Eigentlich hätte die Wiederwahl von Michael Ludwig zum Parteivorsitzenden im Mittelpunkt des SPÖ-Landestages in Wien stehen sollen. Doch am nächsten Tag beherrschte eine Aussage von Nevrivy die Schlagzeilen. Beim Thema Mobilität und der damit verbundenen Debatte geht es heiß her. Die jüngere Generation und der Bezirk Alsergrund haben Klage gegen den Lobautunnel und die Stadtstraße eingereicht.
“Grüne und andere Heisln”
Die Emotionen sind hoch in Nevrivy. „Hier geht es bei den beiden Anträgen darum zu zeigen, ob wir als Sozialdemokratie in dieser Frage einig sind, ob wir auf der Seite der Stadtregierung stehen, die die Entscheidung getroffen hat, und ob wir auf der Seite unseres Bürgermeisters stehen, der für Wochen und Monate werden Grüne und alle anderen Heisln beleidigt und beschuldigt.“
Rede von Ernst Nevrivy (SPÖ) auf dem SPÖ-Landesparteitag in Wien
Dafür bekommt er viel Gelächter und manchmal auch lauten Applaus. Den Jungs gefällt das nicht. Stefanie Berger, die Wiener Präsidentin des Österreichischen Verbandes Sozialistischer HochschülerInnen (VSStÖ), antwortet: Und ich sage es ganz ehrlich: Wenn Podiumsaktivisten wie „Heisln“ beschimpft werden und dafür Beifall gibt: Das ist nicht die Sozialdemokratie, die ich mir vorstelle.“
APA / Gerald Mackinger Parteijugend demonstrierte bei Rede von Stefanie Berger
“Wir nennen den Wähler nicht Heisln”
Nino Portschy von der Jungen Generation spielte auf die Demonstration von Klimaschützern an, die ursprünglich vor dem Kongressort der Partei, der Messe Wien, demonstrieren wollten. Dies wurde nicht genehmigt, aber Polizisten sicherten die Veranstaltung. „Wir verstecken uns also nicht hinter irgendwelchen Absperrungen oder hinter hundert Polizisten da draußen oder drohen mit Klagen, sondern wir reden mit den Leuten. Wenn wir auf sie hören, dürfen wir Heisln nicht auf die Wählerschaft berufen.“
APA/Tobias Steinmaurer Zahlreiche Aktivistengruppen demonstrieren vor Parteitag
Auch Akim Hadrany von der SPÖ Alsergrund sagte: „Die Menschen, die da draußen protestieren, sind (sind) nicht unsere Feinde, schon gar nicht die Erben, aber womöglich unsere zukünftigen Wähler. Sie sind alle da draußen, weil die SPÖ ‚ihre letzte Hoffnung‘ ist .’ Und Axel Magnus, Vorsitzender des Wiener Betriebsrats Sucht- und Drogenkoordination, sagte: „Ich schäme mich für einen Parteitag, wo jemand so beleidigende Äußerungen macht. Ich schäme mich, Genosse Nevrivy.“ Von Partei und Bezirkshauptmannschaft Donaustadt gab es am Sonntag in Wien Heute keine Stellungnahme.