Parteitag der Linken: Wissler bleibt Vorsitzender der Partei Die Linke

Parteitag der Politischen Linken

Wissler bleibt Parteivorsitzender, das Lager Wagenknechts wird bestraft

Stand: 25.06.2022 | Lesezeit: 3 Minuten

Schlechtes Ergebnis: Janine Wissler wurde mit 57,5 ​​Prozent als Parteivorsitzende wiedergewählt

Die: Bild Allianz / dpa

Janine Wissler wurde als Vorsitzende des Linksparteitags wiedergewählt. Generell kann gerade die linke Bewegung den Parteitag als Erfolg verbuchen. Klarer Verlierer ist allerdings der linke Flügel der Partie um Wagenknecht. Wahrscheinlich wird die innere Ruhe der Partei eher erschwert als gefördert.

Die Linke hat eine neue Parteispitze, mit altbekanntem Gesicht: Parteichefin Janine Wissler, zuletzt geschwächte Partei, wurde mit 57,5 ​​Prozent wiedergewählt. Ein bestenfalls mittelmäßiges Ergebnis. Seine Konkurrentin, die Bundestagsabgeordnete Heidi Reichinnek, erzielte respektable Erfolge von mehr als 35 Prozent. Zu Beginn des Parteitags in Erfurt hieß es, Wissler habe zittern müssen. Allerdings überraschte der 41-Jährige am Freitag mit einer eindringlichen und kämpferischen Rede. Vielleicht hat ihm das die Präsidentschaft gerettet.

Neuer Co-Vorsitzender ist Martin Schirdewan. Er setzte sich mit 61,3 Prozent klar gegen den Leipziger Bundestagsabgeordneten Sören Pellmann (31,6 Prozent) durch, der unter anderem von der ehemaligen Fraktionschefin Sahra Wagenknecht unterstützt wurde.

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Schirdewan, 46, ist Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Europaparlament und kommt aus dem Thüringer Landesverband. Ministerpräsident Bodo Ramelow sieht darin ein Modell für den Erfolg der Linken durch Pragmatismus. Allerdings hat die zurückgetretene Parteichefin Susanne Hennig-Wellsow erfahren, dass das Erfurter Rezept nur schwer auf die Bundesregierung übertragbar ist.

In seiner Rede griff Schirdewan die Ampelregierung an: Er betrüge Menschen. Die SPD vergesse in ihrem Entlastungspaket Rentner, Studenten und Selbstständige, die FDP ziehe mit dem Pfandrabatt “Milliarden in die Privattaschen der Ölmultis”, kritisierte er. “Und Waffen, Waffen, Waffen sind das neue Grün.” Allerdings hat auch die Linke “Pflichten”. “Die Menschen brauchen keine Partei, die sich ständig in Diskussionen mit sich selbst verliert.” MeToo-Beschwerden sollten mehr Folgen haben als Mundpropaganda, forderte er.

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Insgesamt kann vor allem die linke Bewegung den Parteitag als Erfolg verbuchen. Auch Wissler wird der Bewegung zugerechnet. Sie hat sich nicht nur bei der Wahl, sondern auch inhaltlich durchgesetzt. Klarer Verlierer ist allerdings der linke Flügel der Partie um Wagenknecht. So wurde ein Änderungsantrag des ehemaligen Fraktionsvorsitzenden zur Außenpolitik gnadenlos abgelehnt. Das Ergebnis mit manuellem Signal war so eindeutig, dass es nicht einmal gezählt wurde. Eine Initiative der Parteilinken scheiterte knapp am außenpolitischen Vorstoß der Parteiführung. Darin werden die imperialistischen Großmachtambitionen Russlands klar erläutert und Sanktionen gegen die Oligarchen verteidigt, ohne explizit die Nato für den Ukrainekrieg verantwortlich zu machen. Im Gegenantrag wurde jedoch das Vorgehen der NATO als Kriegsursache betont und Sanktionen grundsätzlich abgelehnt.

Kämpfe um die Position im Krieg in der Ukraine

Die knappe Abstimmung zeigt, wie die Partei immer noch darum kämpft, ihre Position zum Krieg in der Ukraine zu klären. Begleitet wurde die Abstimmung von tosendem Applaus, auch für die Europapolitikerin Özlem Demirel, die sich in einer kämpferischen Erklärung gegen eine Aufrüstung der Nato ausgesprochen hatte. “Dieser Krieg wird mit dem Blut der Ukrainer instrumentalisiert”, sagte er.

Niederlagen auf dem linken Feld schwächen auch das Hufeisenbündnis mit den Reformern, das für die Fraktion tonangebend ist. Wahrscheinlich wird die innere Ruhe der Partei eher erschwert als gefördert. Denkbar ist, dass sich die Fraktion auch künftig nicht von den Entscheidungen des Parteivorstands oder den Wünschen der Parteispitze beeindrucken lässt. Diese Diskrepanz zwischen der Position der Partei und dem Handeln der Fraktionen ist eine zentrale Quelle des anhaltenden Streits. Für die Fraktionsvorsitzenden Dietmar Bartsch und Amira Mohamed Ali wird es entscheidend darauf ankommen, sich mit den neuen Parteivorsitzenden zu verständigen.

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Eine wichtige Rolle könnte dabei der neue Bundesgeschäftsführer spielen: Tobias Bank. Der 36-Jährige, ehemals Mitglied des Parteivorstands, setzte sich überraschend gegen Janis Ehling durch. Wissler bevorzugte angeblich Letzteres. Bank hingegen galt als Kandidatin im reformistischen Lager.

Gregor Gysi, einer der Gründungsväter der Partei, machte jedenfalls sehr deutlich, dass die Partei sich zusammenschließen und sich von den Sezessionsphantasien verabschieden müsse. Die Vorstellung, man solle erst richtig „brechen“ und dann eine neue Partei gründen, hält er für unrealistisch. „Entweder wir retten diese Partei oder wir versinken in der Bedeutungslosigkeit“, sagte er.

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