- Im ersten Durchgang der Parlamentswahlen in Frankreich kommt es zu einem direkten Rennen zwischen dem zentralen Wahlbündnis von Präsident Emmanuel Macron und dem Linksbündnis NUPES.
- Hochrechnungen von 20 Uhr beziffern das durchschnittliche Feld des Präsidenten auf zwischen 25,2 und 25,9 Prozent, ungefähr gleich hoch wie das Linksbündnis NUPES, zwischen 25,2 und 26,1 Prozent.
- Was die Sitzverteilung im zweiten Wahlgang in einer Woche betrifft, gehen Prognosen davon aus, dass Macrons Lager die Mehrheit haben wird.
Wahlen in Frankreich 2022 – Abstimmen
Kurz nach der Wiederwahl von Präsident Emmanuel Macron wählten die Franzosen ein neues Parlament, die Nationalversammlung, mit 577 Sitzen.
Im ersten Wahlgang gewinnt der Kandidat, der in seinem Wahlkreis (Majorz) mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält. Wenn nicht, müssen alle Kandidaten, die mehr als 12,5 Prozent der Stimmen erhalten haben, am kommenden Sonntag einen zweiten Wahlgang abgeben.
Macron will wieder eine Mehrheit im Parlament bekommen. Andernfalls wäre er gezwungen, eine Regierung mit Politikern und einem Ministerpräsidenten aus anderen Lagern zu ernennen („Kohabitation“). Die französische Premierministerin Elisabeth Borne hält ihre Gegner für unwahrscheinlich. Er warnte auch vor einem Erstarken der Linken: “Wir dürfen nicht das Risiko einer Instabilität eingehen.”
Der Vorsitzende der französischen Konservativen (Les Républicains, LR), Christian Jacob, sieht seine Partei trotz der Verluste als große politische Kraft. Mit 92 Sitzen ist die LR derzeit die stärkste Oppositionskraft im Parlament. Zusammen mit ihren Verbündeten kamen sie den Hochrechnungen zufolge auf 11,3 bis 13,7 Prozent der Wähler und konnten zwischen 40 und 80 Sitze erringen. Jacob betonte seine klare Linie: “Es gibt keine Stimme für Extreme!” Das gilt für links oder rechts, denn der Mittelstand würde darunter leiden.
Mélenchon: „Macrons Niederlage“
Der Chef des Linksbündnisses in Frankreich, Jean-Luc Mélenchon, sieht das Ergebnis als klare Niederlage für Emmanuel Macron. “Die Präsidentenpartei wird in der ersten Runde besiegt und besiegt.” Mélenchon forderte die Bürger auf, am kommenden Sonntag zur Wahl zu gehen, um „die fatalen Pläne der Mehrheit von Herrn Macron endgültig abzulehnen“. Hochrechnungen zufolge liegt das neue Linksbündnis aus Kommunisten, Grünen und Sozialisten um fast 26 Prozent an der Spitze des Macron-Zentrumsbündnisses.
Le Pen: “Unglaublicher Sieg”
Marine Le Pen bezeichnete die Leistung ihrer Rallye National (RN) als “immensen Sieg”: “Es ist wichtig, dass Emmanuel Macron keine absolute Mehrheit hat, die er missbrauchen wird, um seine egozentrischen und brutalen Methoden anzuwenden.” Der zweite Wahlgang bietet die Gelegenheit, eine große Gruppe patriotischer Abgeordneter in die Nationalversammlung zu entsenden. Die Rallye (RN) kommt laut Hochrechnung der Station TF1 auf 19 Prozent.
Geringe Beteiligung
In Frankreich ist der Anteil mit 47 Prozent gering. Viele Franzosen seien des Wählens überdrüssig, sagt SRF-Korrespondentin Alexandra Gubser in Paris. Seit September läuft im Land Wahlkampf. Zum größten Teil ist alles gesagt und getan, und Macron wurde vor sieben Wochen zum Präsidenten gewählt. Damit wurde das Thema geschlossen. „Diese niedrige Wahlbeteiligung zeigt aber auch, wie groß die Vertrauenskrise zwischen Bürgern und der politischen Elite ist“, sagt Gubser.
Am kommenden Sonntag findet die zweite Runde der Parlamentswahlen statt.