eine hohe Nichtwählerquote, insbesondere bei jüngeren Wählern und Personen mit niedrigem sozialen Status.

Sabine Rau, ARD Paris, zu den Parlamentswahlen in Frankreich

tagesschau24 14 Uhr, 12.6.2022

Sozialisten, Grüne und Kommunisten hinter Mélenchon

Das zentristische Ensemble hinter Macron könnte seine absolute Mehrheit verlieren, was 289 Sitze in der Nationalversammlung erfordern würde. Sollte das Grün-Links-Bündnis um Mélenchon die absolute Mehrheit gewinnen, würde Macron einen Großteil seiner politischen Macht verlieren. Dem Bündnis Nupes de Mélenchon gehören neben seiner Partei La France Insoumise auch Sozialisten, Grüne und Kommunisten an. Mélenchon hatte für das Amt des Premierministers kandidiert.

Dem altgedienten Linkshänder Mélenchon war es gelungen, das zersplitterte linke Feld hinter sich zu vereinen und Macron anzugreifen. Als scharfsinniger Redner und Stratege profilierte er sich in einem Wahlkampf, dem Macron bis kurz vor Schluss fernblieb.

Es könnte eine gemeinsame Macht geben

Für den im April im Amt bestätigten Präsidenten hätte eine Niederlage schwerwiegende Folgen: Erstmals seit 2002 würde es in Frankreich wieder eine “Kohabitation” geben, also die Gewaltenteilung zwischen dem Präsidenten und der parlamentarischen Mehrheit. In Frankreich wird der Präsident direkt vom Volk gewählt. Er ernennt den Ministerpräsidenten.

Sicher scheint jedoch, dass Deutschland und Europa weiterhin auf Frankreich als verlässlichen Partner zählen können. Auf dem proeuropäischen Weg und der Solidarität mit Berlin sollte es keine Kompromisse geben. Auch im Ukraine-Konflikt wird Frankreich ein fester Bestandteil der westlichen Einheitsfront gegen den Aggressor Russland bleiben.

In der ersten Runde der Parlamentswahlen wurden mehr als 48 Millionen Franzosen zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Wahllokale sind bis 18 Uhr geöffnet, in Großstädten auch bis 20 Uhr. In den französischen Überseegebieten konnten die Bürger bereits am Samstag abstimmen.

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